In dem langen Geschlechtsregister im ersten Buch Chronika reiht sich ein Name an den anderen. Von Jabez allerdings erfahren wir auch, warum er so hieß (1. Chr 4,9.10): Die Mutter von Jabez erlebte bei seiner Geburt besonders starke Schmerzen, sodass sie ihrem Sohn den Namen Jabez (= Schmerz) gab. Immer dann, wenn sein Name fiel, war es eine Erinnerung an Schmerz. Würde auch ihn einmal großer Schmerz treffen? Das wollte Jabez nicht und deshalb ging er ins Gebet. Gott erhörte ihn und segnete ihn reich, sodass er geehrter als seine Brüder wurde. Wie sein Vater und seine Brüder hießen, wissen wir nicht, seine Geschichte erscheint ohne erkennbaren genealogischen Zusammenhang – wodurch sein Gebet nur umso mehr in den Vordergrund rückt. Sehen wir uns das Gebet von Jabez genauer an und lernen wir daraus für unser Leben!

Das Gebet von Jabez

„Und Jabez“

Jabez betete nicht erst, als er in Schwierigkeiten steckte oder ihn Schmerz getroffen hatte. Er betete auch nicht, weil er dazu aufgefordert wurde. Er betete, weil er den Segen von Gott haben wollte. – Kommen unsere Gebete aus dem Herzen? Wie oft beten wir? Haben wir vielleicht deshalb nichts, weil wir nichts erbitten (Jak 4,2)?

„rief“

Jabez betete offenbar intensiv: Er sprach nicht nur zu Gott, sondern er rief. – Wir denken an das Wort des Jakobus: „Das inbrünstige Gebet eines Gerechten vermag viel“ (Jak 5,16).

„zu dem Gott Israels und sprach“

Jabez kannte die Beziehung Gottes zu seinem Volk Israel und lebte bewusst darin. – Wir kennen den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus und beten (hoffentlich) entsprechend der Beziehung, in die wir gebracht worden sind (vgl. Eph 1,17; 3,14).

„Wenn du mich“

Da Jabez sein Gebet mit einem „Wenn“ begann, klingt es nach einem Gelübde. Doch er endete nicht mit „dann“ oder einem „So werde ich“, wie es Jakob getan hatte: „Wenn Gott mit mir ist …, so soll der Herr mein Gott sein … und von allem, was du mir geben wirst, werde ich dir gewiss den Zehnten geben“ (1. Mo 28,20–22).[1]

Jabez war klar, dass er sein Gebet nicht durch ein Gelübde wirkungsvoller machen konnte. – Für uns Christen wäre es noch viel unpassender, derartige Gelübde abzulegen, da wir einerseits wissen, wie verdorben und unfähig das Fleisch ist, und uns andererseits in Christus offenbart wurde, wie groß die Güte Gottes ist.

reichlich segnest“

Jabez wollte von Gott reichen Segen haben. „Segen“ ist ein sehr umfassender Begriff, der alle Bereiche des Lebens berühren kann. Als Israelit dachte Jabez sicher daran, dass Gott ihm gute Ernten, einen gesunden Viehbestand und dergleichen mehr schenken würde. – Als Christen sind wir gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern (Eph 1,3). Wir haben das Maximum des immateriellen Segens, den man auf der Erde besitzen kann. Doch die Frage ist, ob wir das genießen und mit dem darüber Gemeinschaft haben, der uns den Segen geschenkt hat. Gerade das sollte unser Ziel und unsere Bitte sein.

„und meine Grenze erweiterst“

Jabez wollte, dass sein Grundstück vergrößert wird (vgl.  5. Mo 12,20; 19,8). – Und wir möchten mehr von den Dingen verstehen, die uns von Gott geschenkt worden sind; die „Grenze unserer Erkenntnis“ sollte nach allen Seiten hin ausgedehnt werden (vgl. Eph 3,18.19).

„und deine Hand mit mir ist“

Jabez wusste, dass ein ertragreiches und großes Grundstück für einen Israeliten nicht genügte, er benötigte den Beistand von oben, um alles gut zu verwalten und zu nutzen. – Wir Christen geben uns nicht damit zufrieden, himmlische Segnungen zu genießen und mehr davon zu verstehen, sondern wir wollen unsere Stellung auch ausleben (Eph 4,1). Dazu müssen wir durch den Geist Gottes gestärkt werden an dem inneren Menschen (Eph 3,16).

„und du das Böse fernhältst, dass kein Schmerz mich trifft!“

Jabez wollte von dem Bösen bewahrt bleiben. Wenn das Böse keinen Zutritt zu seinem Leben und Herzen bekäme, würde ihn auch kein Schmerz treffen. Obgleich seine Mutter den Schmerz zur Headline seines Lebens gemacht hatte, vertraute er darauf, dass Gott ihn vor dem Bösen behüten konnte (vgl. Ps 121,5). – Wir beten besonders um Schutz vor allem, was uns geistlich schadet, wie die feurigen Pfeile des Bösen, die bösen Werke der Menschen oder den eigenen Sünden und deren Konsequenzen (Eph 6,16; 2. Tim 4,18; 1. Tim 6,10).

„Und Gott ließ kommen, was er erbeten hatte.“

Gott antwortete auf das Gebet des Jabez und erfüllte seine vierfache Bitte, die er wahrscheinlich nicht nur einmal vor Gott ausgebreitet hat. – Es ist eine großartige Erfahrung, wenn Gott das zu unserem Segen schenkt, was wir von Ihm erbeten haben (1. Joh 5,15).

Jabez betete kühn und konkret sowie mit Verständnis und Vertrauen. Er erlebte, wie Gott sein Gebet erhörte und ihn reich segnete. Mögen wir intensiv beten und diese Erfahrung vermehrt machen!

Aus: „Im Glauben leben“


Fußnoten:

  1. In seinem Gebet erinnert Jabez nicht an Jakob in seiner List, sondern daran, wie dieser im Glauben um den Segen Gottes weinend flehte und den Namen seines Sohnes Benoni („Sohn meiner Not“) in Benjamin („Sohn meines Glücks“) umbenannte (1. Mo 32,27; Hos 12,5; 1. Mo 35,18). Der Patriarch bewies damit, wie sehr er den göttlichen Segen schätzte und dass er den Segen und nicht den Schmerz vor Augen hatte. Er machte hierin seinem Namen „Israel“ alle Ehre. – Dementsprechend passt es gut, dass Jabez zu dem Gott Israels und nicht zum Gott Jakobs betete.