Es musste die Schrift erfüllt werden

Online seit dem 06.07.2016, Bibelstellen: Apostelgeschichte 1,16

„Brüder, es musste die Schrift erfüllt werden, die der Heilige Geist durch den Mund Davids vorhergesagt hat über Judas, der denen, die Jesus griffen, ein Wegweiser geworden ist“ (Apg 1,16).

Dieser Vers ist in mancherlei Hinsicht bemerkenswert. Zuerst staunen wir über das plötzliche Schriftverständnis der Apostel. Als der Herr Jesus ihnen die Überlieferung durch „einen unter euch“ angekündigt hatte, hatten sie sich noch fragende Blicke zugeworfen. Jetzt erkannten sie darin die Erfüllung der Schriften. Hierin dürfen wir ein Ergebnis von Lukas 24,45 sehen: „Dann öffnete er ihnen das Verständnis, um die Schriften zu verstehen.“ Petrus erinnert dann an zwei Stellen aus den Psalmen, die ihnen deutlich machen, dass für Judas ein Nachfolger bestimmt werden muss.

Zweitens lernen wir aber auch etwas über das Wesen von Inspiration. Es heißt nicht, dass David durch den Geist geleitet wurde, als er über Judas schrieb. Der Heilige Geist selbst redete und benutzte dafür den Mund Davids. Das ist Inspiration. Viele dieser inspirierten Worte gingen auch über das hinaus, was der Schreiber selbst wissen konnte (vgl. 1. Pet 1,10.11). David konnte zum Beispiel auch nicht wissen, dass er „über Judas“ schrieb. Er tat es aber, unwissentlich, „getrieben vom Heiligen Geist“.

Die vielleicht schönste Lektion dieses Verses ist jedoch, dass wir erkennen, wie der gute Hirte seine Jünger fürsorglich auf diese schwere Situation vorbereitet hatte. Zweimal hatte er in Bezug auf Judas davon gesprochen, dass die Schrift erfüllt werden müsse: in Johannes 13,18.19 und Johannes 17,12. In Johannes 13 sagt er: „Ich rede nicht von euch allen, ich weiß, welche ich auserwählt habe; aber damit die Schrift erfüllt würde: Der mit mir das Brot isst, hat seine Ferse wider mich aufgehoben. Von jetzt an sage ich es euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, glaubt, dass ich es bin.“

An diese Worte wird Petrus sich erinnert haben und sie waren den Jüngern ein großer Trost. So furchtbar das Erleben für sie auch war, dass einer von ihnen den Herrn Jesus verraten hatte – es hatte den Plan Gottes nicht durchkreuzt, sondern erfüllt. Jetzt war es geschehen und die Jünger durften in dem, der sie vorher darauf vorbereitet hatte, den „Ich bin“ sehen, der von nichts überrascht wird und der alles im Voraus weiß.

Auch wir müssen von der Untreue und dem Abfall der Christenheit nicht überrascht und verunsichert werden, denn es erfüllt sich die Schrift vor unseren Augen, dass „in den letzten Tagen schwere Zeiten sein werden“. Fürsorglich hat unser Hirte auch uns all die bösen Entwicklungen unserer Tage bereits vorhergesagt, damit wir nicht irre werden und damit auch wir in ihm den „Ich bin“ erkennen, der bis heute von nichts überrascht wird.

Marco Leßmann