Die Lästerung des Heiligen Geistes

Online seit dem 26.06.2007, Bibelstellen: Matthäus 12,31-32; Markus 3,28-29; Lukas 12,10

Was ist mit der Lästerung des Heiligen Geistes gemeint, die dreimal im Neuen Testament genannt wird? Warum kann diese Sünde nicht vergeben werden? Können auch Gläubige den Geist lästern? Solche und ähnliche Fragen beschäftigen und beunruhigen manche Christen. Darum ist es gut und wichtig, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen.

Die Lästerung des Heiligen Geistes wird an drei Stellen in der Bibel erwähnt: Matthäus 12,31.32; Markus 3,28.29; Lukas 12,10. Ich zitiere nachfolgend die Stelle aus dem Matthäusevangelium, weil sie die umfassendste ist: „Deshalb sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird den Menschen nicht vergeben werden. Und wer irgend ein Wort redet gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wer aber irgend gegen den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden – weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen“ (Mt 12,31.32).

Worin besteht die Lästerung des Geistes?

Um diese Worte des Herrn Jesus gut zu verstehen, müssen wir beachten, vor welchem Hintergrund sie gesprochen wurden. In Matthäus 12 wird in den Versen davor beschrieben, wie Jesus Christus einen Menschen heilte, der aufgrund dämonischer Besessenheit blind und stumm gewesen war (V. 22). Das Wunder war sehr eindrücklich, so dass sich die Volksmengen erstaunt fragten, ob Jesus nicht der Sohn Davids, der verheißene Messias, sei (V. 23). Das ärgerte die Pharisäer gewaltig. Sie, die beschlossen hatten, Jesus umzubringen (V. 14), sahen ihr Ansehen beim Volk schwinden. Sie konnten nicht leugnen, dass ein Wunder geschehen war, und so schrieben sie es kurzerhand der Kraft des Teufels zu und behaupteten: „Dieser treibt die Dämonen nicht anders aus als durch den Beelzebul, den Fürsten der Dämonen“ (V. 24).

Schon einmal hatten sie in dieser Weise gelästert (Mt 9,34). Der Herr war jedoch nicht darauf eingegangen; jetzt aber zerbrach er ihre krumme und boshafte Logik wie ein Streichholz:

  • Vers 25.26: Wenn Dämonen durch die Kraft Satans ausgetrieben werden, dann kämpft Satan gegen sich selbst. Und das ist undenkbar. Sollte er denn mit der linken Hand einen Dämon in den Menschen senden und ihn mit der rechten wieder entfernen? Sein Reich würde rasch untergehen.
  • Vers 27: Wenn Jesus Dämonen in der Kraft des Teufels ausgetrieben hätte, dann müsste dieser generell der Urheber von Dämonenaustreibungen sein – also auch dann, wenn die „Söhne“ der Pharisäer eine solche Tat vollbrachten. Da sie das jedoch verneinen würden, haben sie sich offenbar in einen Widerspruch verstrickt.
  • Vers 28–30: Eine teuflische Kraft kann bei der Dämonenaustreibung aus diesen Gründen nicht im Spiel sein (eine menschliche natürlich auch nicht, denn der Mensch ist solchen Mächten nicht gewachsen). Es gibt daher nur eine Schlussfolgerung: Der Herr trieb die Dämonen in der Kraft des Geistes Gottes aus. Er erwies sich dadurch als stärker als der Teufel.

Das offenkundige Wirken des Geistes Gottes bewusst dem Fürsten der Dämonen, dem Teufel, zuzuschreiben – das ist die Lästerung des Geistes. Redet jemand in dieser Weise gegen den Geist, so hat er „keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig“ (Markus 3,29). Wer sich einer derartigen Ungeheuerlichkeit schuldig macht, überschreitet eine göttliche gezogene Grenze und stellt sich für immer außerhalb der Gnade Gottes. Erschütternd ernste Tatsache!

Bange Fragen

Diese Worte des Herrn haben bei manchen bange Fragen ausgelöst: „Was ist, wenn ich den Geist gelästert habe? Habe ich eine Sünde begangen, die nie vergeben werden kann? Gehe ich doch noch verloren? Bin ich vielleicht überhaupt nicht bekehrt?“ In diesem Artikel soll nun dargelegt werden, dass niemand in Angst leben muss, den Geist gelästert zu haben. Die Worte des Herrn über die Lästerung des Geistes tasten keineswegs die Heilssicherheit und Heilsgewissheit eines Christen an. Und sie sind natürlich auch nicht dazu da, heilsverlangende Seelen vor dem entscheidenden Schritt zurückzuhalten!

Es geht um Lästerung

Es ist auffällig, dass in diesem Zusammenhang oft von der „Sünde gegen den Heiligen Geist“ gesprochen wird. Das aber hat der Herr Jesus nicht gesagt und nicht gemeint; Er sprach ausdrücklich davon, dass der Heilige Geist gelästert wird.   Das ist ein wichtiger Unterschied. „Sünde gegen den Heiligen Geist“ ist eine allgemeine Formulierung, die man mit jeder Sünde verbinden könnte. Als Ananias heuchelte, sprach Petrus davon, dass er den Heiligen Geist belogen habe (Apg 5,1–3). Er hatte gegen den Heiligen Geist gesündigt, und es war sogar eine Sünde zum Tod – aber mit der Lästerung des Geistes hat das nichts zu tun. Ausschließlich die Lästerung des Geistes ist eine Sünde, die nicht vergeben wird. Jede andere Sünde und jede Lästerung kann den Menschen vergeben werden (Mt 12,31).  Wichtig ist noch zu vermerken, dass die Lästerung etwas ist, das ausgesprochen wird. Denn Christen, die meinen, den Geist gelästert zu haben, sprechen vielfach von unerwünschten  Gedanken, die einem furchtsamen Herzen entspringen und/oder Folge eines feurigen Pfeil des Bösen sind (vgl. Eph 6,16). Bei der Lästerung des Geistes handelt es sich aber nicht um Gedanken, sondern um Worte, wie es die Schrift deutlich zeigt (Mk 3,30).

Es geht um verstockte Herzen

Christen, die befürchten, sie könnten den Geist gelästert haben, wünschen sich die Gewissheit der Vergebung und möchten mit dem Herrn Jesus die Ewigkeit verbringen. Sie lehnen es ab, dass göttliches Wirken verunglimpft wird. Das alles beweist deutlich, dass sie neues Leben aus Gott haben. Sonst wären ihnen solche Empfindungen und Gedanken völlig fremd. Sie befinden sich ganz offenbar nicht in dem Zustand der Verhärtung, wie die Pharisäer, die den Geist gelästert haben.  Die Pharisäer waren keine zweifelnden und ängstlichen Seelen, die befürchteten, verloren zu gehen. Was sie redeten, entsprang einer kühl berechnenden Überlegung. Als sie merkten, dass die Volksmenge erstaunt war über das Wunder des Herrn Jesus, sagten sie, ohne mit der Wimper zu zucken: „Er hat den Beelzebul; und: Durch den Fürsten der Dämonen treibt er die Dämonen aus“ (Mk 3,22). Diese Aussage erschien ihnen am meisten geeignet, ihren Einfluss über das Volk zu wahren und das Wunder Jesu zu verleumden. In ihren bösen und verhärteten Herzen war kein Wunsch nach Vergebung und kein Verlangen nach Gottes Herrlichkeit. Sie hassten den Herrn Jesus und verschlossen ihre Herzen willentlich und wissentlich vor dem Wirken Gottes.

Es geht um offenkundige Zeichen

Die Pharisäer schrieben ein augenscheinliches Zeichen, das in der Kraft des Geistes Gottes gewirkt wurde, teuflischer Macht zu. Da wir in einer Zeit leben, in der sich die Macht des Geistes nicht in derartigen Zeichen offenbart, ist es nicht möglich, dass heute jemand den Geist Gottes in dieser schrecklichen Form lästert. Wir müssen ferner bedenken, dass die Schrift die Lästerung des Geistes direkt mit der Person des Herrn Jesus verknüpft. Das sollte uns zumindest vorsichtig machen, in anderen Fällen von dieser Lästerung zu sprechen. Allerdings ist es richtig, aus Stellen im Lukasevangelium zu folgern, dass die Lästerung des Geistes auch in Verbindung mit den Aposteln möglich war. Denn es ist auffällig, dass Lukas die Warnung, dass es sich um eine Sünde handelt, die nicht vergeben werden kann, nicht nur auf die Lästerung in der direkten Gegenwart des Herrn bezieht, sondern auch mit Belehrungen des Herrn für die Zeit seiner Abwesenheit verbindet  (siehe Lk 11,15–23 und Lk 12,8–10). Zusätzlich muss man berücksichtigen, dass auch die Apostel Zeichen und Wunder gewirkt haben, die es heute nicht mehr gibt. Wir können daher nicht einfach die Lästerung des Geistes in unsere Zeit übertragen.

Es geht um das Zeitalter

Es ist höchst bemerkenswert, dass der Herr Jesus die Sünde, die nicht vergeben werden kann, im Matthäusevangelium auf zwei Zeitalter bezog: „Wer aber irgend gegen den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden – weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen“ (Mt 12,32).  Der Sohn Gottes sprach nicht davon, dass derjenige, der in dem damaligen Zeitalter diese Sünde tat, auch im zukünftigen Zeitalter keine Vergebung bekommen würde. Es geht vielmehr um die Frage, in welchem Zeitalter die Sünde, die Lästerung begangen wird. Wer in dem Zeitalter, in dem der Herr Jesus lebte, gegen den Geist redete und wer das in dem „zukünftigen Zeitalter“ tun würde – der ist von der Vergebung ausgeschlossen.

Ein Zeitalter ist eine heilsgeschichtliche Epoche, die durch bestimmte Merkmale des Handelns Gottes mit den Menschen gekennzeichnet ist. Als Christus auf der Erde lebte, war Israel das anerkannte Volk Gottes. Aber Israel ist verworfen worden und dieses „Zeitalter“ kam zu seinem Ende (vgl. Rö 11,15). Bleibt zu klären, was mit dem „zukünftigen Zeitalter“ gemeint ist. Ist das unsere gegenwärtige Epoche? Nein. Mit dem Ausdruck „zukünftigen oder kommenden Zeitalter“ wird in der Schrift nie die „Gnadenzeit“ bezeichnet. Gemeint ist damit die Zeit, wenn Gott sich in seinem direkten Handeln mit dieser Erde wieder seinem irdischen Volk Israel zuwenden  und die Segnungen des Tausendjährigen Reiches herbeiführen wird (vgl. Mk 10,30).  Das steht nicht im Widerspruch dazu, dass es zur Zeit der Apostel die Lästerung des Geistes geben konnte, wie ich das vorher schon angedeutet habe. Denn wir müssen bedenken, dass die ersten Jahrzehnte des Christentums eine Übergangszeit bildeten. Gott beschäftigte sich noch mit den Juden und bot seinem Volk Vergebung an (Apg 5,31). Die Verkündigung der Apostel an die Juden wurde, wie die Botschaft des Herrn, von Wundern und Zeichen begleitet (Apg 2,22; Apg 2,43; Heb 2,3.4). So erlebten die Hebräer in ihrer Mitte die „Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters“ (Heb 6,5). Sie sahen die Macht Gottes, die einst völlig entfaltet werden wird, wenn Christus in Herrlichkeit erscheint.  Als der Apostel Petrus einen gelähmten Mann geheilt hatte, sagte er zu dem Volk: „Durch den Glauben an seinen Namen hat sein Name diesen, den ihr seht und kennt, stark gemacht … So tut nun Buße und bekehrt euch, damit eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen von dem Angesicht des Herrn und er euch den zuvor bestimmten Christus Jesus sende“ (Apg 3,16.18–20). Die Obersten des Volkes gaben zu, dass ein offenkundiges Zeichen geschehen war, dennoch geboten sie den Jüngern, nicht mehr in dem Namen Jesu zu reden (Apg 4,16.17). Stephanus, der Wunder und große Zeichen unter dem Volk wirkte, wurde von ihnen gesteinigt (Apg 6,8; 7,59). Energisch stritten sie gegen den Heiligen Geist – und Gott wandte sich völlig von ihnen ab. Das tat sich nach außen hin darin kund, dass im Jahr 70 n. Chr. der Tempel in Jerusalem durch die Römer zerstört und die Juden in alle Himmelsrichtungen zerstreut wurden. Zeichen und Wunder, die besonders für die Juden waren (vgl. 1. Kor 1,22), hatten nun aufgehört. Und damit gab es auch keine Möglichkeit mehr, diese Sünde der Lästerung des Geistes zu begehen, die nicht vergeben werden kann.

Der Zusammenhang in Matthäus 12 macht klar, dass der Herr bei der Lästerung des Geistes sein irdisches Volk im Blickfeld hatte. Es geht in diesem Kapitel um das böse und ehebrecherische Geschlecht der Juden (Vers 39.41.42). Sie, die den Geist Gottes mit dem Teufel gleichgesetzt hatten und das auch noch tun werden – sie werden zur Beute von bösen Geistern (Mt 12,43–45). Wir, die wir zu dem Volk gehören dürfen, das Gott aus allen Nationen sammelt (Apg 15,14), sind damit nicht gemeint.

Das Wichtigste in Kürze

Diese Ausführungen sollten keineswegs etwas von den Worten des Herrn Jesus wegnehmen. Seine Worte bleiben in ihrer Tragweite und ihrer ganzen Kraft ewig stehen. Aber wir dürfen doch untersuchen, was sie wirklich bedeuten und dankbar erkennen, dass die Furcht, den Geist gelästert zu haben, unbegründet ist. Denn:

  • Wer sich mit dieser Frage quält und nach Gewissheit des Glaubens hungert, beweist einen Zustand des Herzens, den ein verhärteter Lästerer niemals hat.
  • Es gibt heute nicht die Möglichkeit, den Geist zu lästern, da Gott in dieser Zeit des christlichen Niedergangs keine Zeichen mehr bewirkt.
  • Die Lästerung des Geistes steht in Verbindung mit Israel.
  • In dem Zeitalter der Gnade wird jedem Sünder seine Schuld vergeben, der sie in Buße und Glauben aufrichtig vor Gott bekennt.

[Erschienen in der Zeitschrift „Folge mir nach“]

Gerrid Setzer