Christus baut seine Versammlung

Online seit dem 16.12.2006, Bibelstellen: Matthäus 16,18

 „Aber auch ich sage dir, dass du bist Petrus; und auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung bauen“ (Mt. 16,18).

In dem angeführten Vers lesen wir zum ersten Mal in der Bibel etwas von der Versammlung Gottes. Es ist der Sohn Gottes selbst, der den Schleier der Ewigkeit lüftet, der auf diesem Geheimnis lag. Auch wenn die Zeit noch nicht gekommen war, das Geheimnis „Christus und die Versammlung“ zu entfalten, ließ es sich der Herr Jesus doch nicht nehmen, als Erster von der Versammlung zu sprechen. Er hat das nicht ganz am Anfang Seines Dienstes getan. Der Grund liegt auf der Hand: Es musste zunächst klar werden, dass sein irdisches Volk, als dessen König Er gekommen war, Ihn zurückweisen würde. 

Die Ablehnung der Menschen

Der Herr Jesus hatte die Volksmengen ausführlich über den Charakter Seines Reiches (Mt. 5–7) belehrt und  sich durch zahlreiche Wunder eindrucksvoll als der verheißene Messias erwiesen (Mt. 9–11). Dennoch tat das Volk nicht Buße. Die religiösen Führer leisteten  erbitterten Widerstand und verstiegen sich sogar zu der lästerlichen Aussage, dass die Kraft des Herrn die Kraft des Teufels sei (Mt. 12,24). Dass dem Herrn Jesus auf breiter Front Unglauben und Ablehnung entgegenschlugen, beweist auch der Anfang des sechszehnten Kapitels. Es beginnt damit, dass die Pharisäer und Sadduzäer ein Zeichen vom Herrn Jesus forderten. Ein Zeichen! Hatten sie denn nicht genug Zeichen gesehen? War es kein beredtes Zeugnis, dass Blinde sehend, Aussätzige gereinigt und Tote auferweckt wurden? Und stand nicht selbst das große Zeichen vor ihnen: der menschgewordene Sohn Gottes, Immanuel (Jes. 7,14)? In dieser Situation ein Zeichen zu verlangen, ist so töricht, wie im hellsten Sonnenschein zu stehen und um eine Kerze zu bitten. Der Herr Jesus machte diesen unaufrichtigen, verhärteten Heuchlern klar, dass sie nur das Zeichen Jonas empfangen würden und wandte sich von ihnen ab (V. 4). Nach einer Schifffahrt, in der sich der Kleinglaube der Jünger gezeigt hatte, wollte der Herr von Seinen Nachfolgern hören, was die Menschen von Ihm sagen (V. 13). In ihrer Antwort gaben sie nur die Stimmen wieder, die ihren Meister als einen Propheten einstuften. Für jeden anderen wäre das zweifellos ein sehr schmeichelhaftes Kompliment gewesen, aber für den Sohn Gottes bedeutete das eine Herabsetzung, die den Unglauben der Leute offenbarte. Sie erkannten Ihn nicht als den Christus und begriffen nicht die einzigartige Herrlichkeit Seiner Person.

Der Glaube der Jünger

Und die Jünger, was sagten sie von Ihm (V. 15)? Petrus wurde zu ihrem Sprecher und redete in der Gewissheit des Glaubens: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Dass der Herr Jesus als Christus und Sohn Gottes anerkannt wurde, finden wir auch an anderen Stellen (z.B. in Joh. 1,41.49), aber nur hier wird Er als Sohn des lebendigen Gottes bekannt. Petrus betont das Leben Gottes und Seines Sohnes – ein Leben, das niemals durch den Tod angetastet werden kann und somit im Gegensatz zu dem natürlichen Leben des Menschen steht. Dieses schöne Bekenntnis, das sich wohltuend von den vielfältigen Meinungen der Menschen abhob, nahm der Herr zum Anlass, Simon Petrus darauf hinzuweisen, dass er nur durch Offenbarung des Vaters erkennen konnte, wer Er ist (V. 17). Daran anschließend zeigte der Herr seinem Jünger, wer er durch die Gnade geworden ist und gab ihm, in Verbindung mit seinem Bekenntnis, eine Offenbarung von der Versammlung: „Aber auch ich sage dir, dass du bist Petrus; und auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung bauen.“ Diese weitreichende Aussage des Herrn Jesus enthält viele wichtige Belehrungen über die Versammlung. Darum wollen wir sie etwas näher anschauen und dabei daran denken, dass die Versammlung hier im Bild eines Hauses gesehen wird.

Die Grundlage des Baus 

Wenn ein Haus gebaut wird, richtet sich das Augenmerk zuerst auf das Fundament. Wenn das nicht stimmt, wird das Bauwerk nicht stabil und sicher werden können. Die Grundlage der Versammlung ist ein Fels; und dieser Fels ist der Christus (vgl. 1. Kor. 10,4). Gott nennt sich an vielen Stellen im Alten Testament einen Felsen (Psalm 18,31; Jesaja 44,8 usw.) und allein aus diesem Grund kann nicht Petrus der Fels sein. Nein, der Fels ist der Sohn des lebendigen Gottes, von dem Petrus gesprochen hatte. Und wenn der Sohn die Grundlage ist, was für eine Festigkeit und Sicherheit wird Er dann dem ganzen Bau verleihen! In Matthäus 7,24–25 vergleicht der Herr solche, die Sein Wort hören und tun, mit einem klugen Mann, der sein Haus auf den Felsen baute. „Und der Platzregen fiel hernieder, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stürmten gegen jenes Haus an; und es fiel nicht, denn es war auf den Felsen gegründet.“ Natürlich geht es an dieser Stelle nicht um die Versammlung, sondern um den einzelnen Jünger, der sein „Lebenshaus“ auf den Worten des Herrn errichtet. Doch eines wird klar: der Fels bietet Sicherheit. Viele Winde stürmten im Lauf der Kirchengeschichte gegen die Versammlung. Wütende Verfolgungen hier, zersetzende Irrlehren dort. Und doch ist die Versammlung nicht zerstört worden. Denn sie ist auf den Felsen gegründet!

Das Baumaterial

Wenn ein Haus solide und widerstandsfähig gebaut werden soll, ist die Grundlage sicherlich sehr wichtig, aber auch das Baumaterial spielt eine bedeutsame Rolle. Mit was für einem Material wird die Versammlung des Christus gebaut? Die Antwort auf diese Frage liegt in der Tatsache begründet, dass der Herr den neuen Namen „Petrus“ bestätigt (vgl. Joh. 1,42) und damit einen Gegensatz zu dem Namen Simon aufzeigt, den dieser Jünger von seinem Vater Jonas bei der Geburt bekommen hatte (vgl. V. 17). Daraus lernen wir: So, wie wir von Natur aus sind, werden wir nicht der Versammlung hinzugefügt. Es muss sich vorher etwas ändern, es muss uns etwas Neues gegeben werden. Und was das ist, erschließt sich aus der Bedeutung des Namens Petrus: Petrus heißt Stein. Ein Stein ist von gleicher Beschaffenheit wie ein Fels, der ein Bild von Christus ist. Wenn ein Mensch zum Glauben kommt, dann empfängt er das Leben des Herrn Jesus selbst. Er ist dann in diesem Sinn – wenn man das einmal so sagen darf – von „gleicher Beschaffenheit“ wie der, der das ewige Leben ist. Petrus hatte in Vers 16 den Herrn Jesus als Sohn des lebendigen Gottes bekannt. Und in 1. Petrus 2,5 schreibt er von den Gläubigen, dass sie als lebendige Steine aufgebaut werden zu einem geistlichen Haus.  Wir sind lebendige Steine, weil wir durch das lebendige und bleibende Wort Gottes wiedergezeugt wurden (1. Pet. 1,23) und jetzt ewiges Leben haben. Als lebendige Steine werden wir der Versammlung hinzugefügt. Das neue Leben, das wir durch und in dem Herrn Jesus haben, entzieht sich dem Zugriff Satans. Der Feind mag in dieser Welt viel Unheil anrichten, aber das ewige Leben, das seinen Sitz in Christus hat, kann er  nicht zerstören. Das gibt uns persönlich Sicherheit, markiert aber auch die Unverwundbarkeit der Versammlung, dieses geistlichen Hauses, das aus lebendigen Steinen erbaut wird.

Der Bauende

Wer ein Haus baut und über einen festen Grund sowie wertvolles Baumaterial verfügt, hat viel getan, um ein festes, beständiges Bauwerk zu errichten. Aber die Frage ist noch, wer das Haus baut. Fehlt es dem Erbauer an Sachverstand und Sorgfalt, nützen auch die besten Voraussetzungen nicht viel. Die Versammlung wird durch den Sohn Gottes selbst gebaut. Da gibt es selbstredend nichts, was nicht vollkommen wäre. Das göttliche Senkblei Gottes stellt bei diesem Bau zweifellos keinerlei Abweichungen fest (vgl. Sach. 4,10). Dieses Bauwerk ist „wohl zusammengefügt“ (Eph. 2,21). Da, wo Christus baut,  spricht alles nur von Stabilität, Sicherheit und Schönheit.

Die Beständigkeit des Baus

Besieht man die Grundlage der Versammlung, das Baumaterial und den Erbauer, so ist klar, dass dieser Bau absolut sicher und fest ist. Dennoch fügt der Herr Jesus ausdrücklich hinzu: „und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen.“ Mit „Hades“ ist an dieser Stelle das Totenreich gemeint; die alttestamentliche Entsprechung davon ist der Scheol. Bei den „Pforten“ ist an eine Macht zu denken, denn wer damals die Pforten oder Tore einer Stadt kontrollierte, hatte die Macht über sie (vgl. 1. Mo. 24,60). Der, der die Macht des Todes hat, ist der Teufel. Dem Teufel war es im Garten Eden gelungen, den Menschen zur Sünde zu verführen. Und durch die Sünde kam der Tod in die Welt. Satan, der Menschenmörder, hatte sein Ziel erreicht: Der Mensch würde nicht auf der Erde für ewig gesegnet und glücklich leben können. Und alles auf der Erde wurde der Vergänglichkeit unterworfen. Wie oft hat der Scheol in der Geschichte der Menschheit seinen Schlund weit aufgesperrt und große Menschen und Mächte dieser Erde verschlungen (Jes. 5,14; 14,15)! In der kommenden Drangsalszeit wird dem Hades Gewalt über den vierten Teil der Erde gegeben werden (Off. 6,8). Aber die Pforten des Hades werden die Versammlung nicht überwältigen. Die Versammlung ist, als Gegenstand des Ratschlusses Gottes betrachtet, immun vor aller Macht des Teufels. Die Versammlung besteht ewig und kann nicht vertilgt werden. Einmal wird sie in der Herrlichkeit völlig zur Ehre des Herrn Jesus sein und keine Macht des Bösen kann daran etwas ändern. Gepriesen sei Sein Name dafür!

Wozu gebaut wird

Ein Haus, das gebaut wird, wird für jemanden errichtet. Aus den Worten des Herrn entnehmen wir auch, für wen die Versammlung gebaut wird. Der Herr sagt: „Ich werde meine Versammlung bauen“ – und macht damit  klar, dass die Versammlung für Ihn ist. Ist es nicht bemerkenswert, dass in der ersten Stelle, in der die Versammlung erwähnt wird, der Herr davon spricht, dass es Seine Versammlung ist? Und da es Seine Versammlung ist, muss sie wertvoll in Seinen Augen sein, und Er wird über sie wachen und alles für sie tun.

Wie lange gebaut wird

Jedes Bauwerk beansprucht eine gewisse Bauzeit. Das gilt auch für die Versammlung Gottes. Diesen Punkt berührte der Herr Jesus in Matthäus 16,18 als Er davon sprach, dass Er die Versammlung bauen werde. Zu dem Zeitpunkt, als er die Worte sprach, existierte dieser Bau also nicht. Die gläubigen Jünger waren schon lebendige Steine, aber sie waren noch nicht als solche zu einem geistlichen Haus aufgebaut worden. Der Bau begann am Tag der Pfingsten, als der Geist Gottes auf die Erde kam (Apg. 2). An diesem Tag wurden viele lebendige Steine hinzugefügt – vielleicht mehr als zu irgendeinem späteren Zeitpunkt (vgl. Apg. 2,41). Aber wir möchten gerne annehmen, dass die Aussage am Ende des Kapitels bis zum heutigen Tag gilt: „Der Herr aber fügte täglich hinzu“. Bald wird der letzte Stein eingesetzt werden, und dann wird der Herr Jesus wiederkommen, um die zu sich zu nehmen, die ihm gehören. Die Hände Serubbabels hatten einst den zweiten Tempel gegründet und auch vollendet, wobei der Schlussstein unter dem lauten Zuruf „Gnade, Gnade ihm“ herausgebracht wurde (Sach. 4,9.7). Wird nicht vielmehr der Herr Jesus in Seiner Macht und Gnade, den Bau der Versammlung vollenden, den er am Tag der Pfingsten begonnen hat? Doch, ganz gewiss! 

Ein Vergleich zum Tempel Salomos

Als der Herr von dem Bau der Versammlung sprach, mögen die Jünger im Sinn eines Vergleichs an den irdischen Tempel gedacht haben. Selbstverständlich redete der Herr Jesus nicht davon, aber eine Gegenüberstellung mit dem Haus Gottes im Volk Israel drängt sich doch auf. Die Grundlage des ersten und wichtigsten Tempels waren große, wertvolle sowie behauene Steine und das Baumaterial bestand aus vollständig behauenen Steinen (1. Kön. 5,31; 1. Kön. 6,7). Unzweideutig eine sehr solide Bauweise! Unter Federführung des weisen Königs Salomo wurde dieses Haus für den Herrn in sieben Jahren errichtet (1. Kön. 6,1.38). Doch das prachtvolle Haus Gottes sollte ein Raub der Flammen werden und die schönen Steine des Heiligtums wurden an allen Straßenecken der heiligen Stadt verschüttet (2. Chr. 36,19; Klgl. 4,1). Dem neu erbauten Tempel, den Petrus in seinen Tagen vor sich hatte, erging es nicht besser: kein Stein blieb auf dem anderen (Mt. 24,2).

Wir erkennen den Gegensatz zu der Versammlung Gottes, die nicht zerstört werden kann und niemals untergehen wird. Denn sie ist kein menschliches, vergängliches Bauwerk, sondern ein göttliches und ewiges.  Die Versammlung nach dem Ratschluss Gottes  Matthäus 16,18 zeigt uns die Versammlung nach dem Ratschluss Gottes, die alle wahren Gläubigen von Pfingsten bis zur Entrückung umfasst. Christus ist hier derjenige, der Sein Haus, die Versammlung, baut. Wir wissen, dass die Versammlung in der Schrift auch unter anderen Perspektiven gesehen wird. So wird in 1. Korinther 3 davon gesprochen, dass Menschen das Haus Gottes bauen; und das Material, das sie verwenden, ist durchaus nicht immer gut. Es ist wichtig, dass wir uns auch damit beschäftigen und nicht die Augen davor verschließen, was die Versammlung unter der Verantwortung des Menschen geworden ist. Doch wenn wir nur diesen Aspekt sehen,  werden wir rasch mutlos und pessimistisch werden. Wir wollen unseren Blick deshalb immer wieder auf das vollkommene Tun des Herrn Jesus richten. Sein Werk ist makellos und Er ist es, der Seine Versammlung, trotz des Widerstands des Feindes, in Herrlichkeit vollenden wird. Daran zu denken,  bewahrt uns in den Tagen des Verfalls nicht nur vor Entmutigung, sondern hilft uns auch, den rechten Maßstab für die Praxis zu finden. Den bekommen wir nämlich nicht, wenn wir nur auf das starren, was wir in unserer Untreue verursacht haben. Dazu müssen wir vielmehr der Frage nachspüren: Was ist die Versammlung nach dem Ratschluss Gottes? Die erste Stelle, die darauf eine Antwort gibt, ist Matthäus 16,18. Aber es gibt natürlich noch viel mehr Verse, die wir mit Freude erforschen dürfen.          

[Dieser Artikel erschien mit ein paar redaktionellen Änderungen in der Monatszeitschrift „Ermunterung und Ermahnung“. Diese Zeitschrift wird beim CSV-verlag herausgegeben, www.csv-verlag.de]

Gerrid Setzer