Eine prophetische Reise

Online seit dem 30.01.2018, Bibelstellen: 2. Könige 2

Die letzte Reise Elias von Gilgal über Bethel und Jericho bis über den Jordan, seine Himmelfahrt und die anschließende Rückkehr Elisas über Jericho und Bethel bis zum Berg Karmel (2. Kön 2) ist nicht nur eine Begebenheit, die uns persönlich in ihrer praktischen Anwendung viel zu sagen hat. Wir finden hier auch einen kompakten prophetischen Überblick über das erste und zweite Kommen des Herrn Jesus in Bezug auf Israel.

Trotz des deutlichen Redens Gottes in Gericht und Gnade (dargestellt durch die Dürre und den anschließenden Regen durch das Gebet Elias) ist das Volk nicht zu Gott umgekehrt. In diesem Zustand befand sich das Volk auch, als der Herr Jesus als Mensch auf die Erde kam.

Elias Reiseroute führt durch Orte, die einst Symbole der Beziehung Gottes zu seinem Volk waren. Durch die Untreue des Volkes sind sie zu Stätten des Götzendienstes und Abfalls von Gott geworden. Gilgal stand einst für die Trennung von der Befleckung Ägyptens und war Ausgangspunkt für Kampf und Sieg. Doch aus Kampf und Sieg war Niederlage und Weinen geworden („Bochim“; Ri 2) und aus Weihe für Gott Götzendienst (Amos 4,4; 5,5; Hos 4,15). Bethel war einst der Ort der bedingungslosen Verheißungen Gottes an Jakob und seine Nachkommen (1. Mo 28,13–15). Doch Jerobeam hatte dort ein goldenes Kalb errichtet, so dass Gott den Ortsnamen Bethel („Haus Gottes“) in Beth-Awen („Haus der Nichtigkeiten“ o. „Götzenhaus“) änderte. Und Jericho, einst Symbol des Sieges über ein mächtiges Bollwerk des Feindes, wurde zum Sinnbild der Rebellion, als ausgerechnet ein Mann aus Bethel (!) den Ort des Fluches entgegen der strikten Anordnung Gottes wiederaufbaute (vgl. Jos 6,26; 1. Kön 16,34). Gott wollte sein Volk segnen, doch das Volk hat eine Jammergeschichte daraus gemacht.

Die Reise Elias durch diese Orte redet davon, dass der Herr Jesus zu seinem Volk kommt, um ihnen den Segen vor Augen zu führen, der ihnen durch ihre Untreue entgangen war, aber auch, um für den Überrest späterer Tage diesen Segen zurückzugewinnen.

Gilgal erinnert uns an den Beginn seines öffentlichen Dienstes. Durch die Taufe des Johannes wird der Jordan zum neuen Gilgal für den bußfertigen Überrest der Juden. Der Herr Jesus macht sich eins mit diesen Juden. Doch obwohl er gleichsam „aus Ägypten“ kam (vgl. Mt 2,14.15), hatte er nicht nötig, „die Schande Ägyptens abzuwälzen“ (vgl. Jos 5,9), denn als der Heilige und Abgesonderte kannte er keine Befleckung des Fleisches.

Bethel zeigt uns den Herrn Jesus, der alle Verheißungen Gottes persönlich für sich in Anspruch nehmen konnte. Das „Haus Gottes“ war sein beständiger Wohnort. Doch er wollte diese Verheißungen nicht allein genießen. Er blieb gleichsam nicht in Bethel, sondern zog weiter nach Jericho und an den Jordan, um die Grundlage dafür zu legen, dass er die Verheißungen später gemeinsam mit seinem Volk genießen könnte. Jetzt litt er gemeinsam mit dem gläubigen Überrest darunter, dass man das Haus Gottes zu einer Räuberhöhle gemacht hatte.

Jericho zeigt, wie der Herr Jesus in das Haus des Starken eindringt und seinen Hausrat raubt (Mt 12,29). Jericho, der Ort des Fluches, zeigt aber auch, dass Christus zum Fluch wird, um das Volk von dem Fluch des Gesetzes freizumachen (Gal 3,13). Das Kreuz wird damit der Ort, wo sowohl die „uns entgegenstehende Handschrift in Satzungen“ ausgetilgt als auch der Triumph über den Feind gehalten wurde (Kol 2,14.15).

Die Durchquerung des Jordan spricht von dem Tod und der Auferstehung Christi, der Grundlage der Wiederherstellung Israels und jedes damit verbundenen Segens. Während Elia und Elisa trockenen Fußes durch den Fluss gingen, hat Christus den Tod in seiner ganzen Schrecklichkeit stellvertretend für sein Volk geschmeckt.

Und so wie Elia anschließend zum Himmel auffuhr, ist Christus hinaufgestiegen in den Himmel. Jedoch benötigte er dafür keine feurigen Wagen, sondern er fuhr in der in ihm wohnenden Kraft zum Himmel auf. Doch wenn er wiederkommt, dann wird es „in flammendem Feuer“ sein (2. Thes 1,7).

Elisa kehrt mit einem zweifachen Teil des Geistes Elias zurück. So wird bei dem Wiederkommen Christi auf diese Erde der Geist des Herrn auf ihm ruhen (Jes 11,2; 61,1). Das schlechte Wasser und das unfruchtbare Land Jerichos wird gesund gemacht werden. Christus wird die Auswirkungen des Fluches beenden und die Erde von den Folgen der Sünde reinigen, wie es so wunderbar in den genannten Stellen in Jesaja 11 und 61 beschrieben wird.

Die Rückkehr Elisas nach Bethel spricht davon, dass Christus nun endlich Israel in den verheißenen Segen einführen wird. Für die, die nicht an ihn glauben – dargestellt in den spottenden Knaben –, wird sein Kommen allerdings Gericht bedeuten.

Schließlich kommt Elisa zum Berg Karmel, dem „Baumgarten“ (vgl. die Anm. in 2. Chr 26,10), der von der Ruhe des 1000-jährigen Reiches spricht. Jesaja beschreibt sie mit den Worten: „… bis der Geist über uns ausgegossen wird aus der Höhe, und die Wüste zum Baumgarten („Karmel“) wird und der Baumgarten dem Wald gleichgeachtet wird. Und das Recht wird sich niederlassen in der Wüste, und die Gerechtigkeit im Baumgarten wohnen; und das Werk der Gerechtigkeit wird Frieden sein und der Ertrag der Gerechtigkeit Ruhe und Sicherheit in Ewigkeit. Und mein Volk wird wohnen an einer Wohnstätte des Friedens und in sicheren Wohnungen und an stillen Ruhestätten.“

Marco Leßmann