Das Buch der Richter und die Sendschreiben

Online seit dem 04.06.2011, Bibelstellen: Richter 1-21

Notizen zum Studium und Weiterforschen

Das ganze Buch der Richter kann mit der Geschichte der christlichen Kirche verglichen werden, so wie sie in den sieben Sendschreiben gezeigt wird (Off 2 – 3). Im Buch Samuel wird dann in Saul der Antichrist vorgestellt, während David ein (bekanntes) Bild von Christus ist, der die Herrschaft im Reich übernehmen wird.

Folgende grobe Einteilung wäre denkbar:

Ephesus:             (1) + (2) + 3

Symrna:              4 + 5

Pergamus:           6 + 7 + 8

Thyatira:              9 + (10)

Sardes:               11 + 12

Philadelphia:       13 + 14 + 15 + 16

Laodizäa:            17 + 18 + 19 + 20 + 21 (obwohl hier auch Grundsätze gezeigt werden, die von Anfang an gelten; so ähnlich ist es auch in Bezug auf Kapitel 1 und 2).

Ephesus 

Das Buch Josua kann man mit der Zeit vergleichen, als noch die Apostel unter den Gläubigen wirkten. Die Abschiedsrede des Josua am Ende des Buches bietet Parallelen zu der des Paulus in Apg 20. Josua hatte das Volk in das Land Kanaan eingeführt und befiehlt das Volk nun Gott an; Paulus führte das Volk Gottes in die himmlischen Örter ein, wovon Kanaan ein Bild ist, und tut dasselbe.

Das Buch der Richter zeigt uns also die nachapostolische Zeit, und das ist exakt die Sichtweise der Sendschreiben. Ephesus beschreibt die Zeit, nachdem die Apostel abgerufen waren.

Richter 1

Finden sich nicht in den ersten Versen viel Werke, Arbeit und Ausharren (Off 2,2)?

V.24: Wir sehen in dem Kapitel so viel „Menschliches“, Dinge, die man gut nachvollziehen, aber eben doch nicht gutheißen kann (denn es sollten alle Kanaaniter ausgerottet werden). So war es auch mit der Kirche. Sehr schnell schlichen sich schon zu Beginn unbiblische Organisationsformen und ähnliches ein.

Richter 2

V.2: Wer die erste Liebe verlässt, ist ungehorsam (vgl. Joh 14,21).

Richter 3

V.4: Bis zu diesem Vers geht die Einleitung, die uns auch allgemeine Grundsätze zeigt, die nicht nur für Ephesus gelten. Danach beginnt erst die Parallele zu diesem Sendschreiben deutlicher zu werden.

V.6: Sie verließen die erste Liebe. Ihre Liebe galt ihren Göttern.

V.9: Der Eifer von Ephesus.

V.13: Hier zeigt sich die Anmaßung des Feindes, der sich erlaubt, die erste von den Juden eroberte Stadt in Besitz zu nehmen. Diese Überheblichkeit zeigte sich auch bei den „Aposteln“ in Ephesus. Noch deutlicher wird das bei Eglon.

V.19: Er kann das Böse nicht ertragen (Off 2,2).

V.28: Er ist nicht müde geworden (Off 2,3).

V.31: Die Philister (Namenschristen), die man unter Umständen mit den Nikolaiten vergleichen kann, erfuhren zur Zeit Simsons (Philadelphia) einen noch schwereren Schlag.

Dass man die ersten drei Richter unter Ephesus zusammenfasst, muss nicht verwundern, denn der erste beschlagnahmt nur 6 Verse und der letzte sogar nur einen. Vielleicht kann man sogar folgenden Vergleich anstellen:

Off 2,2.3 = Ri 3,11–30 / Off 2,4.5 = Ri 3,4–11 / Off 2,6 = Ri 3,31.

Smyrna

Richter 4

V.2: Jemand, der in Kanaan wohnt, bedrückte sie. Er war seiner Stellung nach einem Juden oder besser gesagt einem Israeliten gleich, und doch gehörte er natürlich nicht zum Volk Gottes – erinnert das nicht an Off 2,9?

V.3: In Smyrna wurden die Gläubigen auch mit Gewalt, und zwar 10 Tage (wie ähnlich zu den 20 Jahren!), bedrängt; der Teufel wird dort explizit genannt, von dem Jabin (und auch Sisera) ein Bild ist.

Richter   5

V.6: Man kann bei diesen Versen an Off 2,10 (“Ich kenne deine Drangsal und deine Armut“) denken.

V.12: Parallele zu Smyrna, die auch ermutigt wurden: „Fürchte nichts von dem, was du leiden wirst.“ So musste Barak von dem sicherem Platz auf dem Berg Tabor in das Tal hinabziehen, um der gewaltigen feindlichen Heeresmacht zu begegnen.

V.13: In Smyrna wird von Juden gesprochen, die es nicht sind, sondern eine Synagoge des Satans; und so gab es auch hier solche, die auf der Seite des Feindes standen – denn der, der nicht mit Christus sammelt, zerstreut. Neutralität ist letztlich Feindschaft.

V.18: „Sei getreu bis zum Tode, und ich werde dir die Krone des Lebens geben“ (siehe Off 2).

V.31: Die ihn lieben, erhalten die Krone des Lebens (Off 2,10), die Ungläubigen hingegen, werden mit dem zweiten Tod getötet.

Pergamus

Richter 6

V.5: Die Gläubigen sind dort, wo der Thron Satans ist – die Feinde beherrschen völlig das Land. Midian spricht von den irdischen Dingen, die eine Gefahr für die Gläubigen bilden. Und gerade in jener Zeit wurde es vorteilhaft, ein Christ zu sein, da es die neue Staatsreligion bildete. Mit dieser Verweltlichung verlor das Volk Gottes aber seine wirkliche Nahrung.

V.10: vgl. Off 2,14.

V.11: Gideon ist eine Art Antipas. Dieser ist in der Geschichte eine unbekannte Person, auch Gideon war (zunächst) ein eher unrühmlicher Mann (vgl. Vers 15). Das Leben des Gideon wurde auch, wie bei Antipas, bedroht (siehe Vers 30), nur starb jener tatsächlich durch die Gewalt, die von einem götzendienerischem Volk ausging.

Er schlug den Weizen in der Kelter, im Verborgenen, aus, das mag an das verborgene Manna erinnern.

V.32: Vergleiche dies mit dem neuen Namen aus Off 2,17.

Richter 7

Vers 14: Wie oft wird in der Geschichte Gideons das Schwert erwähnt! Siehe Off 2,12.16.

Richter 8

V.1: Streit gab es in jener Zeit massiv unter denen, die sich zu Christus bekannten (Donatisten, Arianer, Nestorianer ...).

V.23: Die autorative Herrschaft eines Papstes wurde zu jener Zeit noch abgelehnt.

V.27: Markiert schon einen Übergang zu Thyatira. Jetzt tat Gideon das (im Prinzip), was er zuvor bekämpfte. Die viele Frauen deuten in dieselbe Richtung.

Das Ephod könnte direkt mit der Lehre Bileams verglichen werden, der den Israeliten einen Fallstrick legen wollte – das war das Ephod letztlich auch.

Thyatira

Richter 9

V.2: Vergleiche den Anspruch des römischen Papstes. Dieses Machtstreben kennzeichnete die ganze Kirche. Doch da haben sie sich in der Haushaltung geirrt. Die Christen werden in der Tat herrschen, doch das ist noch zukünftig. Siehe Off 2,26.27!

Ahimelech heißt übrigens womöglich „Vaterkönig“ – und so lässt sich der Papst auch als „Vater“ titulieren.

V.4: Der Götzendienst blühte. Es wurde dem Baal-Berith (offenbar eine Mischreligion, denn „Berith“ heißt Bund, und das erinnert an Jehova, den Bundesgott Israel). Auch Isebel war eine glühende Anhängerin des Baal-Dienstes.

V.7: In der finsteren Zeit des Mittelalters gab es so manche unerschrockene Zeugen, die unter Lebensgefahr das Böse im Volk Gottes zur Sprache brachten.

V.20: Hier kann man auch gut die Verbindung zu Thyatira knüpfen: Wie viel buchstäbliches Feuer ist von ihnen ausgegangen (Scheiterhaufen)! Siehe Vers 49 und Vers 52. Vergleiche mit Off 2,18.

V.23: Wie viel böse Geister haben in dieser Kirche Raum gefunden! Von Babylon wird gesagt, dass sie eine Behausung jedes unreinen und gehaßten Vogels (Vorbilder von Dämonen) geworden ist.

V.24: In dieser Beziehung ist die Verbindung zwischen dem Tier und der Hure, die zunächst auf dem Tier sitzt und es also beherrscht, zu erkennen. Siehe ferner Off 2,22.

V.27: Am Ende der Ernte hätten sie auch das Laubhüttenfest feiern können, doch sie hatten götzendienerische Gebräuche, die sie mit der wahren Religion vermischten – wie Rom auch.

V.28: Ist im dem Wort „Sebul“ nicht „Isebel“ zu erkennen?

Sardes

Richter 10

V.4: Die Herrschsucht ist nicht so ausgeprägt, denn es werden nur 30 Dörfer verwaltet.

V.5: Hier fehlt die „Formel“, die man so oft im Buch der Richter findet (siehe Vers 6); es geht eben nicht darum, eine neue Periode vorzustellen, vielmehr wird, kirchengeschichtlich betrachtet, die Zwischenzeit zwischen Thyatira und Pergamus gezeigt: die Wegbereiter der Reformation (Hus usw.).

V.16: Das geschah auch in der Reformation; wie viel Götzen mussten weggeschafft werden (siehe Vers 6)!

Richter 11

V.1: Die Reformatoren kamen aus römischen Hintergrund, der voll geistlicher Hurerei ist. Viele von ihnen waren in dieser gefährlichen Zeit tapfere Helden.

V.2: Das mussten viele Reformatoren erfahren: Sie wurden von den eigenen Brüdern verworfen, vom Papst verbannt usw.

V.6: Das ist ein demokratischer Grundsatz, der sich oft in Sardis findet.

Es mag menschlich verständlich sein, aber entspricht nicht dem großen Grundsatz (gerade der Reformation) „sola scriptura“.

V.30: Hat jemand, der so vom Geist erfüllt wird, ein derartiges Gelübde nötig? Man kann die Geschichte Jephtas nur mit gemischten Gefühlen lesen, wie die Zeit ab der Reformation auch. Es fand sich manches Gute, aber auch so viel Menschliches. Die Werke wurden als nicht völlig erfunden.

V.37: Jungfrauschaft mag einen an Off 3,4 denken lassen.

Richter 12

V.4: Der erste Bürgerkrieg, der uns in diesem Buch beschrieben wird. Das ist kennzeichnend für den Protestantismus. Rom bildet immer noch eine Einheit, nur die Außenstehenden werden bekämpft; bei den Protestanten aber richtete sich das Schwert des einen gegen den anderen (Zwingli ließ Wiedertäufer töten usw.).

Philadelphia

Richter 13

V.1:  In der Zeit der großen Erweckungen im 19. Jahrhundert, wurden auch die Philister – die Namenschristen, die das Volk Gottes aktiv bedrängen, also nicht die Gleichgültigen – stark, denken wir an die Bibelktitik und die Zeugen Jehovas, Mormonen usw. Als der Ruf erscholl, dass der Bräutigam käme, da wachten eben auch die fünf törichten Jungfrauen auf. Die schlafende Christenheit wachte auf - im positiven wie im negativen Sinn.

V.2: Diese Erweckung war dadurch gekennzeichnet, dass sie in ganz besonderer Weise das souveräne Handeln Gottes (unfruchtbare Frau, das Volk schrie nicht einmal mehr in seiner Not zu Gott) deutlich machte. Es findet sich nicht so viel „Menschliches“ wie bei Jephta. Der Reformation ruhte auf wenigen menschlichen Schultern, Luther z.B. spielte dabei eine herausragende Rolle. Bei der Erweckung im letzten Jahrhundert wirkte Gott in vielen Ländern an vielen Herzen.

V.5: Eine Massenbewegung war Philadelphia aber nicht. Simson führte kein Heer an, nicht mal ein 300-Mann-Heer wie Gideon, er war ein Nasiräer, ein Einzelkämpfer (so ist der 2. Timotheusbrief auch nur an einen Einzelnen gerichtet, dort wird gerade die Absonderung betont, die einen Nasiräer kennzeichnen sollte).

Beachtlich dabei ist, dass zu jener Versammlung gesagt wurde, daß sie eine kleine Kraft habe; wie lässt sich das mit Simson, dem stärksten Mann der Bibel, vergleichen? Nun, kann man nicht sagen, dass er in gewisser Weise auch der schwächste war? Denn welcher Mann Gottes wurde schon auf den Knien einer Frau bezwungen?

Eins aber ist sicher: In ihm kam die größte Machtentfaltung Gottes zum Ausdruck, ihm stand im höchsten Maße das zur Verfügung, was Gott schenken wollte. Ist es nicht mit Philadelphia genauso?

V.20: Wo, als nur in Philadelphia, kann man so viel über die Person des Wunderbaren, sein Werk, und die Tatsache, dass ein verherrlichter Mensch im Himmel ist, erfahren?

Richter  14

V.6: Simson musste lernen, dass ohne die Verwendung von Hilfsmitteln (und schon gar nicht mit einer schlechten ehelichen Verbindung), der Feind besiegt werden soll. Die Kraft des Geistes genügt. Wurden nicht in der Erweckungsbewegung auch sehr gute Gedanken auf eine falsche Art und Weise durchgesetzt?

Richter  15

V.12: Das ist auch vielfach mit denen geschehen, die Gottes Gedanken zu verwirklichen durften. Sie wurden von solchen „gebunden“, die sich mit der Namenschristenheit (Philister) verbunden hatte. Gibt es etwas Traurigeres?

Richter  16

V.20: Am Ende der Geschichte dieses Richters sehen wir bereits einen Übergang zu Laodizea: Simson meint, etwas zu besitzen, und hat es doch nicht.

V.25: Sehr deutlich ist schon Laodizea zu sehen. Auch wir, die „Nachfolgegeneration von Philadelphia“, sind heute der Stellung nach noch Nasiräer – so kennen uns die Menschen –, aber es fehlt uns an Licht (vgl. die Blindheit Simsons) und an Kraft, und so werden wir zum Gespött der Welt. Aber wir haben ebenso die Möglichkeit, zu dem Gebet unsere Zuflucht zu nehmen.

V.29: Hier ist der Vergleich mit Philadelphia ganz interessant: Denn ihnen wird verheißen, zu einer Säule zu werden.

Laodizea

Richter 17

Rein historisch gesehen, haben die Ereignisse, die in den letzten Kapiteln beschrieben werden, bereits vor Richter 1 stattgefunden. Das wird allein schon daran deutlich, dass in Kapitel 17 und 18 von dem Enkel Moses und in Kapitel 19–21 von dem Enkel Aarons die Rede ist. Dieses Abweichen von der Chronologie ermöglicht es, die Parallelität zur Kirchengeschichte aufrechtzuerhalten, denn das, was hier gezeigt wird, lässt sich eigentlich nur mit Laodizea verbinden, welches eben die letzte Phase der Kirchengeschichte ist. Andererseits muss man aber bedenken, dass die Kennzeichen dieser Versammlung bereits ganz am Anfang zu finden waren – eben allein schon in der damaligen historischen Versammlung von Laodizea.

In Kapitel 17 und 18 haben wird die Sünde gegen Gott, in Kapitel 19ff. gegen Menschen. Bei letzterem wird lauter Protest wach, bei dem zuerst genannten kümmert sich niemand drum – so ist es heute, in Laodizea, auch.

Richter 18

V.1: Die Daniter wohnten ganz im Norden. Sie lebten sozusagen auf einem Grenzgebiet. Das ist auch für die Zeit Laodizeas kennzeichnend, denn oft kann man nicht sagen, ob jemand ein Christ ist oder nicht, so „grenzwertig“ sind die Aussagen, die man von solchen „halben Christen“ hört.

V.10: Wiederholt finden wir die Einbildung, dass nichts fehlen würde (vgl. Off 3,17). Siehe 18,19 etc.

V.24: Wieder zeigt sich stolz, denn er nennt sie meine Götter, und doch ist er jämmerlich arm (“was habe ich noch?“).

Richter 19

V.3: Gleichgültigkeit gegenüber dem Bösen; weder kalt, noch warm.

V.21: Es wird in diesen Kapitel oft von einer Mahlzeit gesprochen. Siehe Off 3,20.

Richter  20

Sehen wir in diesem Kapitel in der Züchtigung der Stämme Israels, die eigentlich das Gute wollten, nicht die Wahrheit der Worte des Herrn aus Off 3,19 illustriert? Wie sehr hat es gerade auch an einer gottgemäßen Buße gemangelt!

Richter  21

V.25: Gerade so ist in Laodizea. Wie viel Eigenwille muss man doch in den Kapitel 17–21 gewahren! Sie waren wirklich keine treue und wahrhaftigen Zeugen gewesen und hatten den Herrn aus ihren Überlegungen oft ausgeschlossen, er stand gleichsam nur vor der Tür.

Gerrid Setzer