Auf den Fußspuren der Weisen (3)

Online seit dem 07.01.2012, Bibelstellen: Matthäus 2

Ihr Wandel

Salomo hat einmal gesagt, dass der Weg des Gerechten wie das glänzende Morgenlicht ist, das stets heller leuchtet bis zum vollen Tag. Dasselbe Wort können wir auf die Fußspuren der Weisen anwenden. Für uns sind sie eine Leuchtspur in ihrem Handeln und Wandeln. Von Anfang bis Ende.

In ihren Händen tragen sie die Geschenke, die sie für den König für würdig hielten, während ihre Füße sie Schritt für Schritt immer näher zu seiner herrlichen Person bringen. Sie wandelten durch Glauben und am Ende der Reise durften sie schauen. Das war das Ergebnis ihres Wandels. Im Erscheinen des Sterns haben sie eine Einladung gesehen und sie sind gekommen!

Das ist ein wichtiger Grundsatz, den wir auch bei Abraham finden. In 1. Mose 12 lautet der Befehl des Herrn: „Gehe aus deinem Lande und aus deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause, in das Land, das ich dir zeigen werde“. Das war der Auftrag! „Und Abraham ging hin.“ Das war die Ausführung! Sowohl Abraham als auch die Weisen gehorchten.

Der Weg, auf dem Gott ihnen seinen Willen zeigte, war sehr unterschiedlich und kam dennoch aus der gleichen Quelle hervor. Zu Abraham sprach Gott direkt. Zu den Weisen sprach Gott durch die Schöpfung, sein zerstreutes Volk und den Stern. Aber – und darum geht es schlussendlich – weder in dem einen noch in dem anderen Fall wurde die Botschaft missverstanden. Sowohl für Abraham als auch für die Weisen war es der Grund, auszugehen. Bei Abraham finden wir keine Spur des Zweifelns, genauso wenig bei den Weisen. So sind auch die Mittel, durch die Gott zu uns spricht, was ihre Form betrifft, anders als die, durch die Er zu Abraham und zu den Weisen sprach. Was allerdings die Klarheit betrifft, mit Sicherheit nicht geringer. Was das Erkennen von Gottes Gedanken betrifft, hatte Gott den Weisen ausreichend und Abraham viel offenbart, uns jedoch hat er alles geschenkt – die ganze offenbarte Wahrheit Gottes.

So hat Gott allen Gläubigen zu allen Zeiten seine Pläne und Gedanken in Bezug auf das Heil, das Er schenken will, zu erkennen gegeben, damit sie einen starken Trost hätten, die vor ihnen liegende Hoffnung zu ergreifen, die sie (genau wie wir) als einen festen Anker der Seele haben. Abraham wurde durch die segensreiche Verheißung angespornt ein unzählbares Volk zu werden, das in einem Land, das von Milch und Honig fließt, wohnen würde, über das Gott Tag und Nacht seine segnende Hand ausstrecken würde. Und wenn Gott ihm in diesem Land auch nicht einen Fußbreit gab, und wenn sein einziger Besitz in diesem Land ein Grab war, für das er auch noch einen zu hohen Preis bezahlt hatte, hielt er dennoch unentwegt Ausschau nach der Stadt, dessen Baumeister Gott ist, dem neuen Jerusalem. Das war seine glückselige Hoffnung und Erwartung!

Auch die Weisen hatten eine glückselige Hoffnung und Erwartung, als sie den Entschluss fassten, die lange Reise nach Jerusalem anzutreten. Gott hatte ihnen den Stern geschenkt, der ihnen die frohe Botschaft brachte: Der König der Juden ist geboren, unter dessen Herrschaft auch sie gesegnet werden würden. Sie haben daher auch keine Mühen gescheut und sind losgezogen. Der Stern, den sie im Osten gesehen hatten, ließ sie aushalten, bis dass sie in Jerusalem angekommen waren. Und als dieser Stern erneut erschien, um sie an den Ort zu bringen, wo das Kind war, haben sie sich mit sehr großer Freude daran gefreut. Gott gab ihnen den Stern! Und uns … was ist uns geschenkt?

ALLES!

Petrus sagt: „Da seine göttliche Kraft uns alles in betreff des Lebens und der Gottseligkeit geschenkt hat durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch Herrlichkeit und Tugend, durch welche er uns die größten und kostbaren Verheißungen geschenkt hat“ (2. Pet 1,3.4). Hieran will er uns, solange er dazu in der Lage ist, erinnern (2. Pet 1,12.13.16; 3,1). In Vers 19 weist er uns dann darauf hin, dass wir in Besitz des prophetischen Wortes sind, worauf wir Acht geben sollen… bis dass der Tag anbricht und der Morgenstern aufgehe in unseren Herzen.

Damit auch gar kein Zweifel daran besteht, was Petrus mit dem „Morgenstern“ meint, sagt der Herr selbst in der Offenbarung: „Ich Jesus, bin der glänzende Morgenstern“ (Off 22,16). „Ja, ich komme bald“ (V. 20). An dem Tag, an dem Er als der glänzende Morgenstern erscheint, wird Er seine Gemeinde nach Hause bringen, damit wir seine Herrlichkeit schauen, die Gott Ihm gegeben hat. Das ist unsere Verheißung. Unsere Perspektive. Unsere vor uns liegende Hoffnung.              

Unser Stern!

Die Weisen sahen in dem Stern ein Abglanz der Herrlichkeit des Königs, zu dem sie auf Reisen waren. Ein Lichtglanz der Herrlichkeit Gottes war in das Innerste ihrer Herzen hineingedrungen und es war für sie ein berechtigter Grund, hohe Erwartungen zu hegen, worin sie nicht enttäuscht wurden. Nun, wenn eine Sache sicher ist, dann die, dass wir in unserer Hoffnung nicht enttäuscht werden. Das ist unmöglich. Wir können noch so kühne Erwartungen haben, doch sie werden später wie ein Schatten der Wirklichkeit aussehen. Es ist ein über die Maßen überschwängliches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit (2. Kor 4,18). Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat für die, die Ihn lieben (1. Kor 2,9). Beim Anschauen dessen werden wir, genau wie die Königin von Scheba, als sie Salomos Herrlichkeit sah (1. Kö 10), „außer uns sein“ und sagen: Es stimmt also doch. Und nicht die Hälfte ist mir berichtet worden. Sie war auf das Gerücht hin, das sie gehört hatte, losgezogen. Nun, auch wenn wir die ganze Heilige Schrift besitzen und wenn wir auch nicht unkundig gelassen worden sind, über das, was uns erwartet, so haben wir doch nur „gerüchteweise“ etwas davon vernommen! Es ist noch nicht offenbart, was wir sein werden (das ist noch verborgen), wir wissen aber, dass wir Ihn sehen werden, wie Er ist. Er hat uns jetzt die Türen seiner Schatzkammer einen Spalt weit geöffnet, durch den wir etwas erahnen können. Wir sehen jetzt noch durch ein getöntes Glas, schwammig, aber dann: „von Angesicht zu Angesicht“.

Hier werden wir immer durch einen Türspalt linsen, aber bei seinem Kommen werden die Türen seiner Schatzkammern sperrangelweit geöffnet, und wir werden die Einladung hören: „Gehe ein in die Freude deines Herrn“.

Und obwohl die Weisen aus dem Osten den dritten Vers aus 1. Johannes 3 nie haben lesen können: „Und jeder, der diese Hoffnung zu ihm hat, reinigt sich selbst, gleichwie er rein ist“, geben sie uns hierin doch ein nachahmenswertes Vorbild, indem sie nach der Begegnung mit dem Herrn Jesus auf einem anderen Weg, als den, den sie gegangen waren, in ihr Land zurückkehrten.

Zum Schluss noch eine Bemerkung über die Rückkehr der Weisen. Es wird uns erzählt, dass sie eine göttliche Weisung erhalten hatten, auf einem anderen Weg in ihr Land zurückzukehren. Sie waren Christus, dem König, begegnet, hatten sich vor Ihm niedergebeugt und Ihm gehuldigt. Nun unterwerfen sie sich Gottes Willen! Ihre Begegnung mit dem König der Juden brachte sie auf einen „anderen Weg“, den Gott selbst ihnen wies. Wenn sie dieser Anweisung nicht gefolgt wären und entlang desselben Weges wieder zurückgekehrt wären, hätten die Weisen zumindest dem mordschnaubenden König Herodes in die Karten gespielt. Jetzt aber wirken sie mit, Gottes Pläne zu erfüllen, denn indem sie nicht nach Herodes zurückkehrten, bekamen Joseph und Maria genügend Zeit, um mit ihrem Kind nach Ägypten zu fliehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch seinen Propheten geredet hat: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“.

Hierin liegen für uns praktische Lektionen verborgen. Ab dem Augenblick, als wir Christus begegnet sind, ist unser Wandel doch wohl eine Sache besonderer Wichtigkeit geworden. Für uns gilt dies noch mehr als für die Weisen. Sie sind zwar Christus „dem König“ begegnet; wir Christus, dem Gekreuzigten.

Sie begegneten Ihm in Bethlehem, dem Ort, an dem Er sein Wirken begann; wir dagegen auf Golgatha, wo Er durch die Gabe seines Blutes das Werk vollbrachte. Alle, die durch den Glauben an Ihn gerechtfertigt sind, sind auch aus Satans Macht erlöst. Sie sind jetzt Sklaven, nicht mehr von Satan, sondern von Gott; nicht mehr der Sünde, sondern der Gerechtigkeit. Sie sollten,  genau wie die Weisen, „auf einem anderen Weg“ wandeln. Die Bibel nennt das: „In Neuheit des Lebens wandeln“! Abweichen von dem neuen Weg bedeutet immer: Schaden für Gottes Sache einerseits und Schaden für die eigene Seele andrerseits! Außerdem üben wir dann als gehorsame Sklaven Dienste für Satan aus. Die Welt nennt solche Menschen: „Verräter!“

Aus unserem Herzen sollte täglich das Gebet aus Psalm 139 aufsteigen: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne meine GedankenUnd sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist, und leite mich auf ewigem Wege!“.

[Aus: „Bode des Heils in Christus“, jaargang 112 (1969)]