Die zehn Plagen

Online seit dem 07.07.2015, Bibelstellen: 2. Mose 7,1 - 11, 10

Die zehn Plagen, die über Ägypten kamen, bieten viel Stoff zum Nachdenken. Dabei fällt auch auf, dass sich die Plagen besonders gegen die Götter Ägyptens richteten. Das, was sie verehrten, wurde ihnen zur Plage.

1.)      Wasser wird zu Blut (2. Mose 4,9)

Der Nil ist die Lebensader Ägyptens. Als er zur Blut wurde, wurde die Grundlage ihres Lebens angetastet. Einige Zeit vorher wurden viele neugeborene Jungen der Israeliten in diesen Nil geworfen und sie starben dort. Bezeichnenderweise wurde jetzt der Nil zu Blut, zum Zeichen des Todes.

Diese Plage war aber auch ein Schlag gegen das religiöse Leben der Ägypter. Gemäß dem Glauben der Ägypter war der Nil eine Gabe des Sonnengottes. Im Lauf der Zeit wurde der Fluss selbst und die Fische darin angebetet. Und es gab einen Nil-Gott mit Namen Hapi, der über den Nil wachte.

 2.)      Frösche (2. Mose 8,1–6)

Bei der ersten Plage stank das Wasser (2. Mose 7,21), jetzt, als die Frösche alles bedecken, stank das ganze Land (2. Mose 8,14). Die Ägypter waren Menschen, die viel Wert auf Reinheit legten. Und jetzt das! Frösche sind nicht schön anzuschauen, sie fühlen sich ekelig an und ihr Gequake beleidigt das Ohr.

Die Frösche wurden von Ägyptern sehr hoch geachtet und sie werden sie wohl kaum getötet haben. So fand man sorgfältig präparierte Frösche in den Gräbern zu Theben. Der Frosch war das sichtbare Zeichen des Gottes Ptah, eine der größten ägyptischen Götter, der für die Fruchtbarkeit stand.

3.)     Stechmücken (2. Mose 8,16–19)

Es geht bei dieser Plage nicht um eine wunderbare Vermehrung einer vorhandenen Population, wie das bei den Fröschen der Fall war, sondern es wurden Stechmücken aus Staub erschaffen. Die Wahrsagepriester müssen anerkennen, dass das Gottes Finger ist.

Die Erde wurde von den Ägyptern, wie das Wasser, in einer Gottheit personifiziert. Diese Gottheit hieß Seb. Seb war ein Vater der Götter, auf seinem Kopf war ein Vogel zu sehen – Zeichen des Lebens.

4.)      Hundsfliegen (o. Ungeziefer). (2. Mose 8,20–31)

Die Stechmücken fielen über Vieh und Menschen her, aber jetzt lesen wir, dass die Hundsfliegen auch in die Häuser eindrangen. Sogar in das Haus des Pharaos. Deshalb sehen wir, dass der Pharao direkt aktiv wird und Moses ruft (2. Mose 8,25).

Manche denken auch an Käfer, die in der Religion der Ägypter eine besondere Rolle spielten. Man fand Abbildungen davon auf Tempelsäulen und bei Gräbern und anderen wichtigen Stätten. Insekten wurden von den Ägyptern selten getötet.

5.)      Pest über das Vieh. (2. Mose 9,1–7)

Pest hat es oft gegeben und immer wieder verheerende Wirkung gezeigt. Aber diese Plage hier war dennoch etwas Außergewöhnliches, ein Gerichtsschlag Gottes. Denn sie wurde angekündigt (2. Mose 9,5); die Tiere der Israeliten wurden verschont (2. Mose 9,6); die Pest breitete sich grundsätzlich über alle Tiere der Ägypter aus.

Das Vieh achteten die Ägypter als heilig, ja sie betrachteten sie sogar als Inkarnationen von Gottheiten. Die Gottheit Hathor sah einer Kuh ähnlich. Kein Wunder, dass es ihnen ein Gräuel gewesen wäre, wenn die Israeliten im Land geopfert hätten (wie Mose später sagte).

6.)      Blattergeschwüren an Menschen und Tieren (2. Mose 9,8–11)

Einige Wochen waren seit der ersten Plage vergangen. Nun wurden die Menschen direkt angetastet. Die Wahrsagepriester konnten nicht einmal mehr vor Mose stehen (2. Mose 9,11). Ihr Unverstand wurden allen offenbar (vgl. 2. Timotheus 3,8). Sie konnten in diesem Zustand nicht mal mehr ihre Götter anbeten.

Die Zauberer Ägyptens warfen bei ihren Handlungen auch gerne Ruß in die Luft (manche denken sogar an die Asche von Menschenopfern). Aber niemals konnten sie eine derartige Wirkung erzeugen! Der Gott der Medizin, Imhotep, war geschlagen.    

7.)      Schwerer Hagel (2. Mose 9,13–25)

Unwetter mit Hagel gibt es selten in Ägypten. Wenn es nun in dieser Macht über die Ägypter kommt, ist das ein eindeutiges Zeichen. Dieses Mal spricht der Pharao zum ersten Mal von dem HERRM (dem Ewigen, Jahwe) (2. Mose 9,27).

Donner, Blitze und Hagel spielen in den abergläubischen Vorstellungen der Menschen zweifelsohne eine große Rolle. So auch hier. Der Gott der Luft (Nut) kann den Ägyptern nicht helfen, der Pharao sieht sich genötigt, von dem „Donner Gottes“ zu sprechen.

8.)      Heuschrecken (2. Mose 10,1–30)

Eine außergewöhnliche Heuschreckenplage bricht über Ägypten hinein. Der Pharao muss Gott anerkennen (2. Mose 10,16) und wird dazu gebracht, ein recht umfassendes (wenn auch letztlich ungenügendes) Sündenbekenntnis abzulegen.

Auch für den Wind hatten die Ägypter eine Gottheit. Jetzt aber treibt der Wind unzählige Heuschrecken heran, die auch die geweihten Bäume abfressen. Es gab auch einen Gott namens Seraja, der als Beschützer vor Heuschreckenplage galt. Aber er wurde zunichte durch den Gott der Götter.                              

9.)      Dreitägige Finsternis (2. Mose 10,21–29)

Es kam eine übernatürliche Finsternis über Ägypten. An einen Sandsturm kann nicht gedacht werden, es war etwas, was Gott unter direkter Kontrolle hielt – ein übernatürliche Dunkelheit, die die Menschen völlig lähmte.

Die Sonne wurde in Ägypten auf Höchste verehrt. Einer ihrer wichtigsten Städten war On („Das Haus der Sonne“). Die Stadt war der Sitz der Sonnenanbetung. Doch jetzt verschwand das Licht der Sonne völlig.

10.)   Die Tötung der Erstgeburt (2. Mose 11; 12,29–33)

Die Tötung der Erstgeburt war angekündigt worden, es war aber nicht gesagt worden, wann das Gericht vollzogen wird. Doch in einer Nacht war es dann so weit – und ein gewaltiges Geschrei erfüllte das Land.

Der Erstgeborene repräsentiert das ganze Geschlecht. So fällt letztlich ganz Ägypten unter das Gericht. Ja, noch mehr: „Und ich werde in dieser Nacht durch das Land Ägypten gehen und alle Erstgeburt im Land Ägypten schlagen vom Menschen bis zum Vieh, und ich werde Gericht üben an allen Göttern Ägyptens“ (2. Mose 12,12).

Gerrid Setzer