Der schlafende Bäcker

Online seit dem 21.09.2018, Bibelstellen: Hosea 7,1-17

Frage: Die Worte in Hosea 7,4–7 sind für mich unverständlich – insbesondere die Aussagen Hoseas über den Bäcker. Ich bitte um eine Erklärung.

Antwort: Zunächst möchte ich die Verse aus dem Propheten Hosea zitieren: „Mit ihrer Bosheit erfreuen sie den König und mit ihren Lügen die Fürsten. Sie sind allesamt Ehebrecher, wie ein Ofen, vom Bäcker geheizt, der zu schüren aufhört vom Kneten des Teiges an bis zu seiner Gärung. Am Tag unseres Königs machen sich die Fürsten krank von der Glut des Weines; er streckt seine Hand aus mit den Spöttern. Denn sie haben ihr Herz wie einen Ofen ihrer Arglist nahe gebracht; ihr Bäcker schläft die ganze Nacht; am Morgen brennt jener wie ein flammendes Feuer. Sie allesamt glühen wie ein Ofen und verzehren ihre Richter. Alle ihre Könige sind gefallen; niemand unter ihnen ruft mich an“ (Hosea 7,4–7)

Ephraim, das Nordreich Israels, war in Götzendienst und anderen Sünden verstrickt. Gott wollte sie heilen und auf einen guten Weg zurückführen (Hos 7,1). Doch gerade dieses Wirken der Güte Gottes offenbarte nur, wie hartnäckig das Volk an ihren Sünden klebte und wie wenig sie bereit waren, ihre Schuld zu bekennen. Die Sünde durchsetzte wie von selbst das ganze Volk, so wie Sauerteig sein Werk tut, ohne dass der Bäcker eingreifen muss.

Den Führern des Volkes gefiel der Lebensstil des Volkes. Denn sie selbst handelten nicht anders. So floss bei den Geburtstagsfesten des Königs reichlich Wein, und es wurde viel gespottet.

Das Volk war aber nicht nur wie ein unbeobachteter Sauerteig, sondern auch wie ein unbeobachteter Ofen. Die, die in der Regierungsverantwortung waren, passten nicht auf das Volk auf, sondern waren wie ein schlafender Bäcker. Wenn nun dieser „Bäcker“ morgens an den Ofen tritt, wird er von den unkontrollierten Flammen des Ofens verbrannt werden. So erging es den Königen und Fürsten Israels: Das gottlose und zügellose Volk wandte sich gegen die eigene Führung und stieß sie weg. Verrat, Revolution und Königsmord waren im Nordreich an der Tagesordnung.

Menschen in Regierungsverantwortung sollten sich nicht über solche freuen, die sittenlos und zügellos leben, auch wenn es das einfacher macht, sich selbst ein paar bedenkliche Dinge zu „genehmigen“. Die Gleichgültigkeit gegenüber dem Bösen inmitten des Volkes wird sich einmal bitter rächen. Irgendwann explodiert der „Ofen des Volkes“, und das Feuer verzehrt die, die nicht rechtzeitig gegen das Böse aufgestanden sind. So war es damals – und so ist es auch heute! Wie wichtig ist es daher für Christen, dass wir für Obrigkeit beten.

Gerrid Setzer