Der Christ und die Waffe

Online seit dem 07.09.2005, Bibelstellen: Römer 13,1-7

Solche, die eine Beteiligung von Gläubigen in einem Krieg befürworten, untermauern ihre Ansicht gern mit Versen aus dem 13. Kapitel des Römerbriefes. Dort heißt es u.a.:

„Wer sich daher der Obrigkeit widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil über sich bringen ... Wenn du aber Böses verübst, so fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst.“

Man sagt: Wir müssen der Obrigkeit auch dann gehorsam sein, wenn sie uns zur Waffe ruft. Das damit verbundene (mögliche) Töten steht nicht im Gegensatz zu dem, was wir in der Bergpredigt etc. finden. Dort geht es um unser persönliches Verhalten; aber in diesem Fall benutzen wir gleichsam das Schwert der Obrigkeit, das Gott ihr nicht umsonst gegeben hat.

Dass das Schwert ein Tötungsinstrument ist, ist eindeutig. Und dass der Tod eine „staatliche“ Vergeltungsmassnahme sein kann, muss nicht in Zweifel gezogen werden: Seit Noahs Zeiten sollen Mörder getötet werden (1. Mo 9,6).

Aber hier sind wir beim Kern des Problems. Das Schwert richtet sich gezielt gegen einen Menschenmörder (dessen Schuld natürlich auch eindeutig erwiesen sein muss). Und das ist eben beim Krieg nicht gegeben! Die anderen Soldaten kann man nicht pauschal als Mörder betrachten und die Opfer unter den Zivilisten, die es in einem modernen  Krieg immer gibt, schon zweimal nicht. Außerdem muss man bedenken, dass eine Obrigkeit grundsätzlich nur Autorität gegenüber den Einwohnern seines Landes hat. Wenn wir beispielsweise von der chinesischen Regierung aufgefordert würden, für unsere in Deutschland ausgeführte Arbeit chinesische Einkommenssteuer zu zahlen, würden wir uns bestimmt weigern, denn das wäre ihrerseits eine Kompetenzüberschreitung.

Nehmen wir an, ein Christ ist Polizist. Er erhält die Order sofort in eine Fußgängerzone zu kommen. Dort stellt er fest, dass ein Amokläufer Menschen reihenweise erschießt. Er feuert auf den Massenmörder – und dieser bricht tot zusammen. Richtig oder falsch? Die Antwort ist nicht schwer: Er hat das „Schwert“ völlig legitim gebraucht. Und das ist etwas ganz anderes, als wenn ein Christ in einem anderen Land als Soldat mit den „bösen Menschen“ dort  aufräumen will.

Natürlich ist das Thema sehr komplex. Aber dass manche Christen wie selbstverständlich in der Vergangenheit unter Berufung auf Römer 13 zur Waffe gegriffen haben, ist unverständlich. Oder nicht?

Gerrid Setzer