Gott hatte es im Sinn es gut zu machen (1)

Online seit dem 28.10.2021, Bibelstellen: 1. Mose 50,19-21

Die meisten von uns kennen die Geschichte Josephs gut. Joseph, gehasst von seinen Brüdern, wurde von ihnen nach Ägypten verkauft. Die Brüder erzählten ihrem Vater, ein böses Tier habe ihn gefressen. Sie nahmen in Kauf, dass Joseph ein Sklavendasein würde fristen müssen; und die tiefe Trauer ihres Vaters, die sie doch sahen und erlebten, schien sie nicht zu rühren. Kalte Herzen, beherrscht von Eifersucht.

Joseph kam nach Ägypten, vermutlich 17 Jahre alt. Im Hause Potiphars erlebte er die Zuwendung Gottes, aber er blieb ein Sklave. Schließlich wurde er ungerecht angeschuldigt und kam ins Gefängnis. Was hat er wohl alles empfunden in dieser Zeit? Auch im Gefängnis wandte Gott ihm Güte zu, aber er blieb zunächst noch eine längere Zeit gefangen. Wir lesen nichts von einem Aufbegehren, von einem Hadern mit Gott, von Hass auf seine Brüder. Im Gegenteil, er kümmerte sich um seine Mitgefangenen.

Schließlich, Joseph war nun 30 Jahre alt, stand er vor dem Pharao. Nach langen Jahren der Entbehrung, des Wartens auf Gottes Eingreifen, wird er zum zweiten Mann im Reich Ägypten. Es folgten 7 Jahre des Überflusses, dann kam die Hungersnot. Nach 2 Jahren Hungersnot stehen die Brüder vor Joseph und er gibt sich ihnen schließlich zu erkennen. Joseph war also nun etwa 39 Jahre alt, 22 Jahre waren mindestens vergangen, seit er von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft wurde. Und wie reagiert er? Sicher anders, als wir es erwartet hätten und wir vielleicht gehandelt hätten. Wir lesen in 1. Mose 45,4–8: „Da sprach Joseph zu seinen Brüdern: „Tretet doch zu mir her! Und sie traten herzu. Und er sprach: Ich bin Joseph, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt. Und nun betrübt euch nicht, und es entbrenne nicht in euren Augen, dass ihr mich hierher verkauft habt; denn zur Erhaltung des Lebens hat Gott mich vor euch hergesandt. Denn schon zwei Jahre ist die Hungersnot im Land, und noch sind fünf Jahre, dass kein Pflügen noch Ernten sein wird. Und Gott hat mich vor euch hergesandt, um euch einen Überrest zu setzen auf der Erde und euch am Leben zu erhalten für eine große Errettung. Und nun, nicht ihr habt mich hierher gesandt, sondern Gott.“

Und nachdem der Vater gestorben war, sehen wir, dass trotz dieser Worte immer noch Unruhe in den Herzen der Brüder war. Ihr Gewissen war noch nicht wirklich zur Ruhe gekommen. Sie befürchteten, Joseph würde vielleicht doch noch Vergeltung üben. Hören wir, was Joseph sagt: „Da sprach Joseph zu ihnen: Fürchtet euch nicht; denn bin ich an Gottes Statt? Ihr zwar, ihr hattet Böses gegen mich im Sinn; Gott aber hatte im Sinn, es gut zu machen, damit er täte, wie es an diesem Tag ist, um ein großes Volk am Leben zu erhalten. Und nun, fürchtet euch nicht; ich werde euch und eure Kinder versorgen. Und er tröstete sie und redete zu ihrem Herzen“ (1. Mo 50,19–21).

Was für eine schöne Gesinnung sehen wir bei Joseph! Er hatte alles, was ihm begegnete, in die Hand Gottes gelegt. Er hatte gelernt, die Dinge seinem Gott zu überlassen und keinen Raum dem Zorn gegeben. Er rechnete seinen Brüdern das Böse nicht zu. Er hatte von Herzen vergeben. Liebe, Friede, Gütigkeit, Langmut werden sichtbar. Die Frucht des Geistes war in seinem Leben reichlich zu sehen. Joseph war auch demütig geblieben. Er bildete sich nichts auf seinen Erfolg ein. Auch das nahm er als Gnadenerweis Gottes dankbar an. Er war bereit, zu geben, sie zu versorgen. Er war in der Lage zu trösten, denn er war von Gott getröstet worden.

Joseph ist darin ein sehr schönes Vorbild für uns. Alles war an dem Auge seines Gottes vorübergegangen, auch alles Schwere und Unverständliche. Und Joseph war innerlich gewachsen und gereift in der Schule Gottes. Dadurch war er zum großen Segen für andere, Gott hat sich zu ihm bekannt und sehr gefreut, auf dieser Erde einen Menschen zu sehen, in dem er Charakterzüge seines Sohnes erblickte, der Jahrhunderte später kommen würde. Und Gott offenbart hier sein Handeln in Gnade. Wir lernen auch: Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade. Aus unserer beschränkten Perspektive sehen wir das oft nicht, wohl aber im Rückblick. Denen, die Gott lieben, wirken alle Dinge zum Guten mit. Am Ende macht Gott alles gut.

Joseph ein Vorbild für uns! Aber auch eine Vorausschau auf den einen, der kommen würde.

Dirk Mütze