Zweimal 490 Jahre

Online seit dem 16.11.2015, Bibelstellen: Daniel 9,24

Die Israeliten hielten 490 Jahre lang nicht die Jahrsabbate ein. Wir lesen tatsächlich nirgends in der Bibel, dass sich die Israeliten an die Vorschrift der Jahrsabbate und an die Vorschrift des Jubeljahres gehalten hätten. Weil das so war, mussten sie 70 Jahre in die Gefangenschaft (490 Jahre = 70 versäumte Jahrsabbate) und so bekam das Land doch noch die verdiente Ruhe.

Die 490 Jahre waren zu Ende, als die Babylonier die Juden in die Gefangenschaft führten (und zwar geht es um die erste Wegführung im Jahr 605 v. Chr.). Wenn man zurückrechnet, kommt man auf das Jahr 1095 v. Chr. – in die Zeit Samuels. Die Zeit der großen Kämpfe (wie in Josua und Richter) war da vorbei. Das Volk hatte Ruhe und wurde nicht mehr daran gehindert, die Jahrsabbate einzuhalten. Aber sie taten es eben die ganzen 490 Jahre nicht.

Kurz vor dem Ende der 70-jährigen Gefangenschaft entdeckte Daniel, dass diese babylonische Gefangenschaft bald zu Ende gehen würde (Dan 9,2). Als er zu Gott in dieser Sache betete, brachte der Engel Gabriel ihm eine interessante Botschaft: Es würden noch einmal 490 Jahre (70 Jahrwochen; eine Jahrwoche = 7 Jahre) für sein Volk vergehen (Dan 9,24), bis eine gewaltige Änderung eintreten würde. Startpunkt für die Berechnung der 490 Jahre ist das Edikt, Jerusalem wiederaufzubauen im Jahr 445 v. Chr. (Neh 2) – dann also, wenn die Juden wieder in stabilen Verhältnissen leben würden. Nach diesen 490 Jahren würde allerdings keine Gefangenschaft stehen, sondern die ersehnten Segnungen des Reiches (Dan 9,24). Dann werden die Sünden des Volkes aufgrund des Sühnwerks Christi weggetan sein, die Prophezeiungen haben sich dann erfüllt und der Tempel ist für Gott geweiht, der dort wieder wohnen wird.

Die 490 Jahre sind bis heute noch nicht vergangen, weil die Zählung dieser Zeit nach der Ausrottung des Messias ausgesetzt wurde – denn nun wird zuerst ein Volk für den Namen Gottes gesammelt aus allen Nationen. Aber wenn die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird (Rö 11,29), wird die „postexilistische Uhr Israels“ wieder zu ticken beginnen.

Gerrid Setzer