Allezeit guten Mutes (05)

Online seit dem 16.08.2015, Bibelstellen: 2. Korinther 5,9; Johannes 14,15

Die praktischen Ergebnisse

Es ist eine seltsame Verwegenheit des Unglaubens, eine Mutmaßung, die zu behaupten wagt, der Mensch sei umso heiliger, je mehr es ihm an Gottvertrauen mangelt und dass die Angst, am Ende nicht errettet zu werden, ein gesundes Gegengewicht gegen böse Lüste sei oder dass Heilsgewissheit zu losem Verhalten führe. Selbst wenn wir einmal der falschen Behauptung Raum gäben, dass ein reines Leben und Misstrauen gegenüber Gottes Wort zusammengehörten, hätten wir es mit einem reinen Leben zu tun, das durch Beweggründe angetrieben würde, die Gott nicht gefallen. Denn aus einem solchen Samen der sklavischen Gottesfurcht können unmöglich Früchte hervorkommen, die für seine Liebe annehmbar wären.

Von Gott bewirkte Zuversicht ist die Grundlage eines heiligen Wandels vor Gott; diese Zuversicht wird durch die Erkenntnis Gottes bewirkt, und die Erkenntnis Gottes führt das Herz zu ihm hin, der uns zuerst geliebt hat. Diese Zuversicht ist es, die dem Apostel die Worte entlockt: „Deshalb beeifern wir uns auch, ob einheimisch oder ausheimisch, ihm wohlgefällig zu sein“ (2. Kor 5,9). Wenn wir durch die Gnade einmal an die Zeit zwischen den Tagen, als wir noch den kommenden Zorn fürchteten, und der Stunde, als wir durch den Glauben Frieden mit Gott bekamen, zurückdenken, dann können wir wohl sagen, dass wir heute sorgfältiger als damals darauf achten, Gott zu gefallen. Wir dürfen sagen, dass die Entfernung unserer Ängste von uns und der Einzug des Glaubens in unsere Seelen durch die Gnade des Geistes Gottes zu einem Standard des christlichen Lebens und zu Beweggründen für ein Leben vor Gott und zu einem Verlangen nach Hingabe an ihn geführt haben, die wir früher nicht kannten; und es kann in der Tat nicht anders sein. Der Glaube wirkt durch die Liebe, und wenn der Glaube nicht wirkt, dann ist es kein echter, sondern ein toter Glaube, kein von Gott kommender Glaube, sondern ein intellektuell erworbener. Wir haben von Gott Leben empfangen, und der Heilige Geist, der in uns wohnt, treibt dieses Leben an – christuswärts, gottwärts.

Die überreichliche Gnade Jesu, der sich selbst für sie hingab und der sie für sich selbst erwarb, hatte das Herz des Apostels und die Herzen seiner Genossen so gewonnen, dass sie nur noch ein Ziel hatten: ihrem Herrn zu gefallen. Sie blickten voraus auf den Tag seines Tribunals und arbeiteten darauf hin, einmal seine Stimme zu hören: „Wohl, du guter und treuer Knecht.“ Sie dachten gar nicht daran, dass Christus sie ablehnen könnte; aber seine Liebe trieb ihr Leben dazu an, sich Mühe zu geben, ihm zu gefallen.

Manche erwarten den Tag seines Richterstuhls mit dem Gedanken, dann Lohn zu bekommen. Es ist wahr, dass noch nicht einmal der Becher kalten Wassers, in seinem Namen gegeben, dort vergessen wird, denn das Herz Christi vergisst nicht die geringste Tat, und sei sie noch so einfach und wenn sie von dem geringsten seiner Jünger aus Liebe zu seinem Namen getan wurde. Und selbst wenn es nicht zu dem Dienst gekommen ist, wertet er das aufrichtige Verlangen, ihm zu dienen und zu gefallen. Die Liebe belohnt, aber für Lohn oder für Liebe zu arbeiten sind zwei völlig verschiedene Dinge. Der Arbeiter im Weinberg, der für seinen Cent gearbeitet hatte, verdiente seinen Cent, erhielt aber nicht das Lächeln des Meisters. Es ist das glückliche Vorrecht des Christen, für Liebe zu arbeiten. Es wird die Freude des Meisters sein, jeden Dienst zu belohnen.

Es gibt für den Dienst keine strengen Regeln im Neuen Testament, aber es gibt viele Bitten und Aufrufe zu völliger Hingabe. Es ist ein Fehler, wenn man sich als Christ Lebensregeln unterwirft, die dem Wort des Meisters nicht bekannt sind und, so möchten wir hinzufügen, oft dem Geist des Wortes des Meisters entgegenstehen. Wir erlegen uns auch keine Regeln auf, um unseren besten Freuden zu gefallen; die Liebe treibt uns dazu an. Unser Herr sagt: „Wenn ihr mich liebt, so haltet meine Gebote“ (Joh 14,15). Der Geist der Liebe regiert den ganzen Wandel und das ganze Leben eines Menschen in einer Weise, wie es der gesetzliche Geist, der so viel Zeit und so viel Dienst in bloßer Pflichterfüllung fordert, niemals tun könnte.

In dem Geheimnis der Gnade gab der Gott der Liebe seinen Sohn, und sein Sohn gab sich selbst für uns. Wie glücklich ist der, dessen Herz angesichts dieser unaussprechlichen Gütigkeit für Gott schlägt, der mit Gott wandelt und aus Liebe zu seinem Herrn seine Gebote hält und der vor seinem Richterstuhl, wie Henoch, dieses Zeugnis ausgestellt bekommt, „dass er Gott wohlgefallen habe“.

H. Forbes Witherby