Die zwei Alleinstellungsmerkmale des Christentums (6)

Online seit dem 27.05.2010, Bibelstellen: Hebräer 11,1

Die Notwendigkeit des Glaubens

Die Betrachtung der Geschichte des Stephanus und der ersten Versammlungen führt uns zu einer weiteren großen Tatsache: das Christentum stellt uns auf einen Weg, der zu jeder Zeit die Ausübung von Glauben nötig macht. Hier befindet sich das Christentum in direktem Gegensatz zum Judentum. Das jüdische System war bewusst als nationale und irdische Ordnung eingeführt worden. Alles in diesem System – der Tempel mit den kostbaren Steinen, die Priester mit ihren schönen Gewändern, die Sänger mit ihren Instrumenten, die Altäre mit ihren Opfern – alles sprach die Sinne und Gefühle an. Seine Gesetze und Vorschriften regelten jedes Detail des natürlichen Lebens, aber es schwieg über den Himmel, das zukünftige Leben und unsichtbare Dinge. Dass es auch in diesem System große Glaubensmänner gab, steht außer Frage, aber das System selbst forderte eher Gehorsam von dem natürlichen Menschen als Glauben von einem wiedergeborenen. Im Christentum werden wir, obwohl es zwangsläufig auch unser Leben hier beeinflusst, sofort in Verbindung mit dem Himmel und dem Unsichtbaren gebracht und vor allem mit göttlichen Personen, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Hier ist sofort Glaube nötig, denn nur durch Glauben können wir den Vater erkennen, Jesus mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt sehen, oder die Gegenwart des Heiligen Geistes auf der Erde würdigen und erfahren.

Wenn wir jedoch in die Christenheit heute hineinschauen, wird uns sofort die ernste Tatsache bewusst, dass sie zu jüdischen Ordnungen zurückgekehrt ist. Sie ist gekennzeichnet von allem, was das Gefühl und die Sinne anspricht und von sehr wenigem, was die Ausübung von Glauben erfordert. Dadurch sind die großen Unterscheidungsmerkmale des Christentums vollständig verloren gegangen. Christus in der Herrlichkeit als das auferstandene und erhöhte Haupt der Versammlung ist durch menschlich ernannte Häupter verdrängt worden, und die Gegenwart des Heiligen Geistes auf der Erde wird fast vollständig ignoriert.

Wenn jedoch Christus in der Herrlichkeit und der Heilige Geist auf der Erde ignoriert werden, muss das zwangsläufig zu dem Verlust jeden Verständnisses des großen Geheimnisses – Christus und die Versammlung – und der himmlischen Berufung und dem Ratschluss Gottes führen, mit dem Ergebnis, dass selbst wahre Christen nicht über die Verkündigung des Evangeliums zur Begegnung der Not des Menschen hinauskommen, während die große Masse der bloßen Bekenner den Weg für den großen Abfall bereiten.

Hamilton Smith