Zank und Streit (3)

Online seit dem 13.11.2009, Bibelstellen: Johannes 17,21

Ich kannte einen Mann, der immer dann, wenn ein schlechter Gedanke des Neids gegen andere in ihm aufkam (und wer wollte sich davon freisprechen, dass solches Ungeziefer manchmal eindringt), zum Thron der Gnade ging und aufrichtig darum bat, dass sie genau in diesen guten Dingen, die er ihnen zuvor missgönnt hatte, zunähmen.

Wenn die Liebe erst einmal den Staub sich wieder legen ließ, den Leidenschaft und Vorurteile in unsere Augen gewirbelt haben, werden wir besser in der Lage sein, die Wahrheit zu erkennen. Bemitleide deinen schwachen Bruder, und nimm ihn bei der Hand, aber verachte ihn nicht; Gott kann ihn standhaft machen und zulassen, dass du fällst. Christus hat den glimmenden Docht nicht ausgelöscht – warum sollten wir das tun?

Das Schwert der Verfolgung ist zurzeit nicht an der Kehle der Versammlung, aber zerstreiten sich die Christen nicht untereinander? Es wird oft gefragt, warum das gepredigte Wort nicht mehr Ungläubige zur Bekehrung bringt oder Gläubige erbaut. Ein Hauptgrund liegt in den Spaltungen unter denen, die das größte Bekenntnis der Wahrheit haben. Der Leib Christi wird in Liebe auferbaut (Eph 4,16). Selbst die Apostel profitierten wenig von der Rede des Herrn oder von dem Mahl, das er austeilte, weil sie sich untereinander stritten. Man hätte meinen können, in der Kraft eines solchen Mahls hätten sie (wie Elia) eine weite Reise machen können. Doch wir sehen leider, wie schwach sie davon aufstanden; der eine verleugnet seinen Herrn, die anderen verließen ihn aus Furcht. Christus betet für die Einheit seines Volkes: „Damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17,21). Das sollte alle, die dem Evangelium wohl gesonnen sind, anspornen, für die Einigung gespaltener Herzen zu beten; heiße Diskussionen führen zu nichts; aber wenn das Gebet nicht hilft, was sonst? Nur der Gott des Friedens kann uns in Frieden sein lassen; auch eine weise Einigung muss mit der Weisheit von oben geschehen, denn diese allein ist rein und friedsam. 

[Aus „Extracts from the Writings of William Gurnall, selected from Hamilton Smith“. Übersetzung von: Marco Leßmann]

William Gurnall