Christus – wahrer Gott und wahrer Mensch (5)

Online seit dem 17.10.2010, Bibelstellen: 1. Korinther 15,45-49

Viel wird gegenwärtig in Predigten und Abhandlungen über „den Christus“ einerseits und „den historischen Jesus“ andererseits gesagt, so als ob beide kaum miteinander zu tun hätten. Gibt es dafür irgendeinen schriftgemäßen Grund?

Jesus ist Sein persönlicher Name als Mensch, Der in diese Welt hinein geboren wurde. Christus, was der Gesalbte bedeutet, beschreibt mehr den Dienst, den Er vollbringt. Aber Jesus ist der Christus (vergl. Apg 17,3); und es gibt keinen anderen Christus als Ihn. Die Meinung, die sie [in ihren Reden] vertreten, ist geradezu ein Musterbeispiel von „Betrügerei der Menschen … durch Verschlagenheit zu listigem ersonnenem Irrtum“ (Eph 4,14). „Der Christus“ wird von ihnen zu einem leeren Ideal gemacht, und der „historische Jesus“ wird behandelt wie einer von vielen Christussen, der uns zeigt, wie wir selbst „Christen“ werden sollten. Damit leugnen sie „den im Fleisch gekommenen Jesus Christus“ und erweisen sich als Geist des Antichrists, von dem 1. Joh 4,3 spricht.

Niemand kann Ihn wirklich als „im Fleisch gekommen“ bekennen außer solchen, die sowohl an Seine Gött-lichkeit als auch an Sein Menschsein glauben. Er – diese Person – Jesus Christus, kam im Fleisch. Deshalb ist Er Gott. Wir, die wir nur Menschen sind, kommen nicht im Fleisch, wir sind Fleisch.

Die Schrift lehrt uns deutlich, dass unser Herr von einer Jungfrau geboren wurde. Moderne, ungläubige Theologen lehnen dies völlig ab und behandeln diese Tatsache als von geringer Bedeutung. „Ist das denn eine Sache von lebenswichtiger Bedeutung?“, fragen sie.

Es ist lebenswichtig, und zwar in höchstem Maße. Alles, was die Wahrhaftigkeit der Schrift berührt, ist von vitaler Bedeutung; denn wenn sie in einem Detail nicht zuverlässig ist, wie kann sie dann in anderen Punkten als zuverlässig gelten?

Es ist lebenswichtig, insofern die Grundlagen des Glaubens damit verbunden sind. In 1. Kor 15,45–49 wird uns der Herr Jesus im Gegensatz zu Adam vorgestellt. „Der erste Mensch ist von Erde, von Staub; der zweite Mensch vom Himmel“ (Vers 47).

In einer bloßen Aufzählung wäre Kain der zweite Mensch; aus dem Blickwinkel dieses Verses war er es nicht: er war nur eine Reproduktion Adams in der ersten [nachfolgenden] Generation. Die Menschen, die heute über diese Erde gehen, sind nichts anderes als Reproduktionen Adams in – sagen wir mal – der 150. Generation. Aber – und das sollten wir gut beachten – der Herr Jesus war in keiner Weise eine Reproduktion Adams. Er war der zweite Mensch. Er war tatsächlich Mensch, denn Er wurde von der Jungfrau Maria empfangen. In allem war Er ein einzigartiger Mensch einer völlig anderen Ordnung, denn Er wurde vom Heiligen Geist empfangen.

Jeder andere Mensch erbt die Natur Adams; der Herr erbte [Adams Natur] nicht. Jeder andere Mensch kommt mit dem traurigen Erbgut – um ein Wort aus dem Rechtswesen zu benutzen – von Sünde, Tod und Verderben in diese Welt, worüber der letzte Teil von Rö 5 spricht. Im Falle unseres gesegneten Herrn wurde dieses Prinzip durchbrochen. Er wurde nicht nach den Gesetzen menschlicher Reproduktion geboren. Er war nicht vom Geschlecht Adams; Er war Er selbst, der letzte Adam, das Haupt eines neuen Geschlechts in der Kraft seines Todes und seiner Auferstehung.

Alle diese gewaltigen Tatsachen würden über Bord gehen, wenn die Jungfrauengeburt nicht wahr wäre. Es ist in der Tat lebenswichtig!

„Es ist schwer zu verstehen, wie der Herr Jesus gleichzeitig Gott und Mensch sein kann. Welche Theorie haben Sie als stichhaltigen Beweis dafür?“, so wird oft gefragt.

Wir berufen uns überhaupt nicht auf eine Theorie. Vielmehr sind wir davon überzeugt, dass jede Theorie über diesen heiligen Gegenstand unter allen Umständen gemieden werden sollte.

Die eigenen Worte des Herrn waren: „... niemand erkennt den Sohn als nur der Vater“ (Mt 11,27); und dass das so ist, zeigt uns die Tiefen des Geheimnisses über Seine Person, die wir als Geschöpfe – und seien wir noch so begnadet und erhaben – nie zu ergründen vermögen.

Es gibt unergründliche Geheimnisse in der Schöpfung. Ist es denn verwunderlich, wenn Er als Schöpfer einen Plan hatte, in die Schöpfungsordnung einzugreifen, indem Er Mensch wurde? Gibt es in Verbindung mit der Art und Weise seines Handelns nicht Geheimnisse, die für immer unser Fassungsvermögen als Ge-schöpfe übersteigen?

Die Wahrheit von der absoluten und umfassenden Göttlichkeit des Herrn Jesus ist unmissverständlich in der Schrift bezeugt, ebenso wie die Wahrheit über sein tatsächliches, völliges und vollkommenes Menschsein. Darüber zu theoretisieren, wie diese Dinge gesehen werden können, kommt aus nichts anderem als die

Unverschämtheit menschlichen Denkens. Nehmen wir lieber den Platz des Glaubens ein, indem wir uns still verneigen und anbeten.      

[Übersetzt von H.-J. Klenke]

F.B. Hole