Zu Gott gebracht (1)

Online seit dem 11.03.2014, Bibelstellen: Lukas 15,1824

Gottes Wege sind nicht unsere Wege und seine Gedanken sind nicht unsere Gedanken. Das Mitgefühl des Menschen freut sich über den befreiten Sklaven. Es ist tröstlich, daran zu denken, dass Straßenkinder unserer großen Städte aus ihrer Verwahrlosung befreit, von ihrem einsamen Leben errettet und in einem Heim auferzogen werden. Doch wer will diese hungernden, schlecht erzogenen Kinder aus ihrem Elend herausholen und in die eigene Familie bringen, dass sie mit den eigenen Kindern dort wohnen? Nein, eine moralische Barriere zwischen Mensch und Mensch scheint zu sagen: „Bis dorthin und nicht weiter.“

Christus ist gestorben, nicht nur, um uns zu reinigen und uns aus unserer Verwahrlosung und aus unserer Sünde zu befreien, sondern um uns zu Gott zu bringen – nicht als hungerndes Kind – nicht in der Verdorbenheit der Sünde – nicht in den Lumpen unseres früheren Zustands der Entfremdung. Nein, die Gnade hat uns aus unserem alten Zustand herausgebracht, und noch viel mehr als das: Wir sind in einen neuen Zustand gebracht worden.

Der Empfang des verlorenen Sohnes

Als der verlorene Sohn aus dem fernen Land zurückkehrte, näherte er sich dem Haus des Vaters in dem Gedanken, dort Brot zu finden und einen Platz bei den Knechten. Das entsprach jedoch nicht den Gedanken seines Vaters, denn es war ein Fest für den Sohn vorbereitet und ein Platz für ihn am Tisch des Vaters. Der junge Mann hatte die Heimat verlassen mit dem Teil des Erbes, das ihm zufiel. Er kam mittellos, hungrig und in Lumpen zurück, um zu Hause das beste Kleid zu bekommen und alles neu und den Gedanken des Vaters über ihn entsprechend. Wir lesen nichts davon, dass er, als er in der Gegenwart des Vaters war, noch ein Wort über die Stellung als Knecht sagte, die er sich vorher ausgerechnet hatte. Die Liebe des Vaters verbot das Aufkommen solcher Gedanken. Von nun an beschäftigten das Herz des Vaters und die herzliche Aufnahme des Vaters seine Seele. Und wir sind durch das Werk des Sohnes Gottes so vollkommen passend für Gott, dass seine Gegenwart unser Wohnort ist.

H. Forbes Witherby