Ruth, die Ährenleserin

Online seit dem 24.10.2017, Bibelstellen: Ruth 2

Ruth, die Ährenleserin (1)

Ruth 2,2.3
„Lass mich doch aufs Feld gehen und unter den Ähren lesen … Und sie ging hin … und sie traf zufällig auf das Feldstück des Boas.“

Ruth, die Moabiterin, war mit ihrer Schwiegermutter nach Betlehem (bedeutet Brothaus) gekommen. Sie hatte sich bewusst entschieden, an den Gott Israels zu glauben und inmitten des Volkes Gottes zu leben.

Sie ist darin ein Vorbild auf einen Menschen, der eine bewusste Entscheidung für den Herrn Jesus trifft, der sich bekehrt. Der Glaube an den Herrn Jesus weckt auch das Verlangen, mehr von ihm kennenzulernen und sich mit seinem Wort zu beschäftigen.

So war es auch bei Ruth. Betlehem war das Brothaus, der Ort, an dem Gott Nahrung gab. Doch wie schon ein Sprichwort „Ohne Fleiß, kein Preis“ sagt, so gibt es den Segen aus dem Wort Gottes auch nur dann, wenn wir uns damit beschäftigen. Alleine die Anwesenheit in Betlehem hätte nicht viel genutzt. So hilft auch das Leben unter anderen Christen nicht viel, wenn die Bibel geschlossen bleibt oder wir die Zusammenkünfte, wo das Wort Gottes erklärt wird, nicht besuchen.

Ruth machte sich auf, um Ähren zu lesen, und in Ruth 2,7 erfahren wir, dass sie es voller Eifer und Ausdauer tat. Sie geht hinter den Schnittern her, die das Korn schneiden. Sie ist hierin ein Vorbild auf einen jungen Gläubigen, der sich voller Eifer mit dem Wort Gottes beschäftigt und die Zusammenkünfte der Gläubigen besucht, wo das Wort Gottes „geschnitten“, d.h. erklärt wird. Denn sein Wort ist die Nahrung für unseren inneren Menschen. Es nährt und kräftigt uns in unserem Glaubensleben. So wie wir regelmäßig Nahrung für unseren Körper nötig haben, so brauchen wir auch regelmäßig Nahrung für unseren inneren Menschen. Das Ergebnis ist inneres Wachstum und Frucht für Gott (siehe auch Kol 1,6).

Ruth war sich dabei der Gnade Gottes bewusst. Sie hatte als Moabiterin nach dem Gesetz kein Anrecht, inmitten des Volkes Gottes zu sein (5. Mo 23,3). Was kann da helfen? Nur die Gnade! Denn in dem gleichen Gesetz hatte Gott Vorsorge für den Fremdling getroffen, dass er am Rande des Feldes auflesen durfte (3. Mo 23,22).

So hat uns allein die Gnade Gottes gerettet (Eph 2,8), und durch seine Gnade gibt er uns aus seiner Fülle (Joh 1,16). Wir stehen unter seinem Segen, aber das ist nur die eine Seite. Es ist auch an uns, dass wir uns mit Fleiß und Eifer mit seinem Wort beschäftigen, damit er uns wirklich segnen kann. Wenn wir ihn lieben, lieben wir auch sein Wort. Wie ist das bei mir und dir? Lesen wir regelmäßig sein Wort unter Gebet? Nehmen wir uns Zeit, darüber nachzudenken? Besuchen wir regelmäßig die Zusammenkünfte, um sein Wort zu hören?

Ruth sagte: „Lass mich doch.“ Sie hatte den Wunsch, ihre Zeit für die Beschäftigung mit Gottes Wort zu nutzen. Lass dich auch anspornen.

Ruth, die Ährenleserin (2)

Ruth 2,14
„Und Boas sprach: Tritt herzu … Da setzte sie sich zur Seite der Schnitter.“

Wir haben gesehen, dass Ruth eifrig war im Ährenlesen. Aber es ist auch einmal Ruhe nötig. Boas, der Eigentümer des Feldes, lädt sie nun zum Mittagessen ein. Er sorgt für die Arbeiter auf seinem Feld und auch für Ruth.

Boas ist ein Vorausbild auf den Herrn Jesus. Mit welcher Fürsorge kümmert er sich um die Seinen! „Tritt herzu“ heißt: Komm zu mir, ich möchte Gemeinschaft mit dir haben. Ist das nicht etwas Großes? Der Herr Jesus möchte Gemeinschaft mit dir und mir haben. Ob jung im Glauben oder schon lange bekehrt, ob der erste Tag im Dienst für den Herrn oder schon lange für ihn tätig – er lädt uns ein, bei ihm zu sein.

Bei allem Dienst für ihn brauchen wir auch Zeiten der Ruhe. Und die gibt er uns in der Gemeinschaft mit sich selbst. Kennen wir solche Zeiten der Stille mit ihm, wenn wir in Ruhe über sein Wort nachdenken und mit ihm reden im Gebet? Dann merken wir etwas von seiner Nähe und Fürsorge. Dann wird ER uns größer und wichtiger. Da gibt er uns Rat für Entscheidungen und seinen Frieden.

Bei den Jüngern in Markus 3–6 war es auch so. Der Herr Jesus hatte sie berufen, aber nicht zuerst für den Dienst. Das kam erst an zweiter Stelle! Zuerst, damit sie bei ihm seien (Mk 3,14). In Markus 6,31 sagt er dann zu ihnen: „Kommt her und ruht ein wenig aus.“ Kommt her oder tretet herzu. Da können wir die Gemeinschaft mit ihm ganz persönlich genießen und auch unseren „geistlichen Akku“ für den Dienst aufladen.

Ruth setzte sich zur Seite der Schnitter. Sie hatte nicht nur Gemeinschaft mit Boas, auch mit seinen Leuten. So haben auch wir als Gläubige durch den Herrn Jesus Gemeinschaft miteinander. Wir haben den gleichen Gegenstand unseres Glaubens, wir haben das gleiche Ziel, wir gehen einen gemeinsamen Weg, und wir bilden als Gläubige alle die Versammlung Gottes, den Leib Christi.

Gemeinschaft mit dem Vater, dem Sohn und untereinander – in diese Beziehungen sind wir gebracht durch den wahren Boas. „Was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude völlig sei“ (1. Joh 1,3.4).

Leben wir praktisch in dieser Gemeinschaft? Dann kennen wir auch völlige Freude. Eine Freude, die die Welt nicht kennt, die nur in der täglichen Gemeinschaft mit ihm erfahren wird.

Ruth, die Ährenleserin (3)

Ruth 2,14
„Iss von dem Brot und tunke deinen Bissen in den Essig … und er reichte ihr geröstete Körner; und sie aß und wurde satt.“

Vorher hatte Ruth gearbeitet, um Nahrung für sich und ihre Schwiegermutter zu haben. So ist unser Einsatz und unsere Zeit gefragt, uns mit Gottes Wort zu beschäftigen. Darin zu forschen, dazu auch mal eine gute Betrachtung zur Hand zu nehmen, um das Wort Gottes kennenzulernen und zu verstehen.

Dann gibt es auch die Zeiten zu seinen Füßen, wie auch bei Maria in Lukas 10. Dort teilt der Herr Jesus, der wahre Boas, selbst sein Wort aus. Wir denken da zum Beispiel an die Wortverkündigung am Sonntag. Der Herr benutzt einen Bruder, um sein Wort weiterzugeben. Aber er selbst ist es, der uns sein Wort gibt. Und womit nährt er uns?

  1. Brot: Wir denken hier an den Herrn Jesus als das Brot vom Himmel (Joh 6). Es zeigt uns den Herrn Jesus, der vom Himmel hier auf die Erde kam, und dann hier in seiner Gesinnung, in seinen Taten und in seinen Worten. So sehen wir ihn besonders in den Evangelien. Wie viel können wir von ihm lernen! Er ist das große Vorbild für uns, in seiner Abhängigkeit von Gott, in seiner Hingabe an Gott, in seinem Dienst für Gott, in seinem Verhalten gegenüber den Menschen um ihn her.
  2. Essig: Der Essig erinnert uns an die Bitterkeit seiner Leiden (Ps 69,21), ganz besonders am Kreuz. Wir denken an einen gestorbenen Christus. Diesen Tod hat er für uns erduldet, um uns von unseren Sünden zu erretten und uns in Beziehung zu Gott zu bringen. Wir denken aber auch daran, dass wir mit ihm gestorben sind (Röm 6,1–11; Kol 3,3) und nun in Neuheit des Lebens wandeln sollen. Wir haben mit der Sünde und der Welt nichts mehr zu tun. Wenn wir wirklich verstehen, wie viel er um unserer Schuld und Sünde willen leiden musste, haben wir den Wunsch, mit ihm und für ihn zu leben. „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1. Joh 4,19).
  3. Geröstete Körner: Das war die Nahrung des Landes, das vorjährige Korn (Jos 5,11). Das Land Kanaan spricht von den himmlischen Örtern, wie sie uns der Epheserbrief zeigt. Wir dürfen uns von einem verherrlichten Christus nähren (Eph 1,20.21). Wie hat Gott ihn verherrlicht, nachdem er das große Werk auf dem Kreuz vollbracht hat! Er hat ihn auferweckt aus den Toten und zu seiner Rechten, mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt, gesetzt. Wir dürfen seine Herrlichkeiten anschauen und uns im Glauben bereits jetzt in den himmlischen Örtern aufhalten (Eph 2,6) und die himmlischen Segnungen genießen. Die Körner waren im Feuer geröstet. So wird dem Herrn Jesus in Ewigkeit der „Brandgeruch Golgathas“ anhaften. Wenn wir seine Herrlichkeiten sehen, denken wir auch immer an das, was er auf Golgatha getan hat.

„Sie wurde satt.“ Wenn er gibt, dann tut er es aus seiner Fülle. Er kennt auch heute unsere geistlichen Bedürfnisse. Wenn wir mit geöffneten Herzen aufmerksam auf sein Wort hören, dann bekommen wir genug geistliche Nahrung. Seine Person, als Mensch auf der Erde, in seinen Leiden und als der Verherrlichte reicht aus.

Brauchen wir da noch Nahrung und „Genuss“ in dieser Welt? Fülle dein Herz mit ihm und er führt dich weiter!

Ruth, die Ährenleserin (4)

Ruth 2,14.18
„Und sie wurde satt und ließ übrig … und sie zog hervor und gab ihr, was sie übrig gelassen hatte.“

Ruth hatte von Boas Nahrung bekommen. Sie hatte gegessen und war satt geworden. Es war so viel gewesen, dass sie nicht alles aufessen konnte. Aber sie hatte es nicht achtlos stehen lassen, sondern offensichtlich sorgfältig eingepackt und mit nach Hause genommen. Nun konnte sie es ihrer Schwiegermutter weitergeben, damit diese auch essen konnte.

Wir haben gesehen, dass wir insbesondere in den Zusammenkünften zur Wortverkündigung von dem Herrn Jesus selbst durch sein Wort Nahrung bekommen. Er stellt sich selbst vor unsere Herzen und gibt uns Kraft und Wegweisung für unseren Glaubensweg. Er beschäftigt und verbindet uns mit sich und der himmlischen Herrlichkeit.

Sein Wort ist so reich, dass wir gar nicht alles fassen können. In Matthäus 14,15–21 wird uns die sogenannte Speisung der 5.000 berichtet. Mit Frauen und Kindern waren es sicher mehr als 20.000 Menschen. Und der Herr speist sie alle mit der geringen Menge von fünf Broten und zwei Fischen, die ihm gegeben wurden. Und es blieben zwölf Handkörbe voll übrig! Mehr als vorher da war! So nutzt er das wenige, was wir haben. Unsere Schwachheit und die beschränkten Fähigkeiten eines Bruders in der Wortverkündigung hindern den Herrn nicht, die Fülle zu geben. Sind unsere Herzen für ihn geöffnet, sehen wir nicht auf den Bruder, sondern auf den Herrn. Dann können wir wirklich aus seiner Fülle empfangen. Wir verstehen vielleicht nicht alles, es bleibt etwas übrig, aber wir werden weiter wachsen und sind vielleicht später in der Lage, mehr zu verstehen.

Oder erinnern wir uns nach einem Vortrag nur an unglückliche Formulierungen und Versprecher? Wissen wir am nächsten Tag zwar noch, wer gesprochen hat, aber nicht mehr worüber? Das bedeutet dann, die Nahrung, die der Herr gibt, achtlos liegen zu lassen.

Bei Ruth war es nicht so, und bei uns soll es auch nicht so sein. Sie ging mit der Nahrung sorgsam um, nahm sie mit und gab weiter.

Wir wollen auch aufmerksam zuhören, um sein Wort gut zu behalten. Stichpunkte während des Vortrages mitzuschreiben, kann dabei sehr nützlich sein. Wir sollten dann auch nach der Stunde weiter darüber nachdenken und uns mit anderen Gläubigen darüber austauschen. Und vielleicht kennen wir solche, die wegen Alter, Krankheit, Versorgung der Kinder oder aus beruflichen Gründen nicht zur Wortverkündigung kommen konnten. Dann können wir etwas von dem weitergeben, was wir in uns aufgenommen haben, und so auch andere ermuntern und sie durch sein Wort stärken.

Das ist dann Freude der Gemeinschaft, Freude am Wort Gottes und Freude im Herrn Jesus.

Dirk Mütze