Der Prophet Zephanja unter der Lupe

Online seit dem 30.07.2006, Bibelstellen: Zephanja 1,1 - 3,20

Wer sich mit dem Propheten Zephanja intensiv beschäftigen möchte, hat womöglich Schwierigkeiten, entsprechende Studierhilfen zu finden. Der vorliegende Artikel will in diese Lücke hineinstoßen und etwas dazu beitragen, dass der sogenannte kleine Prophet Zephanja keine „unbekannte Größe“ bleibt. Man wird von den Erklärungen aber nur dann nachhaltig profitieren, wenn man sie neben der geöffneten Bibel verwendet.

Einleitung

Der Prophet Zephanja wohnte wahrscheinlich in Jerusalem (vgl. Kap. 1,4.10–12). Aus seinen Lebensumständen erfahren wir sonst so gut wie nichts. Der Bote tritt hinter die Botschaft zurück. Er war der letzte der kleinen Propheten, der vor der Verschleppung der Juden nach Babylon eine Botschaft anvertraut bekam. Nahum, Habakuk und Jeremia waren seine Zeitgenossen. Zephanja schreibt viel über das Gericht Gottes. Dieses trifft sowohl das Volk Gottes als auch die gottlosen Nachbarvölker der Juden (Kap. 1.2). Zephanja kündigt das Gericht an und erläutert die Ursache dafür. Eine erste Erfüllung fanden seine Weissagungen in den Feldzügen der Babylonier, die unter anderem im Jahr 586 v. Chr. Jerusalem zerstörten und die Juden in die Gefangenschaft führten. Doch aus dem ganzen Buch Zephanja wird deutlich, dass er über die bevorstehende Invasion hinausblickt auf den großen Tag des Herrn, der bis heute noch zukünftig ist. Dieser Tag bringt schreckliche Gerichte, aber schließlich auch den Segen des Tausendjährigen Friedensreiches (Kap. 3).

Kapitel 1 

Vers 1: Unter den inspirierten Propheten ist es nur Zephanja, der seine Abstammung ganze vier Generationen zurückverfolgt. Er endet bei Hiskia, dem bekannten gottesfürchtigen König von Juda. Zephanja weist damit also nach, dass er – als einziger dieser Propheten – aus königlicher Linie stammt. Das half ihm gewiss, einen guten Einblick in die Aristokratie jener Tage zu gewinnen (vgl. V. 8).

Vers 1 gibt auch die Wirkungszeit des Propheten an: Er weissagte in den Tagen des Königs Josia, der von 640–609 v.Chr. über Juda regierte. Josias Geschichte wird in 2. Könige 22–23 und 2. Chronika 34–35 ausführlich geschildert. Es ist zum Verständnis des Propheten Zephanja hilfreich, einen Blick in diese Kapitel zu werfen.

Josia wurde mit 8 Jahren König, mit 16 begann er Gott zu suchen und mit 20 fing er an, den Götzendienst im ganzen Land auszurotten. Kurz darauf begann Jeremia seinen Dienst. Als 6 Jahre später bei der Tempelrenovierung das Gesetz entdeckt wurde, war Josia erschüttert, als er die darin enthaltenen Gerichtsandrohungen las. Doch die Prophetin Hulda versicherte ihm, dass er zu seinen Lebzeiten Frieden haben werde. Josia wurde aber durch den Gesetzesfund zugleich motiviert: Er ließ das Volk in einen Bund vor Gott treten, verdrängte den Götzendienst noch weiter und feierte ein Passah, wie es seit den Tagen der Richter nicht mehr geschehen war. Alles schien in dieser Zeit sehr positiv zu sein, zumal auch die Macht des Erzfeindes Assyrien zerfiel und das Land wirtschaftlich aufblühte.

Aber wie sah es bei den Menschen im Innern aus, wie war der moralische Zustand des Volkes Gottes? Alles andere als gut. Jeremia und Habakuk – Zeitgenossen Zephanjas – zeigten das deutlich (Jer 1,3 ff.; Jer 3,6 ff.; Hab 1,2 ff.). So sprach Jeremia davon, dass Juda nicht mit seinem Herzen, sondern nur mit Falschheit zu Gott umgekehrt war (Jer 3,10). Und Zephanja schlug in dieselbe Kerbe. Wann Zephanja nun in der Regierungszeit Josias genau prophezeite, lässt sich nicht bestimmen. Gut möglich ist es, dass seine Weissagung mit der Auffindung des Gesetzes zusammenfiel. Denn die Botschaft Zephanjas weist starke Parallelen zum fünften Buch Mose auf [Fußnote 1], was für die damaligen Zuhörer gewiss beeindruckend war. Tatsache ist jedenfalls, dass Zephanja vor der Zerstörung Ninives im Jahr 612 v. Chr. weissagte, denn dieses Ereignis kündigte er an (2,13).

Verse 2–3: Gott will sowohl die Bewohner des Landes (Menschen und Tiere) ausrotten als auch des Himmels (Vögel) und des Meeres (Fische) sowie den Götzendienst (der ein Anstoß zum Fall ist, vgl. 2. Chr 28,23) und den Gesetzlosen. Das wird sich vollständig am Tag des Herrn erfüllen. Dann wird Gott äußerst massiv in seine Schöpfung eingreifen. Sehr viele Menschen werden umkommen (vgl. Jes 13,9.12). Dieses schreckliche Gericht wird nach der Entrückung der Gläubigen furchtbare Wirklichkeit werden. Davor müssen wir unsere Mitmenschen warnen. Wir dürfen ihnen aber auch sagen, dass jeder, der heute an den Herrn Jesus glaubt, errettet wird von dem kommenden Zorn (1. Thes 1,10).

Verse 4–6: Auch das Volk Gottes wird nicht verschont werden. Gott, der einst seine Hand über Ägypten ausstreckte, um sein Volk zu erlösen (2. Mo 7,5), wird sie gegen Juda und Jerusalem im Zorn ausstrecken, weil sie Ihn nicht geehrt haben. In den Versen 4–6 werden verschiedene Gruppen genannt, die Gott ausrotten will (die Bibelstellen in Klammern zeigen die entsprechenden Bemühungen des Königs Josia): Baalsdiener (2. Kön 23,5); Götzenpriester (2. Kön 23,5); Priester, die auf den Höhen opferten (2. Kön 23,8.20); Sternanbeter (2. Kön 23,5); Religionsmischer (vgl. 2. Kön 23,3); Gleichgültige (vgl. 2. Kön 23,3). Von den Gleichgültigen spricht der sechste Vers. Es wird gezeigt, was sie tun und was sie nicht tun: Sie weichen vor Gott zurück, suchen Ihn nicht und fragen nicht einmal nach Ihm. Diese drei Punkte sind charakteristisch für den gottlosen Menschen (Ps 14,2–4). Josia tat exakt das Gegenteil (2. Chr 34,2.3.21).

Verse 7–9: Als die Juden diese harte Botschaft hörten, mag sich Protest geregt haben. Doch der Prophet gebot Stille. Der Tag des Herrn stand bevor. Gott würde sein Volk zum Schlachtopfer machen, und die Nationen (die Geladenen) würden sie verzehren. Nach dieser allgemeinen Gerichtsankündigung nennt Zephanja verschiedene Gruppen, die Gott „heimsuchen“ wird. Dabei wird in den Versen 7–13 besonders ihr Lebensstil getadelt, während es bei der Aufzählung in den Versen 4–6 um religiöse Fragen ging.   Die, die eine hohe Verantwortung haben, werden zuerst genannt: Fürsten und Königssöhne. Der König Josia wird bezeichnenderweise nicht erwähnt, da er aufgrund seiner Gottesfurcht kein Unglück sehen sollte (2. Chr 34,26 ff.). In Vers 8 ist zudem von denen die Rede, die Kleidung aus fremden Ländern anzogen. Sie gehörten wahrscheinlich zu den oberen Zehntausend, die sich etwas Ausgefallenes leisten konnten. Indem sie sich so kleideten, bekundeten sie Sympathie zu den heidnischen Nationen und distanzierten sich von dem Volk Gottes, denen der Herr verschiedene Kleidervorschriften gegeben hatte (4. Mo 15,38; 5. Mo 22,11 usw.). Um zu Reichtum zu gelangen, schreckten viele nicht davor zurück, über die Schwelle zu springen, d.h. gewaltsam in andere Häuser einzudringen. Untergebene arbeiteten für ihre Herren, indem sie Gewalt und Betrug gebrauchen. Dafür wird Gott sie zur Rechenschaft ziehen.  Aus diesen Versen können wir sicher manches lernen. Ich möchte an dieser Stelle nur eine Anwendung zu der fremdländischen Kleidung machen. Die Kleidung ist das, was das äußere Auftreten eines Menschen prägt. Kleider machen Leute, sagt ein Sprichwort. Die Kleidung spricht daher bildlich davon, wie ein Mensch sein Leben vor anderen führt. Kann man an deinem Leben erkennen, dass du zu dem Volk Gottes gehörst? Kinder Gottes sind berufen, den Herrn Jesus Christus anzuziehen. Dazu gehört, dass man sich taufen lässt (Gal 3,27) und die Wesenszüge des Herrn Jesus im Alltag zeigt (Rö 13,14; Kol 3,12; Eph 4,24). Sollte dein Verhalten jedoch den Prinzipien der Welt entsprechen, trägst du „fremde Kleider“.

Verse 10–13: Der Prophet zeigt nun die Reaktionen, die das Gericht hervorrief: überall Trauer und Geschrei. Die Kaufleute verschwanden aus Jerusalem, Silber wurde nicht mehr durch ihre Gassen transportiert. In jener Zeit machte Gott sich auf, die Menschen zu suchen. Es ist nicht die Tätigkeit der Gnade, die dem verlorenen Sünder nachgeht (vgl. Lk 15,8–10), sondern Gott spürt die Ungläubigen auf, um sie zu richten (vgl. Am 9,2–4). Es trifft die Männer, „die auf ihren Hefen liegen“. Hefe sind unreine und bittere Stoffe, die sich beim Gären des Weins bilden und als Bodensatz zurückbleiben. Hat sich Hefe abgesetzt, muss der Wein in andere Gefäße gegossen werden (Jer 48,11.12). Geschieht das nicht, bleibt der Wein also auf den Hefen „liegen“, wird er unrein und schlecht. Und das spricht bildlich von dem schlechten moralischen Zustand dieser bequemen Männer, die zwar nicht die Existenz Gottes leugneten, aber sein Eingreifen in das Zeitgeschehen. Sie mussten an ihren eigenen Besitztümern schmerzlich erfahren, dass Gott ein handelnder Gott ist.

Diese Verse sollten uns motivieren, unser Verhältnis zu Geld und Gut zu überprüfen. Natürlich ist es an sich nicht verkehrt, Handel zu treiben, Waren zu transportieren oder ein zu Haus bauen. Aber wenn unsere Gedanken nur darum kreisen, handeln wir töricht – wie der reiche Bauer in Lukas 12,16–21. Was Jünger Jesu vielmehr kennzeichnen soll, finden wir direkt nach diesem Gleichnis: Sie sollen der Fürsorge des himmlischen Vaters vertrauen, nach Gottes Reich trachten und sich einen Schatz im Himmel sammeln (Lk 12,22–34).

Verse 14–18: Diese Verse belegen deutlich, dass Zephanja nicht nur den Einfall der Babylonier vor Augen hatte, der bereits einige Jahre nach der Prophezeiung stattfand, sondern  den großen Tag des Herrn. In den Versen 15 und 16 nennt Zephanja 11 Kennzeichen dieses nahen Tages. Die Menschen werden wie die Blinden einhergehen, d.h. sie werden erfolglos versuchen, einen Ausweg aus der Katastrophe zu finden. Ihr Blut wird wie Staub verschüttet werden. Dieser Vergleich weist nicht auf die Menge des Staubes hin (wie in 1. Mo 13,16), sondern auf die Wertlosigkeit (wie in 2. Kön 13,7): Die Feinde werden also das Blut der Juden so hoch achten wie den Staub unter ihren Füßen. Die Edelmetalle werden den Bewohnern des verheißenen Landes nichts helfen, denn sie haben es mit Gott zu tun, der sich nicht durch Tributzahlungen beschwichtigen lässt. Das Wort Salomos wird sich als wahr erweisen: „Vermögen nützt nichts am Tag des Zorns“ (Sprüche 11,4; siehe auch Jes 2,20–21 und Hes 7,19). Und 1. Petrus 1,18–19 zeigt, dass wir nicht mit Silber und Gold erlöst worden sind, weil dazu etwas viel Wertvolleres nötig war: das kostbare Blut Christi.

Kapitel 2 

Verse 1–3: Nach der schrecklichen Gerichtsandrohung der vorigen Verse folgt jetzt der Aufruf an die schamlose Nation (V. 1–2) sowie an die Sanftmütigen des Landes (V. 3), Konsequenzen daraus zu ziehen. Die Nation, die unverfroren sündigte (vgl. 3,5 und Jes 3,9), sollte in sich gehen, um zur Buße zu gelangen. Und das sollten sie tun, bevor der Beschluss des Zornes Gottes sich verwirklichte, was so plötzlich geschehe, wie Wind mit einem Mal Spreu aufwirbelt (1,18; 2,2). Die Sanftmütigen des Landes hingegen werden bestärkt, ihren Kurs weiter zu verfolgen, damit sie so vielleicht dem Zorn entrinnen. Der gläubige Überrest der Juden hofft also vor dem Zorn Gottes auf der Erde verborgen zu werden; wir Christen aber wissen sicher, dass uns der kommende Zorn nicht erreichen wird, weil der Herr Jesus uns vor den Gerichten in den Himmel entrücken wird (Rö 5,9; 1. Thes 5,9; Off 3,10).

Verse 4–7: Von Vers 4 bis zum Ende des Kapitels geht es um verschiedene Völker, die Gott durch die Babylonier richten würde und auch gerichtet hat. Aber am Tag des Herrn wird noch einmal Gericht ausgeführt. Diesen Blickwinkel muss man im Auge behalten, sonst kann man diese Verse nicht richtig verstehen und auslegen.

Die Verse 4 bis 7 stellen die Philister vor, die sich im verheißenen Land aufhielten und es für sich beanspruchten (vgl. V. 5). Vier ihrer fünf Fürstenstädte (Jos 13,3) werden in Vers 4 genannt. Die ersten drei Städte vermitteln von ihrer Wortbedeutung im Grundtext her Festigkeit und Stärke, aber sie werden dennoch fallen. Asdod sogar am hellen Mittag. Der Feind ist so überlegen, dass er den Schutz der Dunkelheit nicht zu nutzen braucht (vgl. Jer 15,8). Ekron heißt Entwurzlung: Die Stadt macht also ihrem Namen alle Ehre. Gott vernichtet die Philister und degradiert ihr Gebiet zu einem Weideplatz für Kleinvieh. Dort lagert und weidet, bildlich gesprochen, auch der Überrest der Juden, wenn Gott sich ihrer angenommen und ihre Gefangenschaft gewendet hat. Der in der Bibel häufig vorkommende Ausdruck „die Gefangenschaft wenden“ hat nicht zuerst etwas mit einer buchstäblichen Gefangenschaft zu tun, sondern bezeichnet eine Wende aus einer notvollen Lage zum Guten (s. z.B. Hiob 42,10).

Verse 8–11: Nach dem Blick zu den Philistern im Westen wendet sich der Prophet zwei Völkern im Osten zu: Moab und Ammon. Gott hatte gehört, wie sie hochmütig gelästert, geschmäht und großspurige Reden gegen Gottes Volk und sein Gebiet geführt hatten. Der Ursprung dieser beiden Völker lag in einer schändlichen Verbindung zwischen Lot und seinen Töchtern (1. Mo 19,36–39) und somit in einer Sünde, die auf den Einfluss des unmoralischen Sodoms zurückzuführen ist. Es ist daher nicht von ungefähr, dass Moab im Gericht wie Sodom und Ammon wie Gomorra werden sollte.

Vers 11 macht klar, dass die Moabiter und Ammoniter den Götzen dienten. Dem wollte der Herr ein Ende bereiten. Aber nicht nur das. Der Götzendienst wird global verschwinden, damit der wahre Gott aus jedem Winkel der Erde angebetet wird. Es ist deutlich, dass sich das bis heute nicht erfüllt hat, denn in verschiedensten Religionen werden immer noch zahlreiche Götter verehrt. Doch schon in wenigen Jahren kann das alles Vergangenheit sein, wenn der Tag des Herrn gekommen sein wird! Dann werden die Menschen den alleinigen Gott von ihrem Wohnort aus anbeten, aber auch zu der erwählten Stadt Jerusalem und dem Heiligtum hinaufziehen (Sach 14,16–19).

Verse 12–15: In Vers 12 geht es um Äthiopien, die südlichste Nation, die die Juden damals kannten. Das zeigt, wie weitreichend das Gericht Gottes ist. Die Ursache für das Schlagen Äthiopiens wird – wie bei den Philistern – nicht genannt.

Dem Erzfeind des Volkes Gott im Norden wird mehr Raum eingeräumt: Assyrien mit der Hauptstadt Ninive. Die Weltreichmetropole Ninive würde derart verwüstet werden, dass Pelikane und Eulen es sich auf den zertrümmerten Säulenknäufen gemütlich machen könnten. Die Stadt Ninive, die stolz frohlockte, die sich hinter der starken Befestigung sicher fühlte und Worte sprach, die nur Gott sagen darf (V. 15; vgl. Jes 45,18), soll zu einem Lagerplatz für wilde Tiere werden. Die Vorübergehenden würden ihre Verachtung zeigen.

Im Jahr 612 v.Chr. wurde Ninive durch die Babylonier und Meder eingenommen und zerstört. Ob es in der Endzeit eine Stadt geben wird, die den Namen Ninive trägt, muss offen bleiben. Jedenfalls wird es eine Stadt geben, die den Charakter Ninives haben wird – denn auch die Verse 13–15 haben nicht nur die besagte historische Dimension.

Kapitel 3

Verse 1–7: Jetzt wendet sich Zephanja Jerusalem zu (s. V. 5). Die Bewohner der Stadt sind widerspenstig gegen Gott, haben sich selbst befleckt und bedrücken andere. Gott hatte sich um sein Volk bemüht, indem Er zu ihnen durch Propheten redete und mit ihnen handelte. Doch ohne Erfolg. – Um uns näher zu sich zu bringen, redet Gott auch heute noch durch sein Wort zu uns und geht mit uns Wege der Zucht. Beides finden wir in Hebräer 12. Wir werden dort aufgefordert, das Reden Gottes nicht zurückzuweisen (Heb 12,25) sowie unter der Zucht nicht zu ermatten, noch sie gering zu achten, sondern uns durch sie formen zu lassen (Heb 12,5.11). Sehen wir uns vor, dass es nicht etwa von mir oder dir heißen muss: „Du hast ja die Zucht gehasst und hinter dich geworfen meine Worte“ (Ps 50,17).

Die Fürsten, die zum Wohl des Volkes agieren sollten, waren wie brüllende Löwen, die Menschen verzehrten (Hes 19,1–2; Ps 10,9). Die Richter, die anderen Recht verschaffen sollten, sprachen Unrecht, um Besitz an sich zu reißen (Mi 7,3). Und die Propheten? Statt schlicht und treu Gottes Wort zu predigen, verkündeten sie das, was ihr Ansehen und Einkommen erhöhte (Mi 3,5). Und ausgerechnet die Priester waren es, die das Heiligtum entweihten und das Gesetz Gottes verbogen (Hes 22,26; Mal 2,7.8). Aber Gott bleibt treu, Er kann sich selbst nicht verleugnen. Er stellte durch das Wort der wahren Propheten und das Werk Josias und anderer Treuer sein Recht ans Licht (V. 5). Aber die Ungerechten schämten sich trotzdem ihres Unrechts nicht, obwohl sie wissen mussten, dass böse Taten Konsequenzen haben. Denn Gott hatte verschiedene gottlose Nationen gerichtet und ihre Städte verwüstet. Das wollte Er seinem Volk ersparen. Doch sie waren eifrig darin, ihre Sünden auszuleben.

Vers 8: Nachdem die Unbußfertigkeit des Volkes dokumentiert wurde, konnte nur Gericht folgen. Das ist so selbstverständlich, dass es nun überhaupt nicht mehr erwähnt wird. Stattdessen finden wir in Vers 8 ein Wort an den Überrest (vgl. 2,3). Er sollte auf Gott harren, der an seinem Tag auch die (feindlichen) Nationen richten wird und damit den Weg ebnen würde, dass die Treuen des Volkes gesegnet werden (vgl. 2,7.9). Nach Offenbarung 16,12–16 werden sich die Könige der Erde unter dämonischen Einfluss versammeln, aber Zephanja 3,8 zeigt, dass dadurch nur der Ratschluss Gottes erfüllt wird, der die Ausgießung seines Zornes auf die versammelten Nationen beschlossen hat.

Verse 9–15: Ähnlich wie in Kap. 2,11 wird hier gezeigt, was dem Gericht folgen wird: Die Nationen werden nicht mehr schmähen, lästern und sich beweihräuchern (2,8.10.15), sondern zu dem alleinigen Gott beten. Diese gewaltige Umwandlung ihrer Lippen resultiert aus einer Veränderung ihrer Herzen (vgl. Mt 12,34), die nur Gott bewirken kann und bewirken wird. Aber auch ihre Hände sind nicht mehr dieselben. Jetzt dienen sie Gott. Dazu gehört, dass sie die Zerstreuten Israels in ihr Land zurückbringen, Gott zur Freude und Ehre.

In Vers 11 wird Jerusalem angesprochen. Die Ungerechten schämten sich der Sünden nicht, die in dieser Stadt getan wurden (3,5). Bei den Treuen war das sicher anders. Doch die Zeit ihres Schämens wird ein Ende finden, denn Gott wird die Stolzen von dem heiligen Berg Zion wegnehmen. Zurück bleibt durch Gottes Gnade ein Volk, das sich seiner eigenen Schwachheit bewusst ist und sein ganzes Vertrauen auf Gott setzt. Wie bei den Nationen werden sich auch bei den Israeliten Worte und Werke verändern (V. 13). Und ihre Umstände. Kein Feind wird sie mehr aufschrecken, wie das so oft in ihrer Geschichte der Fall war. Es wird kein Geschrei und Gejammer in den Gassen Jerusalems zu hören sein (1,10.16), sondern Freudenjauchzen. Denn drei Dinge sind verschwunden: die Gerichte Gottes, die Feinde und das Unglück (V. 15). In der Mitte Jerusalems, da wo der Überrest ist (V. 12), wohnt Gott, um den Segen zu sichern.

Verse 16–20: Viele Propheten wurden nach Jerusalem mit ernsten, warnenden Worten gesandt. Doch an jenem Tag wird Jerusalem andere, ermutigende Worte hören (V.16) – Worte, die zweifellos auch eine Ansprache an unsere Herzen haben, denn auch wir brauchen uns nicht zu fürchten oder zu resignieren, da wir den lebendigen Gott kennen. Gott aber wird nicht nur zu Jerusalem reden, sondern auch in seiner Liebe schweigen. Bewegender Gedanke! Gott freut sich über sein Volk an jenem Tag, nachdem Er, gleichsam mit blutendem Herzen, das notwendige Gericht an ihnen ausgeführt haben wird.

Durch die Macht des Feindes wurden (und werden) die Juden aus ihrem Land gestoßen. Im Exil lastete Schmach auf ihnen. Es geht Zephanja besonders um die Bewohner Jerusalems (s. V. 18), die den Festen des Herrn nachtrauerten. Gott wird sie sammeln und dafür sorgen, dass in den Ländern, wohin sie vertrieben wurden, mit Achtung von ihnen gesprochen werden wird. Die Worte Zephanjas gehen sehr weit und umfassen auch die zehn Stämme, die Gott in den letzten Tagen zurückführen wird, damit ganz Israel (vgl. V. 13–15) im Tausendjährigen Reich den versprochenen Segen in ihrem Land genießen kann. Gott hat geredet. Seine Worte werden zu seiner Zeit vor den Augen des irdischen Volkes Gottes erfüllt werden (vgl. Jes 52,8).

Schluss

Nachdem wir den Propheten Zephanja durchgearbeitet haben, können wir seine Botschaft wie folgt umreißen: Gott hatte sich ein Volk aus den götzendienerischen Nationen abgesondert, um ein Zeugnis für Ihn zu sein. Nachdem sie völlig versagt hatten, musste Er sie richten, aber auch die Nationen, die er bis dahin in Langmut getragen hatte. Das Gericht des Tages des Herrn wird dann künftig sowohl die Nationen als auch Israel positiv verändern. Der Götzendienst wird aufhören und das Volk Gottes reichen Segen empfangen, wobei Jerusalem eine besondere Rolle spielen wird.

Wachrütteln will uns die ernste Botschaft Zephanjas. Wachrütteln im Blick auf uns selbst: Es kommt nicht auf die Fassade, sondern auf das Herz an. Wachrütteln im Blick auf eine verlorene Welt: Der Richter steht vor der Tür. Ob Zephanja das gelingt, hängt allein von uns ab.


[1] Siehe z.B. Zephanja 1,13 und 5. Mose 28,30.39; 1,15 u. 28,53.55.57; 1, 17 u. 28, 29; 1, 18 u. 32, 22; 3, 5 u. 32, 4; 3, 17 u. 28, 63; 3, 19 u. 26, 19.

Gerrid Setzer