War der Rat Jethros gut?

Online seit dem 27.01.2020, Bibelstellen: 2. Mose 18

Zwei Dinge müssen sorgfältig unterschieden werden: das Versagen Moses und die Sache, die durch die Ernennung der Richter über das Volk symbolisiert wird. Um das Letztere zu nehmen, so ist es offensichtlich, dass diese Ernennung der Richter über das Volk sinnbildlich die Ordnung in der Regierung darstellt, die der Messias aufstellen wird, wenn er sein Reich empfängt. Wie der Psalmist sagt: „Er wird dein Volk richten in Gerechtigkeit, und deine Elenden nach Recht. Die Berge und die Hügel werden dem Volk Frieden tragen durch Gerechtigkeit“ (Ps 72,2.3). Daher schließt dieser Abschnitt mit diesem Bericht. Aber während dies göttlich beabsichtigt ist, darf das Versagen Moses, auf Jethro zu hören, nicht verschwiegen werden. Falls dies der Fall wäre, würden einige der wertvollsten Anweisungen dadurch verloren gehen.

Der erste Fehler, den er beging, war, Jethro in einer solchen Angelegenheit anzuhören. Der Herr hatte ihm sein Amt gegeben; und er hätte zu ihm in jeder Angelegenheit, die sein Volk betraf, Zuflucht nehmen sollen. Die Bitten, die Jethro vorbrachte, waren äußerst fadenscheinig und subtil. Sie beruhten auf seiner Sorge um das Wohlergehen seines Schwiegersohnes. „Du wirst ganz erschlaffen, sowohl du als auch dieses Volk, das bei dir ist; denn die Sache ist zu schwer für dich, du kannst sie nicht allein ausrichten.“ Wenn Mose nur tun würde, was er riet, dann, sagte er, würde es ihn erleichtern usw.; und: „So wirst du bestehen können, und auch dieses ganze Volk wird in Frieden an seinen Ort kommen.“ Es war also nicht die Sorge um Gott, sondern um Mose, die Jethro dazu veranlasste.

Aber die Argumente, die er vorbrachte, zielten vor allem darauf ab, den natürlichen Menschen zu beeinflussen. Es gibt unter den Dienern des Herrn keinen, der nicht auch manchmal das Gewicht seiner Verantwortung spürt, und wer würde sich nicht über die Aussicht freuen, dass diese Verantwortung vermindert wird? Es gibt in der Tat keine verführerischere Versuchung in einem solchen Augenblick als die des Bedürfnisses nach ein wenig Fürsorge für sich selbst und den eigenen Komfort. Aber so gefährlich sie auch ist – und im Fall von Mose auch war –: Wenn er sich an den Ursprung seines Amtes und seiner Stärke erinnert hätte, hätte er ihr nicht nachgegeben. Denn wenn seine Arbeit, das Volk zu richten, vom Herrn und für den Herrn war, dann würde seine Gnade seinem Knecht genügen.

Er lehrte Mose diese Lektion, wie wir es in 4. Mose finden, als Mose sich beim Herrn beklagte, und zwar genau mit den Worten, die Jethro ihm eingeflößt hatte: „Ich allein vermag dieses ganze Volk nicht zu tragen, denn es ist mir zu schwer“ (4. Mo 11,14). Der Herr hörte seine Klage und wies ihn an, siebzig Männer mit sich zu verbinden, die ihm bei seiner Arbeit halfen, und sagte: „ich werde von dem Geist nehmen, der auf dir ist, und auf sie legen, dass sie mit dir an der Last des Volkes tragen und du sie nicht allein tragen musst“ (4. Mo 11,17). Obwohl der Herr ihm also seinen Wunsch erfüllte, gab es keine zusätzliche Kraftzuweisung für die Regierung Israels, sondern Mose war nun aufgerufen, den Geist, den er zuvor allein besaß, mit den Siebzig zu teilen.

Nach Ansicht der Menschen war der Rat des Jethro weise und klug und zeugte von viel Scharfsinn in menschlichen Angelegenheiten; aber nach Ansicht Gottes war seine Befolgung durch Zweifel und Unglauben gekennzeichnet. In Wirklichkeit ignorierte er Gott und machte die Gesundheit Moses zu seinem Hauptziel, wobei er völlig aus den Augen verlor, dass nicht Mose, sondern der Herr durch Mose die Last des Volkes trug und es daher nicht um die Stärke Moses ging, sondern um seine Stärke in Gott. Wie leicht sind doch alle geneigt, diese wichtige Wahrheit aus den Augen zu verlieren: dass in jedem Dienst, wenn er für den Herrn getan wird, die Schwierigkeiten nicht daran gemessen werden sollten, was wir sind, sondern was er ist. Wir werden niemals auf eigene Kosten in den Kampf geschickt, sondern jeder wahre Diener wird von der Allgenügsamkeit Gottes unterstützt. Mose mag angesichts einer solchen Aufgabe mutlos sein und Paulus mag unter dem Druck des Dorns im Fleisch beinahe ohnmächtig werden, aber beiden wird das göttliche Wort gesagt (wenn das Ohr nur zum Hören bereit ist): „Meine Gnade genügt dir.“

Aus dieser Erzählung lassen sich einige wertvolle Hinweise ableiten:

Erstens ist es immer überaus gefährlich, in den Dingen Gottes auf den Rat eines Verwandten zu hören. Als unser geliebter Herr zusammen mit seinen Jüngern über die Maßen mit seinem Dienst beschäftigt war, „so dass sie nicht einmal Brot essen konnten“, gingen seine Freunde oder Verwandten „hinaus, um ihn zu greifen; denn sie sagten: Er ist außer sich“. Sie dachten nicht an die Ansprüche Gottes und konnten nichts von dem Eifer verstehen, der ihn in dem Dienst, den er zu erfüllen hatte, verzehrte. Verwandte schauen durch die Brille ihrer Ansprüche oder ihrer natürlichen Zuneigung, und daher kann das Auge, da es nicht einfältig ist, in der Gegenwart Gottes nicht gerecht urteilen. Zweifellos erforderte es viel Selbstaufopferung und den Verlust von Bequemlichkeit und Komfort für Zippora und auch für Mose in dem Werk, zu dem er berufen war. Dennoch war es keine geringe Ehre und ein großes Vorrecht, in dieser Weise beschäftigt zu sein; und hätte er das voll und ganz vor Augen gehabt, hätte er seine Ohren entschieden vor der verlockenden Stimme des Verführers in der Person Jethros verschlossen.

Zweitens stellen wir fest: Wenn ein Wort des Misstrauens oder der Beschwerde einmal in unserem Herzen Platz gefunden hat, wird es nicht so leicht wieder vertrieben. Wie wir in 4. Mose 11 gesehen haben, benutzt Mose in seiner Beschwerde genau die Worte, die von Jethro empfohlen wurden. Genau hierin ist Satan so erfolgreich. Es mag nur ein halber unausgereifter Gedanke, eine Andeutung in unseren Köpfen sein, sofort kommt er und fasst es in Worte und stellt es unseren Herzen vor. Zum Beispiel, wenn wir uns im Dienst müde fühlen und durch Müdigkeit mutlos werden, wie oft wird Satan vorbringen, dass wir zu viel tun, dass wir über unsere Kräfte hinausgehen; und wenn wir die Versuchung annehmen, kann uns der Gedanke jahrelang behindern, auch wenn er sich nicht in einem Murren vor Gott ausdrückt. Wir müssen daher sehr wachsam über unsere Herzen sein, da uns die Machenschaften des Feindes nicht unbekannt sind.

Schließlich liegt es auf der Hand, dass die Ordnung des Menschen keineswegs den Gedanken Gottes widerspiegelt. Für menschliche Augen war das von Jethro empfohlene Regierungssystem sehr gut strukturiert und schön und viel eher geeignet, die Rechtsprechung im Volk zu sichern. Der Mensch denkt immer, er könne die Ordnung Gottes verbessern. Das war das Geheimnis des Ruins der Kirche. Anstatt sich an die Schrift zu halten, die die göttlichen Gedanken offenbart, hat der Mensch seine eigenen Ideen, Pläne und Systeme eingebracht; daher die vielfältigen Spaltungen und Sekten, die die äußere Form des Christentums prägen. Die Sicherheit des Volkes des Herrn liegt in dem unerschütterlichen Festhalten am Wort Gottes und in der Ablehnung jedes Rates und jeder Empfehlung, die der Mensch unabhängig davon geben könnte.

Jethro hatte sein Werk getan, und mit der Erlaubnis Moses ging er in sein eigenes Land (2. Mo 18,27). Welch ein Gegensatz zu Mose und den Kindern Israel! Sie gingen Gottes Weg und in sein Land; und infolgedessen waren sie Pilger, die durch die Wüste zogen; aber Jethro ging seinen (nicht Gottes) Weg und in sein eigenes (nicht Gottes) Land. Statt also ein Pilger zu sein, hatte er ein festes Zuhause, wo er keinen Sabbat hielt, sondern seine eigene Ruhe fand.

Edward Dennett