Christus – wahrer Gott und wahrer Mensch (2)

Online seit dem 11.10.2010, Bibelstellen: Micha 5,1; Johannes 1,1

Kommen wir jetzt zu Micha 5,1. So wie an die Prophezeiung über den Sohn der Jungfrau in Mt 1 erinnert wird, so wird auch dieser Text in Mt 2 zitiert; und beide beziehen sich auf Christus. Bethlehem war an sich von geringer Bedeutung, eine unbedeutende Stadt inmitten der Tausende von Juda; und doch war es dazu bestimmt, unsterbliche Bedeutung zu erlangen. Und wofür? „... aus dir wird mir hervorkommen, der Herrscher über Israel sein soll; und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her.“

Hier ist zu beachten, dass das Kind, der Sohn, der geboren wird, nicht uns, d.h. Israel gegeben wird, sondern dass dieser Kommende „mir“, d.h. Jahwe, gegeben wird, um Sein Herrscher inmitten Israels zu sein. Als „Israels Richter“ würde Er verworfen werden, wie Vers 1 andeutet, denn Er würde „das heilige Kind (oder: Diener) Jahwes“ sein, gegen Den sich miteinander „Herodes als auch Pontius Pilatus mit den Nationen und den Völkern Israels versammelten“ (Apg 4,27). Und doch war dieser „heilige Knecht“ so unendlich groß, dass von Seinem Erscheinen als von Alters, seit den „Tagen der Ewigkeit“ (als kleine Randbemerkung) gesprochen wird.     

Die Kraft dieser verblüffenden Aussage kann nicht umgangen werden. Das Kind in Bethlehems Krippe war Derselbe, Dessen „Erscheinen“ von den Tagen der Ewigkeit her war. Er war der aktiv Handelnde in der Schöpfung, denn durch Ihn hat Gott die Welten geschaffen (vergl. Heb 1,2). Er war es auch, Der in früherer Zeit als Engel des Herrn erschien, doch niemals in der Weise, wie Er Fleisch wurde durch den Leib einer Jungfrau, wie Er vor dem Herrn in Bethlehem erschien. Und wieder müssen wir feststellen, dass es nur ein Wort gibt, das den wahren Charakter und das Wesen jenes Kindes von Bethlehem beschreibt; und dieses Wort ist: GOTT.  

Wir kommen jetzt zum Neuen Tesament, und dort lesen wir in Rö 1,1–4, dass „das Evangelium Gottes …  seinen Sohn, Jesus Christus, unseren Herrn“ betrifft, „(der aus dem Geschlecht Davids gekommen ist dem Fleisch nach ...)“. Es war der Sohn Gottes, Der durch Seine Fleischwerdung „Same Davids“ wurde; und obgleich Er als Sohn Davids verworfen wurde, wurde Er erwiesen „als Sohn Gottes in Kraft … durch Toten-Auferstehung.“ Das ist der Weg, auf dem das Evangelium zu uns kam, und wir sollten das gut beachten. Dass eine Person der Gottheit, die Sich unserer Vorstellungskraft entzieht, erst durch die Fleischwerdung Sohn Gottes wurde, ist eine falsche Theorie, der sich manche in unserer Zeit hingeben. Dass der Sohn Gottes durch seine Fleischwerdung Sohn Davids wurde, ist die Wahrheit, die uns im Evangelium Gottes vorgestellt wird.

Dann lesen wir wiederum in Rö 9,5 von Israels letzter Herrlichkeit, nämlich dass aus ihrem Geschlecht „dem Fleisch nach, der Christus ist, der über allem ist, GOTT, gepriesen in Ewigkeit.“ In diesen Worten haben wir die klarstmögliche Bestätigung von dem, was wir gerade im Alten Testament gesehen haben. Wenn wir dann doch noch eine weitere Bestätigung für die Gottheit des Christus verlangen, dann werden wir sie in den ersten Kapiteln des Johannes-Evangeliums, des Kolosserbriefes und des Briefes an die Hebräer finden. Lasst uns den ersten dieser Abschnitte lesen und die ersten vier Verse analysieren.

1. „Am Anfang war das Wort.“ Er begann nicht zu sein am Anfang, sondern Er war schon, d.h. Er exis-tierte bereits am Anfang.

2. „Das Wort war bei Gott.“ – und damit wird gesagt, dass Er unterscheidbar eine eigene Persönlichkeit hatte. Das Wort selbst ist eine unterscheidbare Persönlichkeit.

3. „Das Wort war Gott.“ Obwohl auf die Person bezogen, ist das Wort dennoch Gott. Das Wort besitzt ohne Zweifel Göttlichkeit.

4. „Dieses war im Anfang bei Gott.“ Darum ist Er nicht bloß eine zeitweilige Offenbarung von Göttlich-keit. Das Wort besitzt ewige Göttlichkeit.

5. „Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eins, das geworden ist.“ Er war der handelnde Schöpfer, und nichts ist entstanden außer durch Ihn. Das Wort besaß schöpferische Originalität.

6. „In ihm war Leben.“ Hier wechseln wir von „allen Dingen“, was die unbelebte Schöpfung einschließt, zu dem, was in ihrer niedrigen Offenbarung die belebte Schöpfung charakterisiert – zu jenem tiefen Geheimnis des Lebens, das in seiner wahren Natur für das Geschöpf ungelöst bleiben muss. Das Wesen des Wortes ist Lebenskraft.

Bleibt nun noch irgendein Rest an Zweifel daran, wer „das Wort“ ist? Dann lies einfach den Abschnitt bis zu den Versen 16 und 17 weiter. „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns … voller Gnade und Wahrheit. (Johannes zeugt von ihm …) Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“ Das Wort wurde vollkommener Mensch, und als solcher ist sein Name JESUS CHRISTUS.

[Übersetzung: H.-R. Klenke]

F.B. Hole