Vor Grundlegung der Welt

Online seit dem 07.03.2017, Bibelstellen: Johannes 17,24; Epheser 1,4; 1. Petrus 1,20

Den Ausdruck „vor Grundlegung der Welt“ finden wir dreimal im Wort Gottes, und zwar im Neuen Testament in Johannes 17,24, in Epheser 1,4 und in 1. Petrus 1,20. Wir dürfen mit Ehrfurcht in das Herz Gottes blicken und etwas davon anschauen, was ihn vor Grundlegung der Welt bewegte.

Zu Beginn der Bibel wird uns berichtet, wie Gott die Himmel und die Erde in sechs Tagen als Wohnort für den Menschen zubereitet hat. Doch die Grundlegung der Welt selbst wird uns in der Schrift nicht ausführlich beschrieben, sondern lediglich in 1. Mose 1,1 erwähnt. Darüber, wann das geschah, wollen wir nicht spekulieren.

Der Ausdruck „vor Grundlegung der Welt“ führt uns somit in die Ewigkeit vor unserer Zeit: Gott ist ewig und mit ihm auch das, was er in seinem Herzen hatte. Der Mittelpunkt seines ewigen Ratschlusses ist sein geliebter Sohn und in ihm auch wir, du und ich. Das wollen wir uns nun etwas genauer ansehen.

„Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt“ (Johannes 17,24).

Der Vater liebte den Sohn schon vor Grundlegung der Welt, er liebte ihn schon immer. Liebe ist sein Wesen (1. Johannes 4,8.16). Der Sohn war das vollkommene Wohlgefallen für das Herz Gottes von Ewigkeit, und er war es, als er auf dieser Erde war – „Denn der Vater hat den Sohn lieb“ (Johannes 5,20). Und er tut es in Ewigkeit. Wir haben hier die ewige Liebe des ewigen Gottes zum ewigen Sohn. Der Sohn allein war dieser Liebe würdig und hat sie immer vollkommen empfunden und genossen. Und in diese ewige Liebesbeziehung sind wir aus Gnade eingeführt – völlig unverdient! Das einzige Mal, dass der Herr Jesus für sich etwas „will“, finden wir hier. Er will uns, die der Vater ihm gegeben hat, bei sich haben. Gott hat seine Liebe uns gegenüber erwiesen, als wir noch Sünder waren, indem er den Geliebten für uns hingegeben hat in den Tod (Römer 5,8). Jetzt liebt er uns, seine Kinder, mit der gleichen Liebe, mit der er seinen Sohn liebt (Johannes 17,23). Und der Herr Jesus liebt uns mit der gleichen Liebe: „Gleichwie der Vater mich geliebt hat, habe auch ich euch geliebt“ (Johannes 15,9). Können wir das begreifen? Und weil er uns so sehr liebt, will er uns bei sich haben. Beim Kommen des Herrn für uns wird er auch unseren Körper verwandeln, damit wir nach Geist, Seele und Leib der Herrlichkeit des Himmels völlig entsprechen. Wir sollen seine Herrlichkeit, ja ihn selbst, schauen; dazu müssen wir ihm gleich sein (1. Johannes 3,2; Philipper 3,21). Weil der Herr Jesus seinen Gott und Vater auf dieser Erde vollkommen verherrlicht hat, konnte er ihn bitten: „Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war“ (Johannes 17,5). Und Gott hat es getan, indem er ihn aus den Toten auferweckt und ihn als Mensch erhöht hat zu seiner Rechten „und ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat“ (Apostelgeschichte 2,36). Seine Herrlichkeit zeigt uns die ewige Liebe des Vaters zum Sohn und mit dieser göttlichen Liebe liebt er dich und mich!

So spannt unser Heiland einen Bogen göttlicher Liebe von Ewigkeit zu Ewigkeit, einen Bogen, in den wir eingeschlossen sind!

„… Christus, als eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken, der zwar zuvorerkannt ist vor Grundlegung der Welt, aber offenbart worden am Ende der Zeiten um euretwillen, die ihr durch ihn glaubt an Gott“ (1. Petrus 1,20.21).

Dass Christus als das Lamm Gottes kommen würde, um verlorene Menschen von ihren Sünden zu erlösen, stand von Ewigkeit fest im Herzen Gottes. Dieser Plan ist nicht erst nach dem Sündenfall in seinem Herzen aufgekommen. Weil er Gott ist, ist er allwissend; für ihn ist alles gegenwärtig. Gott wurde von der Sünde nicht überrascht und musste sich nicht – mit Ehrfurcht gesagt – plötzlich etwas einfallen lassen. Christus war zuvorerkannt, das bedeutet: Er war vor Grundlegung der Welt dazu ausersehen, in der Zeit als Mensch zu kommen, um als das Lamm Gottes stellvertretend für unsere Sünden zu sterben. Es gab keine Alternative dazu. Beachten wir: Christus war zuvorerkannt, nicht etwa aus einer Anzahl möglicher Retter auserwählt! Das zu beachten scheint mir sehr wichtig. Auserwählung – wir werden das noch sehen – erfolgt aus mehreren Personen, gleichsam eine Wahl zwischen Alternativen. Christus war aber der Einzige, er war alternativlos. Die Heiligkeit Gottes forderte ein heiliges, sündloses Opfer. Das konnte nur Gott selbst sein, kein Mensch entsprach diesem Maßstab. Aber da durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen war, musste sie auch durch einen Menschen beseitigt werden (Römer 5,12–21). Nur Christus, das Lamm Gottes, Gott und Mensch in einer Person, konnte es tun, und er hat es getan! Für uns, die wir an ihn glauben dürfen, kam er, der zuvorerkannt ist vor Grundlegung der Welt, als Mensch auf diese Erde, um zu sterben.

Der ewige Vorsatz Gottes wurde ausgeführt in dieser Zeit mit Blick auf uns, die Glaubenden.

„Wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe“ (Epheser 1,4).

Nun kommen wir zu unserer Auserwählung. Sie war eine souveräne Entscheidung Gottes vor Grundlegung der Welt. Sie ist also genauso ewig wie die Liebe des Vaters zum Sohn und die Zuvorerkennung des Lammes Gottes! Wunder der Gnade und Liebe Gottes! Bevor etwas geschaffen war, hat er dich und mich auserwählt. Dass wir uns bekehren mussten, ist ebenso wahr; es ist die Seite unserer Verantwortung. Aber hier geht es um die Seite der souveränen Gnade Gottes, uns zu ewigen, himmlischen Segnungen in IHM auszuerwählen. Beide Seiten sind wahr, aber unser Verstand ist zu klein und zu begrenzt, um sie zu erfassen. Doch weil Gott es gesagt hat, glauben wir es! Die Auserwählung ist eine Wahrheit für Kinder Gottes. Nur sie können sie verstehen, wenn auch nicht in ihrem ganzen Ausmaß. Erst nach unserer Bekehrung können wir im Rückblick mit dankbaren und anbetenden Herzen sehen, dass ER uns auserwählt hat zur Sohnschaft für sich selbst. Der Herr sagte schon seinen Jüngern, als er hier auf der Erde war: „Ihr habt nicht mich auserwählt, sondern ich habe euch auserwählt“ (Johannes 15,16). Nicht unser Wille, nicht unsere Energie hat uns zu ihm gebracht, sondern seine Gnade. „Also liegt es nun nicht an dem Wollenden, noch an dem Laufenden, sondern an dem begnadigenden Gott“ (Römer 9,16). Gott wollte uns für sich haben, er war schon vor der Zeit mit uns beschäftigt – mit uns, die wir Sünder waren, mit uns, die wir ihn nicht wollten –, um uns zu ewigen Segnungen zu bringen!

Unsere Auserwählung ist „in ihm“. Wir haben schon gesehen, dass Gott seinen Sohn ewig liebte und schon immer sein vollkommenes Wohlgefallen an ihm hatte. Dieses Wohlgefallen und diese Freude sollten eine Antwort finden in erlösten Menschen. Gott wollte es so, es war „das Wohlgefallen seines Willens“, damit die „Herrlichkeit seiner Gnade“ in Ewigkeit erhoben wird (Epheser 1,5). Gott wollte uns in den Bereich höchster und umfassender Segnungen bringen, dafür musste er uns passend machen. Und er hat es getan in ihm, seinem Geliebten. Wenn wir bei ihm sein werden, werden wir in Christus als solche vor Gott stehen, die heilig und tadellos sind – in einer Atmosphäre göttlicher Liebe. Der Ursprung ist der ewige Ratschluss Gottes, der sich in ihm entfaltet hat und uns zu ewigen Nutznießern göttlichen Segens und zur Freude seines Herzens gemacht hat! Ursprung und Ziel unserer Auserwählung liegen in der Ewigkeit.

So sehen wir in den drei Stellen, dass Christus der Zentralpunkt des Ratschlusses Gottes vor Grundlegung der Welt ist. Seine göttlichen Gedanken sind also von Ewigkeit und er hat sie in IHM ausgeführt. Aber auch wir – was für eine unbegreifliche Gnade – hatten von Ewigkeit einen Platz im Herzen Gottes. Das hat er offenbart in der Zeit und wird es sichtbar werden lassen in der Zukunft, wenn ehemals Verlorene gleichförmig dem Leib der Herrlichkeit unseres Heilandes (Philipper 3,21) im Vaterhaus sein werden. Dann werden wir seine Herrlichkeit schauen und die Herrlichkeit seiner Gnade preisen, wir, „die er zur Herrlichkeit zuvorbereitet hat“ (Römer 9,23). Der Himmel wird gefüllt sein mit Menschen, die dem gleichen, an dem Gott schon immer sein Wohlgefallen hatte.

„Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben“ (1. Korinther 2,9).

Was ist die Antwort unserer Herzen? Neigen wir uns in Anbetung vor unserem Gott und Vater und dem, den er gesandt hat, Jesus Christus, nieder! „Denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter“ (Johannes 4,23).

Dirk Mütze