Vergebung (1)

Online seit dem 26.03.2020, Bibelstellen: Psalm 32,1; Johannes 1,9; 2,12; Nehemia 9,17

Verstanden zu haben, was es bedeutet, dass Gott uns vergeben hat, ist ein sehr wichtiges Thema – auch für unseren Alltag. Wir wollen uns daher in dieser Folge etwas mehr damit beschäftigen.

Wenn ein Sünder sich so sieht, wie Gott ihn sieht, hat er ein Empfinden seiner Sündenschuld vor Gott. Er weiß, dass er Vergebung dieser Schuld braucht. Er braucht jemanden, der ihm die Last seiner Sünden abnimmt. Was für eine Freude, wenn dann erfahren werden darf, dass Vergebung möglich ist: „Glückselig der, dessen Übertretung vergeben, dessen Sünde zugedeckt ist!“ (Psalm 32,1).

Und tatsächlich haben wir es mit einem Gott zu tun, der von Herzen vergeben will. In Nehemia 9 Vers 17 wird Gott sogar der „Gott der Vergebung“ genannt: „Du aber bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und groß an Güte“.

In Lukas 24,47 gibt der Herr Jesus seinen Jüngern den Auftrag, dass „in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden gepredigt werden soll allen Nationen.“ Das Werk des Herrn Jesus am Kreuz ist so groß, dass Gott ALLEN Menschen die Vergebung anbieten kann. Und doch kommt sie leider nicht allen zugute, sondern nur denen, die den Herrn Jesus als ihren persönlichen Retter annehmen. Der Apostel Petrus macht das in Apostelgeschichte 10 sehr eindeutig: „Diesem geben alle Propheten Zeugnis, dass jeder, der an ihn glaubt, Vergebung der Sünden empfängt durch seinen Namen“

Die Bibel sagt: „Wen wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er sie uns vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ (1. Johannes 1,9). Dem voraus geht natürlich, dass wir sie als solche erkannt haben. Gab es das einmal in unserem Leben? Haben wir Buße getan, an den Herrn Jesus geglaubt und unsere Sünden vor Gott bekannt? Dann dürfen wir auch wissen, dass Gott uns unsere Sünden vergeben hat! Doch was heißt das eigentlich?

Das griechische Wort, das im Neuen Testament häufig mit „vergeben“ oder „Vergebung“ übersetzt wird, bedeutet eigentlich, dass etwas weggeschickt wird. Etwas wird losgelassen, oder jemand wird entlastet. Wenn Gott uns vergibt, dann rechnet er uns die Sünden nicht an. Er nimmt sie uns weg. Die Schuld ist erlassen. Das Ergebnis ist, dass ein Mensch, der Sünden begangen hat, ungestraft bleiben kann.

Wir haben gerade gesehen, was wir getan haben müssen, um in den Genuss der Vergebung zu kommen. Aber Gott kann uns nicht einfach so die Strafe erlassen. Ein „Schwamm drüber“ gibt es bei Gott nicht. Nein, wenn Gott handelt, dann braucht er eine gerechte Grundlage dafür. Diese Grundlage ist nicht etwa unser eigenes Handeln, sondern Gott schafft sich selbst die Grundlage, auf der er uns die Vergebung anbieten kann.

Diese Grundlage ist das vollbrachte Werk des Herrn Jesus am Kreuz von Golgatha. In Hebräer 9,22 heißt es: „... ohne Blutvergießung gibt es keine Vergebung“. Das ist ein wichtiger Grundsatz. Auch in Epheser 1,7 wird die Vergebung der Sünden mit der Erlösung verbunden, die wir durch sein Blut haben. Damit ist nicht das Blut gemeint, das aus den Wunden des Herrn Jesus kam, sondern die Tatsache, dass der Herr Jesus gestorben ist. Nur auf dieser Grundlage kann Gott vergeben. Vergebung kann uns nur geschenkt werden, weil ein anderer als Stellvertreter unsere Sünden getragen hat. Das geschah am Kreuz, als der Herr Jesus die Sünden derer, die an ihn glauben „an seinem Leib auf dem Holz getragen hat“ (1. Pet 2,24). Da lag die Strafe zu unserem Frieden auf Ihm und durch seine Striemen (die Wunden, die Gott Ihm schlug) ist uns Heilung geworden (Jes 53,5).

So sehr, wie wir uns auch über die Vergebung der Sünden freuen dürfen, dürfen wir dennoch nie vergessen, dass es dafür notwendig war, dass der Herr Jesus meiner und deiner Sünden wegen an das Kreuz ging und von Gott gestraft werden musste. Das können wir uns kaum ausmalen, was das für den Herrn Jesus bedeutet haben muss. Er war ja absolut frei von Sünde!

Auf der anderen Seite dürfen wir aber auch wissen, dass unsere Vergebung eine rechtmäßige Grundlage hat. Gottes Forderungen in Bezug auf die Sünde sind erfüllt. Es fehlt nichts, was noch geschehen müsste. Unsere Vergebung kann nicht infrage gestellt werden. Es ist absolut unmöglich, dass sich irgendwann einmal herausstellen würde, dass unsere Vergebung doch nicht rechtmäßig war. Solche Zweifel dürfen wir mit einem Blick auf das Kreuz beiseiteschieben.

Friedemann Werkshage