Was uns in unseren Tagen so besonders fehlt, ist gerade der Glaube an die persönliche Gegenwart des Heiligen Geistes. Wir haben gewiss alle schon Zeiten erlebt, in denen Seine Gegenwart in unserer Mitte verwirklicht wurde. Wie gesegnet waren solche Stunden! Gab es stille Pausen, so wurden sie in ernstem Warten auf Gott zugebracht – nicht in unruhiger Erwägung, welcher Bruder wohl nun beten oder reden würde, nicht mit dem Blättern in der Bibel oder im Liederbuch, um etwas zum Vorlesen oder Singen Passendes zu finden; ebensowenig mit ängstlichen Überlegungen, was wohl die Anwesenden von dem längeren Schweigen denken könnten. Gott war da, und die Herzen waren mit Ihm beschäftigt. Hätte jemand in einem solchen Augenblick den Mund geöffnet, nur um das Schweigen zu brechen, so würde man es als eine wirkliche Störung empfunden haben.

Wie ganz anders aber war der Eindruck, wenn die Stille unterbrochen wurde durch ein Gebet, das den Gefühlen und Wünschen der Versammelten Ausdruck verlieh, oder durch Vorschlagen eines Liedes, in das alle mit ganzer Seele einstimmen konnten, oder durch das Wort, das sich mit Kraft und Salbung an die Gewissen und Herzen wandte! Obwohl beim Vorschlagen der Lieder, beim Beten und Reden verschiedene Personen tätig gewesen waren, hatte doch die ganze Versammlung das Gefühl, dass ein und derselbe Geist alles so geleitet hatte, wie wenn jene Personen sich vorher darüber verständigt und jedem Einzelnen seinen Platz und Dienst angewiesen hätten. Der Heilige Geist war durch die verschiedenen Glieder des Leibes, je nach dem ihnen verliehenen Platz, tätig gewesen, um den Bedürfnissen der Versammlung zu begegnen oder ihre Anbetung zum Ausdruck zu bringen.

Warum sollte es nicht immer so sein? Ich wiederhole: Die Gegenwart des Heiligen Geistes ist eine Tatsache, nicht bloß eine Lehre; und sicher gibt es im Blick auf unsere Zusammenkünfte kaum eine Tatsache, die von größerer Bedeutung ist, als gerade diese. Die Gegenwart des Heiligen Geistes bedeutet nicht nur, dass die Versammlung nicht nach einer menschlichen, im Voraus bestimmten Ordnung geleitet werden darf; wenn Er gegenwärtig ist, soll niemand in ihr einen Platz einnehmen, den Er ihm nicht angewiesen und für den Er ihn nicht befähigt hat. Ist Er gegenwärtig, so will Er auch die Versammlung leiten; und darin besteht gerade die so oft besprochene Freiheit des Dienstes, dass der Heilige Geist frei wirken kann, durch wen Er will. Diese Freiheit wird nicht nur dadurch vernichtet, dass eine einzelne Person alles leitet, sondern auch dadurch, dass sich mehrere Personen zusammentun, um die  Leitung der Versammlung zu übernehmen. In beiden Fällen handeln Menschen, vielleicht in bester Absicht, weil sie die Freiheit dafür zu haben meinen; anstatt jene Leitung dem Heiligen Geist zu überlassen und sich Seinem Willen zu unterwerfen, treten sie an Seinen Platz und folgen ihren Gedanken.

[Aus: Gottesdienst und Dienst am Wort, EPV, leicht bearbeitet]