Gnade des Erbittens

Online seit dem 18.05.2009, Bibelstellen: Philemon 14

„Aber ohne dein Einverständnis wollte ich nichts tun, damit deine Wohltat nicht wie gezwungen, sondern freiwillig sei.“ Philemon, V.14

Das tägliche Leben stellt uns oft vor schwierige Entscheidungen, für die wir dringend Hilfe suchen. Wenn es sich auch nicht immer um Problemsituationen handelt, so brauchen wir doch jederzeit Weisung und Korrektur für unser Verhalten. Die Bibel, Gottes Wort, gibt Antwort für alle Lebensfragen. Aber kennen wir sie auch?  Es wäre für einen Christen nicht zu entschuldigen, wenn das Buch der Bücher im Schrank verstaubt. Und es genügt nicht, nur zu lesen, ohne über das Wort nachzudenken und es auf uns selbst anzuwenden. Dazu bietet sich Anleitung durch den Dienst befähigter Brüder und das Studium von bibeltreuen Auslegungen an. 

Es bleibt eine lebenslange und segensreiche Aufgabe, die Heilige Schrift in diesem Sinn zu lesen. Der mit Autorität ausgestattete Apostel Paulus hätte dem Philemon sehr wohl seine Anweisung mit unbedingter Bestimmtheit geben können (V.8), aber er tat es nicht. Das war Weisheit, weil er keinen erzwungenen Gehorsam wollte. Sehr oft ist dieser, besonders im zwischenmenschlichen Bereich, nicht viel wert. Wenn der andere doch nicht bereitwillig auf an sich berechtigte Anliegen eingeht, was kommt dann dabei heraus? Nun aber wählt der Apostel die Form der Bitte, und das ist Demut und Liebe, also eine nachahmenswerte Haltung. Er hatte das nicht nötig, aber er verhält sich so.  Sollten wir es ihm nicht gleichtun? Natürlich könnten auch wir – z.B. aufgrund unseres Alters oder unserer Stellung – unsere Wünsche mit Nachdruck vorbringen. Besser ist es zweifellos, von der „Gnade des Erbittens“ Gebrauch zu machen, wie es jemand ausdrückte. Das zeugt von einer guten Gesinnung und wird ein wohltuendes Miteinander hervorrufen.

[Aus dem Kalender „Der Herr ist nahe!“]