Innerlich bewegt (2)

Online seit dem 11.07.2021, Bibelstellen: Matthäus 20, 33-34

Wir haben schon gesehen, wie das Herz des Herrn angesichts der Volksmengen in Tätigkeit war. Er redete nicht nur zu ihnen, er begegnete nicht nur ihren körperlichen, irdischen Bedürfnissen, nein, sein Herz neigte sich zu ihnen herab. Er nahm innerlich Anteil und sah vor allen Dingen die Bedürfnisse ihrer Herzen.

Und so wie er innerlich bewegt war über die Volksmengen, so sehen wir ihn auch in seiner Barmherzigkeit gegenüber einzelnen. Er sieht nicht nur die Mengen, nein, er sieht jeden einzelnen. Er begegnet Menschen damals persönlich und er tut es auch heute bei dir.

Mt 20,34: „Jesus aber, innerlich bewegt, rührte ihre Augen an; und sogleich wurden ihre Augen sehend und sie folgten ihm nach.“ Hier sind es zwei Blinde, denen der Herr sich zuneigt. Sie hatten am Wegrand außerhalb von Jericho gesessen, als der Herr vorüberkam. Sie hörten, dass Jesus vorüberging und riefen um Erbarmen: „Erbarme dich unser, Herr, Sohn Davids.“ Obwohl ihre natürlichen Augen blind waren, war bereits etwas Licht in ihre Herzen gefallen. Sie reden ihn als Herrn an, anerkennen seine Autorität und bezeichnen ihn als Sohn Davids und sehen somit in ihm den Messias seines Volkes. Und sie wussten offensichtlich, dass er sie heilen konnte. Auf die Frage: „Was wollt ihr, dass ich euch tun soll?“ sagen sie schlicht und einfach: „Herr, dass unsere Augen aufgetan werden.“ War das nicht klar? Wusste der Herr das nicht? Doch, natürlich. Aber durch das Ausdrücken dieser Bitte zeigen sie ihr Vertrauen zu ihm. Sie reden auch nicht lange um den heißen Brei herum. Sie sagen klar und konkret ihre Bitte. Und darüber ist das Herz des Heilands bewegt. Barmherzigkeit knüpft immer an den erbarmungswürdigen Zustand des anderen an. Und genau das tut der Herr hier. Das wunderbare Ergebnis, nachdem sie sehend geworden sind, ist, dass sie ihm nachfolgen. Liegen darin nicht tiefe Belehrungen für uns? Erstens: Einst waren wir Finsternis, verloren, getrennt von Gott, jetzt sind wir Licht in dem Herrn. Wir sind in eine völlig andere Stellung gekommen. Wir erkannten nichts von Gott und auch nicht unseren Zustand. Er, der das Licht ist, hat sich uns offenbart. Durch den Glauben an ihn sind wir Licht im Herrn und dürfen nun als solche, die berufen sind aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht, auch im Licht wandeln. Das führt uns zur zweiten Belehrung: Sollten wir ihm jetzt nicht aus Dankbarkeit nachfolgen als treue Jünger in dieser dunklen Welt? Drittens: Wie sehen unsere Gebete aus, wenn wir Bitten auf dem Herzen haben? Sind sie konkret, sagen wir offen und einfach, was unsere Bitte ist?  Viertens: Interessant ist, dass die Bibel hier sagt: „... und sie wurden wieder sehend.“ Offensichtlich waren es hier Menschen, die schon einmal gesehen hatten, aber blind geworden waren. Auch das spricht zu unseren Herzen. Leider kann es vorkommen, dass auch ein Gläubiger sich so weit vom Herrn entfernt, dass er in seinem Wandel nicht von einem Ungläubigen zu unterscheiden ist. Deshalb wird uns zugerufen: „Wache auf, der du schläfst“. Ein Schlafender ist auf den ersten Blick manchmal von einem Toten nicht zu unterscheiden. Aber wenn wir diesen traurigen Zustand empfinden, dürfen wir den Herrn auch um Erbarmen anrufen. Es gibt immer einen Weg der Umkehr und der Herr kann und möchte uns völlig wiederherstellen. Wenn wir diese Erfahrung gemacht haben, wird uns das dann nicht antreiben, nun aber mit ganzem Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren und ihm nachzufolgen?

So wie der Herr hier den beiden Blinden begegnet und sie zu „Leuchttürmen seiner Gnade“ gemacht hat, begegnet er noch heute weiteren Menschen in seiner Barmherzigkeit. Er, der als das wahrhaftige Licht in die Welt kam und jeden Menschen erleuchtete, das heißt in das Licht Gottes stellte, hat uns nun als Lichter hier in dieser Welt zurückgelassen, um ihn, das Wort des Lebens, darzustellen. Wir scheinen als Zeugnis für ihn, zuerst durch unser Leben, dann vielleicht auch durch ein Wort. Es ist wahr, dass diese Welt ein finsterer Ort ist, aber könnte sie nicht immer mehr ein Ort werden, wo durch uns, die Glaubenden, das Licht Gottes hell strahlt? Erfahrene Barmherzigkeit sollte auch dazu führen, dass wir den Wunsch haben, dass andere diese Barmherzigkeit auch erfahren.

Dirk Mütze