Lesen und Nachsinnen (2)

Online seit dem 11.10.2009, Bibelstellen: Daniel 12,10; Daniel 2,28; Dan 10,12

Hüte dich, den Schriften mit unheiligem Herzen zu nahen. Wenn du jemals die Gedanken Gottes in Seinem Wort kennen lernen willst, muss der Geist sie dir vermitteln. Wird Er, der so heilig ist, dich bei deiner schmutzigen Hand fassen, um dich in die Wahrheit zu leiten? Nein, dein Schicksal ist besiegelt: „Keine der Gottlosen werden es verstehen“ (Dan 12,10). Wenn die Wahrheit unserer Gast sein soll, und wir mit den Gedanken und den Willen Gottes vertraut sein wollen, dann müssen unsere Herzen eine heilige Wohnung für sie sein!

Bitte Gott um den Schlüssel, mit dem du dir die Geheimnisse seines Wortes aufschließen kannst. Es ist nicht die schuftende, sondern die betende Seele, die diesen Schatz der Schriftkenntnis bekommen wird. Auf ein Gebet hin gewährt Gott dem Christen oft Wahrheiten, nach denen er mit viel Arbeit und Studium vergeblich selbst gesucht hat. „Es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart“ (Dan 2,28). Und wo offenbart Er die Geheimnisse Seines Wortes, wenn nicht am Thron der Gnade? „Von dem ersten Tage an, da du dein Herz darauf gerichtet hast, Verständnis zu erlangen und dich vor deinem Gott zu demütigen, sind deine Worte erhört worden; und um deiner Worte willen bin ich gekommen“, sagt der Engel (Dan 10,12). Und was war der Auftrag dieses Himmelsboten anderes, als ihm die Schriften mehr zu öffnen (vgl. Vers 14 und 21)? Dieser heilige Mann hatte eine gewisse Kenntnis durch das Studium des Wortes und die führte ihn ins Gebet; und das Gebet holte einen Engel vom Himmel, der ihm mehr Licht gab.

„In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, damit ich nicht wider dich sündige“ (Ps 119,11). Weder das Lesen der Bibel in seiner Hand, noch das Reden des Wortes mit seinem Mund, sondern das Verwahren des Wortes in seinem Herzen half dem Psalmdichter, nicht zu sündigen.

„Den Geist löscht nicht aus; Weissagungen verachtet nicht“ (1. Thes 5,19–20). Sie gehören zusammen; wer eins verachtet, verliert beides. Wenn der Schüler zu stolz ist, von dem Diener zu lernen, ist er auch nicht würdig, von dem Herrn belehrt zu werden.

„Sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und zu den Fabeln sich hinwenden“ (2. Tim 4,4). Satan verstopft gewöhnlich das Ohr vor der gesunden Lehre, bevor er es der verderbten Lehre öffnet.

Aus „Extracts from the Writings of William Gurnall, selected from Hamilton Smith“. Übersetzung von: Marco Leßmann]

William Gurnall