Freundschaften in der Bibel

Online seit dem 20.09.2016, Bibelstellen: 5. Mose 13,7; 3. Johannes 15

Fragen

1) Freundschaft allgemein

Zunächst einige Bibelstellen. Ausgangspunkt sind alle Stellen, wo etwas direkt darüber gesagt wird, was ein Freund oder eine Freundin einem anderen tut. Der Begriff „Freund“ taucht in dieser Liste nicht auf, wenn er als Höflichkeitsanrede, als Ausdruck einer Liebesbeziehung oder in Verbindung mit Gott gebraucht wird.

1a) Was schlechte Freunde tun:

5. Mose 13,7: anreizen, den Götzen zu dienen
Esther 5,14: anstacheln, Gerechten zu schaden
Hiob 6,27: über den Freund einen Handel abschließen
Hiob 16,20: den Freund verspotten
Hiob 17,5: den Freund zur Beute preisgeben
Psalm 55,13.14: großspurig und verräterisch handeln
Sprüche 19,4.6.7: den Freund aufgrund von Armut im Stich lassen
Jeremia 9,3: den Freund verleumden
Jeremia 20,10: darauf warten, dass der Freund strauchelt
Jeremia 38,22: den Freund betrügen und überwältigen
Klagelieder 1,2: am Freund treulos handeln
Obadja 1,7: dem Freund eine Schlinge legen
Lukas 21,16: den Freund überliefern

1b) Was gute Freunde tun:

Richter 11,37.38: mitweinen
Hiob 2,11: besuchen, Beileid bezeugen, trösten
Hiob 6,14: dem Freund Milde erweisen
Hiob 19,21: dem Freund Erbarmen zeigen
Hiob 42,10: für den Freund beten
Psalm 35,14: um den Freund (in seiner Not) trauern
Sprüche 17,17: beständige, treue Liebe zeigen
Sprüche 27,9: gute Ratschläge geben
Sprüche 27,10: den Freund nicht verlassen
Lied der Lieder 5,1: mit dem Freund fröhlich Essen
Lukas 7,6: für den Freund (in seiner Not) einsetzen
Lukas 11,5–8: dem Freund das geben, was er erbittet
Lukas 15,6.9: mit den Freunden sich freuen
Lukas 15,29: mit den Freunden fröhlich sein
Apostelgeschichte 10,24: sich treffen, um das Wort Gottes zu hören
Apostelgeschichte 19,31: den Freund vor Gefahren zurückhalten
Apostelgeschichte 27,3: dem Freund Fürsorge zeigen
3. Johannes 15: den Freund grüßen lassen

• Welche Stelle spricht dich besonders an, was ein Freund nicht tun soll?
• Welche Stelle spricht dich besonders an, was ein Freund tun soll?
• Gibt es dafür jeweils ein Beispiel aus der Bibel?
• Was ist wichtig, um eine Freundschaft zu knüpfen?
• Was ist wichtig, um eine Freundschaft zu halten?

2) Schlechte Freundschaften

Es gibt Freundschaften, die uns in unserem Glaubensleben nicht fördern, ja sogar gefährlich werden können.

2a) Freundschaften mit Ungläubigen

Wir dürfen als Christen Kontakte und Bekanntschaften mit Ungläubigen haben (1. Korinther 5,11). Aber eine enge Freundschaft, bei der es auf gleiche Ziele und Gedanken ankommt, sollte man mit einem Ungläubigen nicht eingehen. Eine wichtige Bibelstelle dazu ist 2. Korinther 6,14–18.

• Was sollte ein Gläubiger mit einem Ungläubigen nicht haben (2. Kor 6,14–16)?
• Was soll ein Gläubiger im Blick auf die Welt tun (2. Kor 6,17)?
• Was wird einem Gläubigen verheißen, der das tut (2. Kor 6,18)?
• Welche Probleme gibt es bei einer Freundschaft mit Ungläubigen?
• Warum ist Freundschaft nicht das geeignete Mittel zum Evangelisieren?

2b) Freundschaften mit dem anderen Geschlecht

Eine Freundschaft zwischen Jungen und Mädchen, ein „Miteinandergehen“, ist der Bibel unbekannt. Im Hohelied werden die Begriffe „Freund“ und „Freundin“ zwar mehrfach gebraucht, um eine Beziehung zwischen Mann und Frau zu beschreiben – es geht dabei aber um ein verlobtes bzw. verheiratetes Paar.

• Wie stabil sind solche Freundschaften?
• Wird eine zerbrochene Beziehung dauerhafte Spuren hinterlassen?
• Wird eine solche Freundschaft sich auf das Ansehen von Briefmarkensammlungen beschränken lassen können?
• Welche Rolle sollten wohl die Eltern spielen, wenn man eine Beziehung knüpft?
• Welche Rolle spielt das Alter, wenn es um Beziehungen geht?

3) Eine gute Freundschaft (David und Jonathan)

• David und Jonathan werden Freude (1. Sam 18,1–4)
• Die Freunde geraten in Schwierigkeiten (1. Sam 19,1–7)
• Die Trennung der Freunde (1. Sam 20,1–42)
• Das Wiedersehen der Freunde (1. Sam 23,15–18)
• Das Trauern über den Tod des Freundes (2. Sam 1,17–27)

Anregungen zu diesem Thema:

• Was verband die Männer innerlich?
• Was macht ihre Freundschaft so ungewöhnlich?
• Was tat Jonathan alles für seinen Freund?
• Was tat David alles für seinen Freund?
• Warum fand diese Freundschaft ein so schlimmes Ende?
• Wie viele Bündnisse schlossen sie?
• Was können wir für unsere Freundschaften aus dieser Geschichte lernen?

Antworten

1.) Freundschaft allgemein

Um eine Freundschaft zu knüpfen, ist es wichtig, dass man selbst die Initiative ergreift. Und zwar mit dem Gedanken, für jemand ein guter Freund, eine gute Freundin sein zu wollen, und nicht zuerst mit der Überlegung, einen guten Freund haben zu wollen.
• Selbstlosigkeit. Ein Freund setzt sich für den anderen ein. Egoismus ist der Feind der Freundschaft.
• Offenheit. Freunde sind Menschen, vor denen man laut denken kann.
• Aufrichtigkeit. „Treu gemeint sind die Wunden dessen, der liebt“ (Sprüche 27,6).
• Verschwiegenheit. Man darf auf keinen Fall vertrauliche Informationen preisgeben. Das ist eine Art von Verrat (vgl. Lukas 21,6).
• Zuverlässigkeit. „Ein Freund liebt zu aller Zeit und als Bruder für die Drangsal wird er geboren“ (Sprüche 17,17).
• Geistlichkeit. Gebet für den Freund (Hiob 42, Daniel 2); Lesen des Wortes Gottes (Apostelgeschichte 10,24); Christus im Mittelpunkt (Prediger 4,9.12).

2a.) Freundschaften mit Ungläubigen

Wir lernen in 2. Korinther 6,14–18, was ein Gläubiger im Blick auf einen Ungläubigen nicht eingehen oder was ihn nicht kennzeichnen soll:

• kein ungleiches Joch
• keine Genossenschaft
• keine Gemeinschaft
• keine Übereinstimmung
• kein Teil
• kein Zusammenhang

In Vers 17 wird dann gezeigt, welche die Konsequenzen der Gläubige daraus ziehen soll:

• Er soll aus der Mitte des Götzendienstes hinausgehen.
• Er soll sich absondern.
• Er soll Unreines nicht anrühren.

In Vers 17 und 18 wird vorgestellt, was dem Gläubigen verheißen wird, der sich absondert:

• Gott nimmt ihn auf.
• Gott wird diesen Gläubigen (in der Praxis) zum Vater.
• Gott macht ihn (in der Praxis) zum Sohn oder zur Tochter.

Das Problem so einer Freundschaft ist, dass zwei unterschiedliche „Wesen“ miteinander verbunden werden, die nicht zueinander passen. Das kann nur funktionieren, wenn einer seine „Wesensart“ verleugnet. Da das der Ungläubige nicht kann, muss es der Gläubige tun.

Freundschaft ist nicht das, was die Bibel uns als Möglichkeit zur Evangelisation vorstellt. Es würde uns auch zu sehr einschränken. Man kann besser Fische fangen, wenn man nicht in das Wasser hineinspringt.

2b.) Freundschaften mit dem anderen Geschlecht

Die Beziehung zwischen Mann und Frau ist etwas, was sehr tief geht. Gott, der es gut mit seinen Geschöpfen meint, möchte, dass eine Beziehung dauerhaft bestehen bleibt. Die Trennung einer Beziehung verläuft nicht ohne Probleme. Es ist so, wie wenn man zwei Papierfiguren aufeinanderklebt und dann versucht, diese wieder ohne Schaden auseinanderzureißen.

Die Beziehung zwischen den Geschlechtern ist immer „zielorientiert“: Es strebt letztlich immer auf eine tiefe Einheit im Bereich Geist, Seele und Leib hin. Wenn eine Beziehung geknüpft wird, dann ist das so, wie wenn man eine Handbremse bei einem Auto löst, das am Abhang steht. Es rollt nach unten. Natürlich kann man auf die Bremse treten – aber ansonsten geht es immer weiter. Es ist völlig unrealistisch, dass ein Junge und ein Mädchen zusammen nur Briefmarkenalben ansehen oder sich stundenlang durch den App-Store klicken. Am besten fängt man gar nicht erst mit solchen Freundschaften an und wartet, bis die „Zeit der Liebe“ da ist (Hesekiel 16,8).

Es sollte keine Beziehung hinter dem Rücken der Eltern geknüpft werden (Richter 14,2 etc.).

Das Alter spielt eine wichtige Rolle. Es sollte erst dann eine Beziehung eingegangen werden, wenn auch eine Heirat und ein selbstständiges Leben als Ehepaar erfolgen kann. Ein Mann (nicht ein Junge!) verlässt Vater und Mutter und hängt einer Frau (nicht einem Mädchen!) an und die beiden werden ein Fleisch sein (1. Mose 2,24.25).

3) Eine gute Freundschaft (David und Jonathan)

• Die beiden tapferen Männer verband das Wohl des Volkes Gottes.
• Weil Jonathan Kronprinz war und David der heißeste Anwärter auf den Thron Sauls.
• Das ist vielfältig. Er hat seine Würde als Prinz abgelegt, er hat über David Gutes geredet und sich für ihn eingesetzt, er hat David im Wald aufgesucht und ihn ermuntert.
• David hat auch Gutes zu und über Jonathan gesagt und sich für Mephiboseth, den Sohn Jonathans, eingesetzt.
• Jonathan starb, weil er die Verwerfung mit David nicht teilen wollte und mit dem Haus Sauls verbunden blieb.
• Echte Freundschaft überwindet Konkurrenzsituationen, Freundschaft erweist sich gerade in Schwierigkeiten, Freundschaft wagt, Freundschaft beruht auf einem festen Willensentschluss (Bündnisse) und vieles andere mehr.

Gerrid Setzer