Vergebung für die Erde

Online seit dem 19.08.2011, Bibelstellen: Matthäus 18,21-35

Evangelisten freuen sich, wenn sie auf fast jeder Seite der Bibel etwas finden, was sie evangelistisch verwerten können. Das gilt auch für das Gleichnis in Matthäus 18,23–35. Denoch müssen wir sehen, dass es hier nicht um die Vergebung für die Ewigkeit geht. Es geht nicht um das ewige Gericht in der anderen Welt. Es geht um die Regierung Gottes auf dieser Erde.

Im Reich der Himmel, das auf der Erde besteht, haben wir es mit einem König zu tun, der gnädig ist (Mt 18,27). Jeder Knecht in diesem Reich (also jeder, der sich Christ nennt) hat etwas von dieser Gnade gehört oder erfahren. Die Frage ist aber, ob man diese Gnade von Herzen verstanden hat und deshalb auch seinen Mitknechten von Herzen vergibt, wenn es notwendig sein sollte.

Wenn wir nicht vergeben wollen, dann handeln wir nicht in Übereinstimmung mit der offenbarten Gnade (Mt 18,28). Wir nötigen den himmlischen Vater, uns zur Besinnung zu bringen, indem wir seine Strenge kennenlernen. Wir bekommen keine Ruhe mehr, bis wir die Sache in Ordnung gebracht haben. Manche Knechte im Reich der Himmel fühlen sich so elend wie im Gefängnis (Mt 18,34) – liegt es vielleicht daran, dass sie nicht vergeben und gestörte Beziehungen bereinigen wollen?

Der Ausdruck „böser Knecht“ (Mt 18,32) einerseits und der Ausdruck „himmlischer Vater“ (Mt 18,35) andererseits machen klar, dass wir den Grundsatz der Regierung im Reich der Himmel sowohl auf Namenschristen als auch auf echte Kinder Gottes, die den Vater kennen und lieben, anwenden sollten.

Dass wir das Gleichnis auch auf wahre Kinder Gottes anwenden müssen, wird klar, wenn wir den Ausgangspunkt der Belehrung ins Auge fassen. Am Anfang stand die Frage des Petrus: “Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der gegen mich sündigt, vergeben? Bis siebenmal?“ (Mt 18,21).

Gerrid Setzer