Wer eine Beteiligung von Gläubigen in einem Krieg befürwortet, untermauert seine Ansicht gern mit Versen aus Römer 13. Dort heißt es unter anderem:
„Wer sich daher der Obrigkeit widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil über sich bringen. … Wenn du aber Böses verübst, so fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst“ (Röm 13,2.4).
Man sagt hierzu: Wir müssen der Obrigkeit auch dann gehorsam sein, wenn sie uns zur Waffe ruft. Das damit verbundene (mögliche) Töten steht nicht im Gegensatz zu dem, was wir in der Bergpredigt und an anderen Stellen finden. Denn bei diesen Stellen geht es um unser persönliches Verhalten im Alltagsleben. Doch wenn wir in einer Armee dienen, dann benutzen wir das Schwert der Obrigkeit, das Gott ihr nicht umsonst gegeben hat.
Das Schwert der Obrigkeit
Es muss nicht bezweifelt werden, dass der Tod eine „staatliche“ Vergeltungsmaßnahme sein kann: Seit Noahs Zeiten sollen Mörder getötet werden (1. Mo 9,6).
Aber genau hier sind wir beim Kern des Problems. Das Schwert richtet sich gezielt gegen einen Menschenmörder (dessen Schuld natürlich auch eindeutig erwiesen sein muss). Und das ist beim Krieg nicht gegeben! Die anderen Soldaten kann man nicht pauschal als Mörder betrachten und die Opfer unter den Zivilisten, die es in einem modernen Krieg immer gibt, erst recht nicht.
Nehmen wir an, ein Christ ist Polizist. Er erhält die Order, sofort in eine Fußgängerzone zu kommen. Dort stellt er fest, dass ein Amokläufer Menschen reihenweise erschießt. Er feuert auf den Massenmörder – und dieser bricht tot zusammen. Auch wenn niemand in eine solche Situation kommen möchte, wäre das ein legitimer Gebrauch des „Schwertes“. Das ist etwas ganz anderes, als wenn ein Christ gegen die vermeintlich „bösen Menschen“ eines anderen Landes kämpfen soll.
Außerdem muss man bedenken, dass die Obrigkeit grundsätzlich nur Autorität gegenüber den Einwohnern ihres Landes hat. Das Schwert soll nicht länderübergreifend wirken, weil es da nicht gezielt Vergeltung üben kann.
Der Christ und das Militär
John Nelson Darby sagte einmal: „Für mich ist klar, dass ein Christ, der in seinem Handeln frei ist, niemals Soldat sein könnte, außer sein Maßstab wäre sehr tief und er wäre unwissend über die christliche Stellung.“[1]
Wenn aber jemand zum Kriegsdienst gezwungen wird (vielleicht unter Androhung der Todesstrafe, wie es bei den Nationalsozialisten der Fall war), dann ist das sicher eine persönliche Frage des Gewissens, wie stark man die negative Seite des Krieges betont. Aber ein Christ wird bestimmt versuchen, wenn irgend möglich, sich aus dem aktiven Kampfgeschehen herauszuhalten.
Der wahre Kampf des Christen
Ein Christ ist auf dieser Erde ein Pilger und ein Fremdling (1. Pet 2,11). Sein Bürgertum ist in den Himmeln (Phil 3,20) und sein Vaterland ist nicht in dieser Welt zu finden (Heb 11,14). Darum kann es nicht seine Bürgerpflicht sein, sein Vaterland mit Waffen zu verteidigen. Warum sollte man so töricht sein, sein Leben für ein Land dieser Erde einzusetzen?[2] Der Kampf eines Christen ist nicht gegen Fleisch Blut, sondern gegen „die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern“ (Eph 6,12). Er führt „den guten Kampf des Glaubens“ (vgl. 1. Tim 6,12). Gerade Römer 13 sagt uns, welche Waffen wir anziehen sollen: Es sind „die Waffen des Lichts“ (Röm 13,12).
Fußnoten:
