Faule Kompromisse

Online seit dem 27.01.2008, Bibelstellen: 2. Mose 8,21-23; 2. Mose 8,24; 2. Mose 10,7-11; 2. Mose 10,24-29

Israel soll aus Ägypten ausziehen. Zunächst spricht Gott davon, dass die Israeliten in der Wüste ihm opfern sollen (2. Mo 3,18). Dann geht es darum, dass der erstgeborene Sohn Gottes, Israel, Gott dienen soll und darum aus Ägypten hinausziehen muss (2. Mo 4,23).  Schließlich sprechen Mose und Aaron davon, dass Gott ein Fest in der Wüste gehalten werden soll (2. Mo 5,1). Darin liegt eine moralische Reihenfolge: erst das Opfer, dann der Dienst und schließlich die Freude.

Der Pharao weist das Ansinnen jedenfalls sofort schroff zurück (2. Mo 5,2). Die ersten drei Plagen brechen über Ägypten herein. Ab der vierten Plage (die Hundsfliegen) macht Gott einen Unterschied zwischen seinem Volk und den Bedrückern. Das scheint den Pharao zu beeindrucken. Er ist zum ersten Mal zu Kompromissen bereit (in Kapitel 8,4, nach der Plage der Frösche, hatte er allerdings schon mal davon gesprochen, dass Volk ziehen zu lassen, von einem Kompromiss kann man da aber nicht sprechen):

Erster Kompromiss: Pharao sagt: Ihr dürft Gott opfern, aber ihr sollt es im Land Ägypten tun und nicht drei Tagereisen weit in die Wüste ziehen (2. Mo 8,21–23). Mose lässt sich nicht darauf ein. – Wie der Pharao so macht es der Teufel heute auch. Wenn er merkt, dass er Menschen nicht davon abbringen kann, Gott zu dienen und zu ehren, dann versucht er, die Welt und die Gläubigen miteinander zu vermischen. Und wie viel ist ihm da schon gelungen! Doch wir wollen verwirklichen, dass wir nicht zu dem System „Welt“ gehören (Gal 1,4) und unseren Platz außerhalb des Lagers einnehmen (Heb 13,13). Unsere Trennung zur Welt wird durch den Tod und die Auferstehung Christi markiert, woran uns die drei Tagereisen erinnern (vgl. Gal 6,14).

Zweiter Kompromiss: Als Pharao sieht, dass Mose festbleibt, lässt er die Leine etwas lockerer. Aber er will das Volk immer noch an der Leine halten. „Entfernt euch nicht so weit“, sagt er jetzt (2. Mose 8,24). – Der Teufel kämpft um jeden Zentimeter. Er will keine vollständige Absonderung. So ein bisschen „Welt“ darf es doch sein, oder? Er will uns nicht so weit gehen lassen, dass wir unseren himmlischen Platz einnehmen (der Himmel ist tatsächlich „weit entfernt“).

Dritter Kompromiss: Nach der siebten verheerenden Plage des Hagels bedrängen die Knechte den Pharao, endlich einzulenken. Der Pharao will tatsächlich das Volk ziehen lassen – aber die kleinen Kinder sollen zurückbleiben (2. Mose 10,7–11). Für Mose ist es eine Selbstverständlichkeit, dass bei einem Fest des HERRN alle dabei sein sollen. – Wenn der Teufel sieht, dass er uns nicht in die Welt ziehen kann, dann will er es wenigstens bei unseren Kindern erreichen. Er bringt uns dazu, Dinge bei unseren Kindern zu dulden, die wir selbst niemals tun würden. Ausreden gibt’s genug: „Sie sind für Belehrungen noch zu klein; sie verstehen es eben nicht anders; man darf es auch nicht übertreiben; sie werden es schon noch irgendwie erkennen; Überforderung ist ein schlimmes Übel usw.“ Und schließlich bekommt er sie der in den Griff und kann sie für seinen Dienst gebrauchen.

Vierter Kompromiss: Nach der neunten Plage, der Finsternis, bringt Pharao einen letzten Kompromissvorschlag (2. Mose 10,24–29). Er probiert es wirklich bis zum Schluss! Er will das Volk komplett ziehen lassen, nur das Kleinvieh und die Rinder sollen in Ägypten bleiben. Zunächst hat er versucht, das Volk im Land bleiben zu lassen, dann in der Nähe des Landes, dann wollte er nur einen Teil ziehen lassen und jetzt sollen die Opfertiere in Ägypten bleiben. Doch Mose sagt, dass nicht eine Klaue zurückbleiben darf! – Der Teufel wird auch in unserem Leben immer wieder versuchen, dass wir den Dienst für Gott vernachlässigen. Muss denn wirklich alles für Gott geweiht werden? Darf man denn nicht wenigstens den Geldbeutel ausklammern? Auch hier ist die Entschiedenheit gefragt, die Mose so klar vorgelebt hat. Alles für Gott! Und alles exakt so, wie er es angeordnet hat!

Gerrid Setzer