Die Erscheinung (2)

Online seit dem 11.11.2007, Bibelstellen: 2. Thessalonicher 1,6-9

Wir mögen uns fragen, warum in der Schrift so oft von der zweiten Erscheinung des Herrn Jesus Christus gesprochen wird und so selten von der Entrückung. 2. Thessalonicher 1 gibt uns drei bestimmte Gründe für die Wichtigkeit der Erscheinung. Erstens wird es der Tag der Vergeltung für diese Welt sein. Zweitens wird es der Tag der Ruhe und Belohnung für das Volk Gottes sein. Drittens und vor allem wird es der Tag des Triumphs Christi sein, die herrliche Antwort auf seinen demütigen Weg der Erniedrigung.

1. Die Erscheinung ist der Tag der Vergeltung für die Welt

Über viele Jahrhunderte hinweg hat Gott sich in Gnade ein stilles, obwohl nicht gleichgültiges Zeugnis erhalten gegen den Fortschritt des Bösen in der Welt, die den Christus Gottes verworfen hat und immer noch verwirft. Wenn Gott jedoch am Ende eingreift, wird es in flammendem Feuer und in Vergeltung gegen die Gottlosen sein. Menschen fragen, warum Gott nicht öffentlich in die Angelegenheiten der Menschen eingreift. Warum wird dem Krieg, der Gottlosigkeit und dem Verderben gestattet fortzuschreiten? Die Antwort ist offensichtlich: Weil Gott barmherzig ist, greift er nicht direkt in die Angelegenheiten der Menschen ein, denn wenn er es täte, müsste er mit allem Bösen im Gericht handeln. Noch hält Gott das Gericht zurück, während er in Gnade einer Welt von Sündern die Vergebung der Sünden anbietet. Doch der Tag der Gnade eilt dem Ende entgegen, und dann folgt das direkte Eingreifen Gottes. 2. Thessalonicher 1,6–9 sagt uns, dass in Bezug auf diese Welt drei Dinge geschehen werden, wenn Gott eingreift.

Erstens sind da solche, die Gottes Volk bedrängt haben. Drangsal wird ihnen vergolten (Vers 6). Zweitens sind da solche, die „es nicht für gut fanden, Gott in Erkenntnis zu haben“ und jedes Zeugnis der Schöpfung ablehnen (Römer 1,28). Vergeltung wird sie ereilen (Vers 8). Drittens sind da solche, die ihrer Unwissenheit über Gott die Ablehnung der Offenbarung seiner Gnade im Evangelium hinzugefügt haben. Sie werden Strafe leiden, „ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke“ (Vers 9).

Doch wann wird das stattfinden? Die gleiche Schriftstelle zeigt uns deutlich, dass es bei der Erscheinung Christi sein wird, „bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel, mit den Engeln seiner Macht.“

2. Die Erscheinung wird der Tag der Ruhe und Belohnung für das Volk Gottes sein.

Lasst uns bedenken, dass seit dem Kreuz und auch vor dem Kreuz, die Geschichte des Volkes Gottes eine jahrhundertelange Geschichte des Leidens, der Schmach und der fortwährenden Verfolgung seitens der feindlichen Welt in der einen oder anderen Weise gewesen ist. Von dem Tod Abels in den Tagen vor der Flut bis zu Verfolgungen in unserer Zeit gab es nichts als Widerstand und Bedrängnis für das Volk Gottes von einer Gott hassenden Welt.

Vielleicht ist die furchtbare Zahl der Christen, die im heidnischen Rom zu Tode gebracht wurden, nur schwer zu schätzen; doch es ist errechnet worden, dass im päpstlichen Rom und durch andere religiöse Verfolgungen mehr als 50 Millionen Christen zu Tode gebracht wurden. Wisst ihr, was das bedeutet? Millionen und Abermillionen Männer, Frauen und Kinder wurden der Gewalt, dem Verbrechen, dem Märtyrertod und der Hinrichtung ausgesetzt, in der abscheulichsten Form, die teuflischer Hass und menschlicher Einfallsreichtum sich nur irgend ausdenken konnte. Zur Belustigung von Urlaubern im kultivierten Rom wurden Christen zu Tausenden den Löwen vorgeworfen. Mit dem Fell wilder Tiere verkleidet wurden sie durch Hunde in Angst und Schrecken versetzt. Mit pechgetränkten Hemden wurden sie auf Pfähle gespießt und angezündet, um Neros Gartenfeste zu beleuchten. Später wurden sie jeder Art der qualvollen Folter in den Verliesen der Inquisition unterzogen. Sie wurden auf abscheuliche Weise verstümmelt; sie kamen auf die Streckbank, sie wurden lebendig begraben, sie wurden einer nach dem anderen auf dem Scheiterhaufen verbrannt und zu Zehntausenden hingerichtet.

Und wenn wir dann in Gedanken die Geschichte der Verfolgungen an uns vorüberziehen lassen, müssen wir uns an etwas erinnern, das uns auf den ersten Blick so rätselhaft erscheint – es gab kein Engreifen Gottes. Die Folterungen, die Marter, die Hinrichtungen gingen unaufhörlich weiter und Gott griff nicht ein. Die Welt, das Fleisch und der Teufel können scheinbar tun und lassen, was sie wollen, und Gott scheint keine Kenntnis davon zu nehmen. Die Schmerzensschreie des gequälten Volkes Gottes stiegen zum Himmel auf, doch die Himmel waren still. Ihre Hände waren im Gebet erhoben, aber es kam keine Befreiung.

War Gott also ein gleichgültiger Zuschauer, was die Verfolgung seines Volkes anging? Beachtet Gott ihre Leiden und Versuchungen nicht? Ist er für ihre Gebete taub und für ihre Tränen blind? Tausend Mal nein. Der Gott, der über unsere Namen Buch führt und unsere Tränen in seinen Schlauch sammelt und der die Haare unseres Hauptes gezählt hat, kann nicht unberührt bleiben von den Leiden seines Volkes. Jede Träne, die sie vergossen haben, jedes Leid, durch das sie gehen mussten, jede Versuchung, die sie um Christi willen erduldet haben, wird eine herrliche Antwort finden. Die Leiden und Versuchungen sind nicht vergessen, sind nicht vergeblich, sind nicht verloren, denn Gott sagt, dass sie „erfunden“ werden „zu Lob und Herrlichkeit und Ehre.“ Und wann? „In der Offenbarung Jesu Christi“ (1. Petrus 1,7). Millionen Gläubige sind inmitten von Misshandlung, Schande und Schmach aus dieser Welt gegangen. Sie werden wiederkommen mit Lob und Herrlichkeit und Ehre bei der Erscheinung Jesu Christi, wenn er kommen wird, um verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert in allen denen, die geglaubt haben (2. Thessalonicher 1,10). Deshalb sagt der Apostel, dass denen, die bedrängt werden, vergolten wird, und zwar „Ruhe mit uns bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel, mit den Engeln seiner Macht“ (Vers 7).

3. Die Erscheinung wird der Tag des Triumphs Christi sein.

Das unvergleichlich größte Ereignis, das die Zukunft für diese Welt bereithält, ist die Erscheinung des Herrn Jesus. In seiner gewaltigen Bedeutung wird es nur von dem ersten Erscheinen Christi übertroffen, als er das Sühnungswerk vollbracht hat. Wir wollen glücklich zugeben, dass das Kreuz in seiner einzigartigen Erhabenheit dasteht, ohnegleichen in der Zeit und einmalig in Ewigkeit. Die Siege der Menschen, die in der Geschichte dieser Welt eine so große Rolle spielen, werden schon bald in sich zusammenfallen und vollkommen in Vergessenheit geraten; aber der machtvolle Sieg auf dem Kreuz wird das eine herausragende Ereignis in der Geschichte der Welt bleiben. Die Herrlichkeit der großen menschlichen Siege vergeht schon in der Zeit und wird in der Ewigkeit vergessen sein; doch dem Kreuz wird die Zeit immer mehr Glanz verleihen, und die Ewigkeit wird nicht aufhören, die Herrlichkeiten des Kreuzes zu entfalten. Doch lasst uns bei aller Erinnerung an die einzigartige Herrlichkeit des Kreuzes nicht die kommende Herrlichkeit des Reiches vergessen, die eingeleitet werden wird durch die zweite Erscheinung des Herrn Jesus. Es wird die siegreiche Antwort auf sein erstes Erscheinen in Niedrigkeit sein. Es wird Gottes Antwort auf all die Schmach und Schande und Demütigung sein, mit denen die Welt den Sohn Gottes am Kreuz überschüttet hat. Inmitten dieser Kränkungen konnte der Herr über die Schmach und die Leiden und die Not hinaus auf den Tag seiner kommenden Herrlichkeit blicken und jene feierlichen und triumphierenden Worte aussprechen: „Von nun an werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels“ (Matthäus 26,64). Er wurde in Schwachheit gekreuzigt, er wird in Kraft wiederkommen. Am Kreuz krönten ihn die Menschen mit einer Dornenkrone; bei seiner Erscheinung wird er mit vielen Diademen gekrönt sein. Am Kreuz trug er das Gericht in Gerechtigkeit, um Frieden zu machen; bei seiner zweiten Erscheinung lesen wir, dass er in Gerechtigkeit richtet und Krieg führt (Offenbarung 19,11). Der Christus Gottes wurde von Menschen zuletzt gesehen, als er an das Kreuz genagelt war, zwischen Himmel und Erde. Das nächste Mal wird die Welt ihn sehen, wenn er mit den Wolken kommt; und „jedes Auge wird ihn sehen, auch die ihn durchstochen haben, und wehklagen werden seinetwegen alle Stämme des Landes“ (Offenbarung 1,7).

Dann wird die „Herrlichkeit seiner Stärke“ sichtbar werden, „wenn er kommen wird, um an jenem Tag verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert in allen denen, die geglaubt haben“ (2. Thessalonicher 1,10).

So lernen wir aus diesem wunderbaren Abschnitt, dass die Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel mit den Engeln seiner Macht vor dem ganzen Universum bezeugen wird: dass Gott erstens nicht gleichgültig gewesen ist gegenüber all dem Bösen und dem Verderben und der Gewalt, das die Zeitepochen hindurch aufgehäuft worden ist, und zweitens, dass er die Leiden seines Sohnes nicht unbeachtet gelassen hat. Drittens und vor allem wird sie bezeugen, dass Gott die Schande und die Kränkungen, mit denen die Menschen den Herrn Jesus Christus überschüttet haben, nicht übersehen hat.

[Übersetzt von Marco Leßmann]

Hamilton Smith