Auf den Fußspuren der Weisen (2)

Online seit dem 06.01.2012, Bibelstellen: Matthäus 2

Ihr Gepäck

Im Gepäck der Weisen befanden sich in jedem Fall das Gold, der Weihrauch und die Myrrhe, die sie dem König übergeben wollten. Zweifellos werden sie auf der Reise eine nicht ablassende Sorge für die Kostbarkeiten gehabt haben, die für Ihn bestimmt waren, weil sie bei der Begegnung nicht mit leeren Händen dastehen wollten. Es waren Stück für Stück wertvolle Geschenke. Vermutlich haben sie ihren Geschenken keine besondere geistliche Bedeutung beigemessen; ihre Hände und Herzen suchten Geschenke, die in Übereinstimmung waren mit der Herrlichkeit und Würde der Person, für die sie bestimmt waren! Das braucht aber die Möglichkeit einer tieferen geistlichen Bedeutung für uns nicht auszuschließen. Immerhin ist dies nicht das erste Mal, dass in Gottes Wort über Gold, Weihrauch und Myrrhe gesprochen wird. Speziell im Alten Testament haben wir die Dinge kennen gelernt, die uns von der Person von Christus sprechen, dem Sohn Gottes, der kommen sollte. Daher gibt es für uns auch keinen Grund, daran zu zweifeln, ob wir dieselben Bedeutungen auch hier, wo seine Ankunft eine Tatsache geworden ist, anwenden dürfen.

Das Gold

Dieses Edelmetall war in der Stiftshütte sorgfältig verarbeitet worden und spricht von der göttlichen Natur und Herrlichkeit und Gerechtigkeit von Christus. In Ihm gab es nichts, was der Feuerprobe nicht standhalten konnte.

Er war der Sündlose, der Heilige und der Gerechte, der Einzige, der in der Lage war, ein Werk zu verrichten, das den Anforderungen Gottes vollkommen genügen würde. Der Kolosserbrief sagt: „In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ und aus diesem Grund konnte nur Christus den Anforderungen Gottes an einen Mittler entsprechen. Niemand anderer als sein eigener Sohn konnte in Betracht kommen, ein vollkommenes Opfer zu bringen und ein genügendes Opfer zu sein, das Gott vollkommene Genugtuung in Bezug auf die Sünde bringen würde. Nur Christus war in der Lage, ein gerechtes Fundament zu legen, auf dem Gott einen reuevollen Sünder rechtfertigen kann.

Der Weihrauch

Dieser erinnert uns an die aus vier verschiedenen Harzen zusammengestellte Spezerei, die als ein lieblicher Wohlgeruch auf dem goldenen Räucheraltar in der Stiftshütte vor das Angesicht des Herrn gebracht wurde, uns den lieblichen Geruch vorstellend, der aus dem Leben des Herrn Jesus aufstieg. Sie sprechen uns von seinen unermesslichen und unerforschlichen Vollkommenheiten, die so angenehm für Gott waren, dass Gott selbst das ein und andere Mal das Zeugnis hören ließ – als wenn Er es nicht für sich behalten konnte: „Sieh, mein vielgeliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen gefunden habe“.

Der liebliche Geruch aus Christi Leben stieg ununterbrochen zu Gott auf, nicht ungeachtet, sondern gerade durch Leiden und Prüfungen, genau wie der Weihrauch seinen Duft nicht verbreiten konnte, ohne das Feuer des Altars. Das Feuer der Erprobung, durch das Er sein ganzes Leben hindurch gehen musste, brachte auf besondere Weise und in höherem Maß seine außergewöhnliche Vollkommenheit ans Licht, durch das Gottes Herz so sehr erfreut wurde. Der Weihrauch hatte auch noch einen besonderen Platz und eine besondere Funktion am großen Versöhnungstag. Bevor Aaron mit dem Blut des Bockes in das Allerheiligste hinein ging, um es auf den Versöhnungsdeckel zu sprengen, musste er – bei Todesstrafe – erst mit dem Weihrauch hineingehen. Erst wenn die Wolke des Weihrauchs den Versöhnungsdeckel bedeckte, durfte er anschließend das Blut sprengen.

In diesem Augenblick treffen wir im Allerheiligsten also folgende Situation an:

  • Gott wohnt über dem Versöhnungsdeckel
  • Die Wolke befindet sich über dem Versöhnungsdeckel
  • Das Blut ist auf den Versöhnungsdeckel gesprengt
  • Aaron steht vor dem Versöhnungsdeckel

Gott sah also durch die Wolke des Räucherwerks hindurch, die sich über dem mit Blut besprengten Versöhnungsdeckel befand, Aaron (und in Aaron das ganze Volk) an. Mit anderen Worten: Gott konnte Aaron nicht anders sehen als „in der Wolke des Räucherwerks“, von dem Er den köstlichen Geruch wahrnahm, während Gott in dem Blut auf dem Versöhnungsdeckel eine Grundlage fand, um diesen köstlichen Wohlgeruch Aaron zuzurechnen.

So spricht uns das Blut auf dem Versöhnungsdeckel von Christi Werk und der Weihrauch von dem unerforschlichen Reichtum seiner Person, die das Versöhnungswerk vollbracht hat, unserem Herrn und Heiland, der auf dem Kreuz von Golgatha sich selbst für uns Gott geopfert hat und ist mit seinem eigenen Blut in das Heiligtum eingegangen, worin Gott eine gerechte Grundlage gefunden hat, um seine Gnade an Sünder beweisen zu können, die sich auf das Versöhnungswerk von Christus berufen. Ihnen werden nicht nur die Sünden vergeben, sondern Gott nimmt sie auch als seine Kinder an, was noch mehr ist. Er sieht sie in Christus an! Er hat uns ANGENEHM gemacht in dem Geliebten.

Die Myrrhe

Als Letztes wird die Myrrhe erwähnt, die uns ein Bild von den bitteren Leiden des Herrn Jesus gibt. Zweimal wird sie in den Evangelien genannt. Als erstes bei der Anbetung der Weisen, zu Beginn seines Leidensweges, und schließlich am Ende, wo die Frauen mit einem Gemisch aus Aloe und Myrrhe auf dem Weg zum Grab sind, wo der Herr gelegen war, um damit seinen Körper zu salben. Zwischen diesen beiden Begebenheiten, ist der Sohn des Menschen seinen Weg in Gehorsam gegangen, wurde verkannt, verachtet, bespottet, gehasst und verworfen. Wer kann die Angst und den Schmerz ergründen, den Er ertragen hat? Und das an unserer Stelle!

Von der Krippe bis zum Kreuz war sein Weg ein Weg des Leidens.

Ohne sich der Bedeutung der Schätze bewusst zu sein, haben die Weisen das Gold, den Weihrauch und die Myrrhe auf ihrer langen Reise mitgeführt. Sie kannten den wahren Charakter des Werkes noch nicht, das Christus vollbringen sollte, noch den Charakter seiner Person. Demgegenüber hat Gott uns in seinem Wort alles offenbart. Wir KENNEN die Gnade unseres Herrn Jesus Christus (2. Kor 8,9), denn Er offenbart sich denen, die Ihn lieben (Joh 14,21).

Die Tatsache, dass die Weisen die Kostbarkeiten bei sich trugen und darüber wachten, damit sie später nicht mit leeren Händen dastehen würden, darf für uns, die so viel mehr – ja alles – besitzen doch ein besonderer Ansporn sein, um uns mehr der Schätze bewusst zu sein, die wir in Christus empfangen haben und den Preis, den Er dafür bezahlte, damit wir diese Dinge als ein Kleinod in unseren Herzen bei uns tragen.

Wollen wir unseres Genusses der Segnungen nicht beraubt werden, die wir hier während unseres Lebens schon genießen dürfen, dann müssen wir darüber wachen mit Ausharren und Flehen für alle Heiligen, bis dass der Tag anbricht und der Morgenstern in unseren Herzen aufgeht. Dann werden wir nicht mit leeren Händen dastehen!

[“Bode des Heils in Christus“, Jahrgang  112 (1969)]