C.H. Mackintosh – Ein Blick ins Leben

Online seit dem 12.12.2012

Das Predigen vor einem großen Publikum war ein großer Bestandteil in CHMs geschäftigen Leben. Es wird erzählt, dass er große Hallen füllen konnte, wenn er evangelisierte, während anderen Predigern die Menschen davonliefen. Er hatte die Gabe, ein weites Spektrum an Zuhörern erreichen zu können. Seine Gedanken waren nicht so komplex wie die anderer Prediger zu dieser Zeit – seine Ausführungen zu den fünf Büchern Mose unterlagen keiner systematischen Gliederung –, sondern er redete auf eine einfache Art und Weise und brachte somit Tausenden die Bibel nahe. Er bemühte sich, mit großer Klarheit zu sprechen, und wurde deshalb ein Prediger, der zu den Menschen durchdrang. Er war kein Freund von unzusammenhängenden, ausschweifenden Predigten, wovon manche sagten, dass eben diese Art zu predigen besonderer Geistesleitung untersteht. Zu diesem Thema schrieb er:

„Das große Ziel einer Predigt ist die Erbauung der Versammlung. Diese Erbauung kann nur erreicht werden, wenn die Menschen verstehen, was überhaupt gepredigt wird. Ein Mann kann mich unmöglich erbauen, wenn ich noch nicht einmal verstehe, was er mir sagen will. Er muss eine Sprache sprechen, die leicht verständlich ist, und er muss dies mit einer Stimme tun, die jeder hören kann. Wenn das nicht der Fall ist, kann ich keine Erbauung erfahren. Jeder, der in der Öffentlichkeit spricht, sollte sich diese grundlegende Wahrheit zu Herzen nehmen.“

So wie jeder Diener Christi erfuhr auch er Ablehnung und Widerstand während seiner Arbeit, doch er nutze diese Entmutigung, um etwas Gutes daraus entstehen zu lassen. Es scheint so, als sei dies die Grundlage für sein 32-Seiten-Heft über den wahren Arbeiter Gottes, Jesus, und seinen Umgang mit Zurückweisung gewesen (Originaltitel: The Perfect Workman: His Rebuffs, His Resources, His Returns. Hrsg. W.B. Horner). Er ließ sich nicht unterdrücken; er nahm sich seinen Herrn zum Vorbild und machte weiter. In seinem Heft schreibt er:

„Noch nie gab es einen Arbeiter Gottes in dieser Welt, der nicht wenigstens einmal in irgendeiner Art und Weise Zurückweisung erlebt hat. Auch der einzig wahre Arbeiter ist bei dieser Regel nicht außen vor. Jesus erlebte ebenso Zurückweisung und Enttäuschung; wäre es anders gewesen, hätte er nicht mit den Menschen in jeder ihrer Lebenssituationen mitfühlen können. Er hat als Mensch all das erlebt, was ein Mensch je erleben und fühlen kann – ausgenommen die Sünde. ,Er ist in allem versucht worden in gleicher Weise wie wir, ausgenommen die Sünde.‘ – ,Er vermag Mitleid zu haben mit unseren Schwachheiten.‘ Er versteht uns vollkommen und geht in alle Umstände mit hinein, die seine Diener während ihrer Arbeit durchmachen müssen.“

Sein Aufgabenbereich beschränkte sich nicht nur auf die Öffentlichkeit, denn auch Privatbesuche bei Kranken und Bettlägerigen waren Teil seines Dienstes. Er war freundlich und angenehm im Umgang und konnte sowohl dem Einzelnen als auch großen Menschenmassen mit viel Mitgefühl das Evangelium bringen. Wie seine Schriften beweisen, hatte er die Gabe, in einer hervorragenden und effektiven Art und Weise auf seelsorgerliche Themen einzugehen. Die Menschen liebten ihn dafür, dass er sich um die Bedürfnisse des Einzelnen kümmerte, doch er selber sah sich eher als Evangelist.

1858 besuchte er beispielsweise eine junge Frau namens Alice, die nur drei Monate später am 13. Januar 1859 zu ihrem Herrn heimging. Damals fragte er sie: „Kennst du den Herrn Jesus als deinen Erretter?“ – „Ich fürchte nein, Sir“, antwortete sie leise. Mit vorsichtigen Verweisen zur Schrift wies er ihr den Weg, wie man durch den Glauben an das vollbrachte Werk des Herrn Jesus errettet würde. In den folgenden Tagen nahm sie weite Strecken auf sich, um zu den Versammlungen zu kommen, bei denen das Evangelium verkündet wurde, sowohl an Wochentagen als auch an Sonntagen. Nach kurzer Zeit siegte die Gnade und sie war errettet. Danach konnte sie noch drei Mal die Zusammenkünfte zum Brotbrechen genießen, bevor sie gebeten wurde, zu ihrer Mutter zu reisen. Diese war an Fieber erkrankt und starb am 4. Januar. Am 10. Januar erkrankte auch Alice an eben diesem Fieber und starb drei Tage später, nur kurze Zeit nach der Beerdigung ihrer Mutter. CHM hielt einen Vortrag, in dem er dieser lieben, heimgegangen Schwester besondere Aufmerksamkeit zukommen ließ und seine Zuhörer auf Dringlichste aufforderte, „zu glauben und zu leben“. Diese Worte wurden in einem kleinen Heft von 16 Seiten veröffentlicht (Originaltitel: Grace Triumphant. Geo. Morrish).

Bei einer anderen Gelegenheit (um 1858) traf er auf eine 70-jährige alte Frau, der er das Evangelium brachte. Ihre Erwiderung war: „Und ich muss nichts anderes machen?“ Nach weiteren Gesprächen, in denen er ihr die Einfachheit des Evangeliums erklärte, wurde auch sie durch den Glauben an den Herrn Jesus ein Kind Gottes. Seine Erzählungen dieser Art sind genauso interessant wie die, die in Charles Stanleys Buch Incidents in Gospel Work (dt. in etwa: Begebenheiten während der Arbeit im Evangelium) zu finden sind, oder wie die, die Dr. Walter Wolston und seine Frau aufgezeichnet haben. Damals war die Verkündigung des Evangeliums an Einzelpersonen sehr gesegnet, so dass viele Seelen errettet wurden. TN&O (Things New & Old) beinhaltet viele Begebenheiten, in denen CHM dazu beigetragen hatte, dass das Evangelium zu verlorenen Menschen gelangt. Ich denke, sie sind zu zahlreich, als dass sie hier im Detail aufgeführt werden könnten, doch will ich einen Titel nennen, der unter dem fesselnden Namen Die souveräne Gnade Gottes für einen Mörder und Taschendieb (Orig.titel: The Sovereign grace of God to a garrotter and pickpocket) als vierseitiges Heft herausgegeben wurde.

Sein Dienst beinhaltete neben seiner Tätigkeit als Autor auch, dass er als Wanderprediger umherzog. Er wollte den evangelistischen Praktiken der Gemeinde in ihrer ursprünglichen Art nacheifern, so wie sie im Neuen Testament beschrieben werden. In einem Brief an seinen engen Freund Andrew Miller schrieb er:

„Ich bin beeindruckt von der Einfachheit, mit der die Arbeit am Evangelium in den Zeiten des Ursprungs ausgeführt wurde; so absolut anders von dem, was man heute bei uns erzielen will. Es scheint mir so, als ob wir moderne Menschen uns viel zu sehr durch Konventionen und Regeln behindern und uns an Bräuche der Christenheit fesseln lassen. Es mangelt uns an geistlicher Spontanität, wenn ich es mal so nennen darf. Wir neigen dazu, zu denken, dass man eine spezielle Gabe haben muss und dass es eine große Maschinerie an menschlichen Bemühungen braucht, um zu evangelisieren. Wenn wir über die Arbeit eines Evangelisten reden, haben wir meistens einen großen Raum und ein dichtgedrängtes Publikum vor Augen, für das eine besondere Gabe zum Sprechen benötigt wird. Nun, du und ich glauben, dass Christus, das Haupt der Versammlung, demjenigen eine besondere Gabe verleihen muss, der öffentlich predigen möchte. Weiterhin glauben wir nach Epheser 4,11, dass Christus ,Evangelisten‘ eingesetzt hat und immer noch einsetzt. Das wird deutlich, wenn wir uns an der Schrift orientieren. Doch finde ich in den Evangelien und in der Apostelgeschichte auch eine Vielzahl an Personen, deren Arbeit am Evangelium überaus gesegnet war, obwohl sie keine besondere Begabung hatten. Sie besaßen jedoch eine große Liebe zu den verlorenen Seelen und hatten ein tiefes Empfinden für die Kostbarkeit Christi und sein Werk der Erlösung. Darüber hinausgehend finde ich bei denen, die tatsächlich eine besondere Gabe erhalten haben und durch Christus zum Verkünden des Evangeliums berufen sind, eine Einfachheit, einen Frieden und eine Natürlichkeit in ihrem Wirken, wie ich es für mich und für alle meine Brüder nur begehren kann.“

Ein Bruder, der einmal in Cookstown, Northern Ireland, gewesen war, erzählte mir, dass Mr. Alexander Hughes (1900–1991), ein älterer Bruder aus den Zusammenkünften, von einem Augenzeugen gehört hatte, dass CHM in den 1860er Jahren dort zusammen mit Sir Robert Anderson gepredigt haben soll. Diese Aussage wird durch Andersons Sohn gestützt, der in der Biographie seiner Eltern erwähnt, dass in der Korrespondenz seines Vaters mit Mr. J.W.C. Fegan über eine „bemerkenswerte Gruppe irischer Evangelisten“ berichtet wird, zu denen „F.C. Bland, C.H. Mackintosh, J. Butler Stoney, R.J. Mahony … und Harry Moorhouse gehörten.“

Im Oktober 1861 befand sich Mackintosh in England, wo er die erst kürzlich zuvor „gegründete“ [sog.] Brüdergemeinde in Quemerford besuchte. In einem Bericht ist zu lesen: „Es ist ein sonniger Tag für Quemerford gewesen, denn unser geliebter Bruder Mackintosh stattete uns einen Besuch ab, und wir nutzen die Gelegenheit, um unser Erntefest abzuhalten. Wir erlebten an diesem Morgen einen wunderbaren Gottesdienst, nach welchem sich acht Leute taufen ließen.“

[Übersetzt aus der Biographie: The Life and Times of Charles Henry Mackintosh, a biography]

Edwin Cross