Befreiung vom eigenen Ich (03)

Online seit dem 24.06.2014, Bibelstellen: Gal 2,19-20

Wir kommen nun zu den Errungenschaften.

Die Kraft praktischen Christentums

„Was ich aber jetzt lebe im Fleisch, lebe ich durch Glauben, durch den an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.“ Das ist unbedingt Errungenschaft und richtet sich an solche, die durch Gnade die Tatsachen glauben, die wir vorgestellt haben. Das mag manchmal übersehen oder nicht ausgelebt werden. Denn es gibt bestimmte Segnungen, die durch Gnade das gemeinsame Teil aller Christen sind, während andere sich auf unseren Wandel beziehen, und dort sind wir verantwortlich, nicht zu versagen. Der Apostel spricht von sich selbst als von einem einzelnen Gläubigen, und sagt uns, dass er Tag für Tag, Stunde für Stunde, durch Glauben lebte. Er lebte nicht durch Erfahrungen oder durch Gefühle oder durch das Halten des Gesetzes, sondern auf einer vollkommen anderen Grundlage. Praktisch durch Glauben zu leben war der Inhalt und das Wesen des täglichen Lebens von Paulus hier auf der Erde. Sein Glaube war das Ausleben des göttlichen Grundsatzes eines gestorbenen Ichs, indem Christus das Leben des Gläubigen ist. Das Leben im Fleisch mochte einen Monat oder eine Reihe von Jahren andauern, doch ob kurz oder lang, es gab für ihn nur eine einzige Lebensweise, nämlich durch Glauben.

Und er lebte nicht nur ein Leben des Glaubens, sondern des Glaubens an den Sohn Gottes, den auferstandenen Christus, der seine Sünden getragen hatte, aber dann in die Herrlichkeit gegangen war. Paulus' Glaube verband seine Seele mit Christus, da wo Christus ist, und das hatte einen Einfluss auf jedes Detail seines Lebens auf der Erde. Dem Wesen nach bezog sein Leben die Energie von dem Christus, der die Quelle des Lebens ist, die Zuneigungen des Apostels waren auf das Leben Christi fixiert, und Christus selbst war der Gegenstand, den Paulus hier auf der Erde vor sich hatte.

In einem solchen täglichen Leben ist das eigene Ich praktisch unsichtbar, sowie durch den Tod Christi das eigene Ich aus Gottes Sicht nicht mehr da ist, und Christus allein gesehen wird als der, der in den Gläubigen lebt. Der Christ kann wirklich sagen: „Mein Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott.“ Und sein praktischer Wandel sollte den abwesenden Christus vor der Welt darstellen. Die Welt kann nicht die Quelle des Lebens eines Christen sehen, auch nicht den Gegenstand, für den der Christ lebt, aber die Welt sollte in der Lage sein, „Christus in euch“ zu sehen.

Nur solche, die entsprechend der ersten zwei Punkte unseres Abschnitts völlig befreit sind, können den Pfad der Freiheit gehen, den dieser dritte Punkt vorstellt. Dieses Leben des täglichen Glaubens an den Sohn Gottes kann praktisch nicht gekannt werden von solchen, die die Segnungen, die ihnen durch den Tod und die Auferstehung Christi gebracht worden sind, noch anzweifeln. Ein Gläubiger, der noch versucht, süßes Wasser aus einer bitteren Quelle des Ichs zu schöpfen, der versucht, den Äthiopier weiß zu waschen, ist noch nicht so weit, sich selbst für tot zu halten, und hat keinen Glauben an die Aussage Gottes: „Ihr seid tot.“ Er setzt Christus als seine einzige Stärke durch eigene Anstrengungen beiseite. Das Ich muss so beurteilt werden, wie Gott es sagt, „tot“, es muss zurückgelassen werden, wenn das praktische Leben des Glaubens an den Sohn Gottes gekannt werden soll. Die Kraft, das Leben des Glaubens zu leben, fließt aus dem Glauben an die Person des lebenden Christus hervor.

H. Forbes Witherby