Das Ende des Herrn mit Hiob (01)

Online seit dem 02.07.2010, Bibelstellen: Hiob 42,1-6

Nachdem die Stimme des Herrn aus dem Sturmwind verklungen ist, demütigt sich Hiob in vollem Maß. Er bekennt die Verkehrtheit seiner früheren Äußerungen. Er muss sich selbst verabscheuen und in Staub und Asche – dem Ort des Todes – bereuen. Die Augenblicke in der Gegenwart Gottes hatten ein Ergebnis hervorgebracht, was alle Reden der drei Freunde und selbst die Rede Elihus nicht erreicht hatten. Der Mann, der alle seine Zeitgenossen an Vollkommenheit übertraf, und der sogar von Gott selbst ein gutes Zeugnis hatte, hatte seine eigene vollkommene Sündhaftigkeit im tiefsten Innern seines Wesens entdeckt. Eine Entdeckung, die wir alle irgendwann einmal machen müssen!

Die ganze Geschichte Hiobs ist eine große Lektion für uns, das lesen wir in Jakobus 5,11. Wir werden jetzt das „Ende des Herrn“ mit Hiob sehen, was uns zeigt, dass Er wirklich „voll innigen Mitgefühls und barmherzig ist“. Was war denn das Ende, das der Herr im Blick hatte, als Er zuließ, dass alle diese erprobenden Unglücke über Hiob kamen?

Als erstes erlangte Hiob sozusagen eine Erkenntnis Gottes aus erster Hand. Früher hatte er Gott „mit dem Gehör des Ohres“, das heißt durch Tradition kennen gelernt. „Aber nun“, sagt er, „hat mein Auge dich gesehen.“ Er hat Gott auf eine neue und lebendige Weise erkannt. Dass das „sehen“ nicht wörtlich gemeint ist, macht 1. Timotheus 6,16 klar, doch das Auge ist das Sehorgan und es ist unser Geist, der sieht. Jetzt kannte Hiob Gott in seiner Macht, Heiligkeit und Gerechtigkeit, soweit Er in jenen Tagen gekannt werden konnte.

Es ist unser Vorrecht, Gott so zu kennen, wie Er in dem Herrn Jesus Christus offenbart worden ist, und durch diese Erkenntnis empfangen wir „alles betreffs des Lebens und der Gottseligkeit“ und „die größten und kostbarsten Verheißungen“, sowie Tag für Tag „Gnade und Frieden.“ So lesen wir es in den ersten Versen des zweiten Petrusbriefes. Wir können in der Tat sagen, dass sich bei uns, wie damals bei Hiob, alles auf die erfahrungsmäßige Erkenntnis Gottes aus erster Hand gründet.

Doch als Frucht dieser Erkenntnis Gottes sah Hiob sich zweitens selbst in einem völlig neuen Licht. Früher hatte er Loblieder auf sich selbst gesungen. Nun verschwand sein äußerlich korrektes Verhalsten aus seinem Blickfeld, und er sah die selbstgefälligen Tiefen seiner gefallenen Natur. In wahrer Buße verabscheute er sich daher.

Dieser Geist des Selbstgerichts wird in allen bewirkt, die es mit Gott zu tun haben. Wir finden eine Fülle von Beispielen davon in der Schrift. Als sich Abraham zum Beispiel in der Gegenwart Gottes befand, sagte er: „Ich bin Staub und Asche“ (1. Mo 18,27). Ähnliches sagte Jesaja: „Ich bin verloren“ (Jes 6,5). Genauso Petrus: „Ich bin ein sündiger Mensch, Herr“ (Lk 5,8), und Paulus: „Sünder, von denen ich der erste bin“ (1. Tim 1,15). Und das waren alles hervorragende Gläubige ihrer Zeit. Sie wären nicht hervorragend gewesen, wenn sie diese Erfahrung nicht gemacht hätten. Haben wir sie schon gemacht?

F.B. Hole