Das Ende des Herrn mit Hiob (02)

Online seit dem 03.07.2010, Bibelstellen: Hiob 42,7-9

Das Ende, das der Herr im Blick hatte, beinhaltet noch einen weiteren Aspekt, der jetzt vor uns kommt. Die drei Freunde Hiobs werden verurteilt, weil sie nicht geziemend gesprochen hatten und sich nicht wie Hiob gedemütigt hatten, indem sie Gott rechtfertigten und sich selbst verurteilten. Sie werden nun angewiesen, zu Hiob zu gehen, Opfer darzubringen und Hiob um Fürbitte für sie zu bitten – ohne Zweifel eine zutiefst demütigende Sache für sie. Zwar hatten sie Hiob besucht, um ihr Mitgefühl auszudrücken und zu trösten, waren aber im Verlauf der Diskussion zu verletzenden Beschuldigungen und Vorwürfen gegenüber Hiob verleitet worden, und hatten dadurch ihrerseits einen selbstgerechten Geist offenbart. Und weil sie sich nicht wie Hiob selbst gedemütigt hatten, wurden sie öffentlich von Gott gedemütigt.

Doch was ist mit Hiob? Der Herr wusste sehr wohl, welche vollständige Veränderung in seinem Geist bewirkt worden war, während sein armer Körper noch unverändert war. Er sagte: „Hiob, mein Knecht, möge für euch bitten; denn ihn will ich annehmen.“ Noch bis kurz vorher hatte Hiob hitzig und sarkastisch gegen sie argumentiert. Jetzt betet er mit Freundlichkeit und Gnade im Herzen für sie! Der Mann, der zu einer rechten Erkenntnis Gottes gelangt war und dadurch gelernt hatte, sich selbst zu verabscheuen, wird was die Beziehung zu seinen früheren Gegnern betrifft völlig umgewandelt. Die Verärgerung muss der Versöhnung Platz machen. Der geistliche Gewinn ist immens.

Es muss eine außergewöhnliche Szene gewesen sein. Vers 10 zeigt, dass die Veränderung des körperlichen Zustands und der Geschicke Hiobs kam als er für seine Freunde gebetet hatte, nicht vorher. Da waren einerseits die drei Freunde, wohlhabende Ehrenmänner des Ostens, mit ihren Opfern und andererseits Hiob, eine ausgemergelte Gestalt und mit Geschwüren übersät. Doch dieses arme körperliche Wrack ist mit Gott in Verbindung und in der Lage, die Hände in gnädiger und priesterlicher Fürbitte zu erheben. Hat man so etwas im Osten schon mal gesehen? Kein Wunder, dass die Geschichte aufgeschrieben werden musste, um einen Platz unter den Aussprüchen Gottes zu finden.

Doch wir wollen nicht die Anwendung auf uns übersehen. Auch unter Brüdern in Christus können Streitpunkte entstehen, und ohne die Gegenwart Gottes, kann der Streit heftig und die Trennung unausweichlich werden. Wenn wir uns die Gegenwart Gottes bewusst machen und das eigene Ich richten und verabscheuen, wird ein völlig anderer Geist herrschen und die rechte Lösung erreicht werden.

Hiobs Gebet wurde erhört, weil er selbst jetzt mit Gott im Reinen war und nicht nur mit seinen Freunden. Wir lesen die eindeutige Aussage: „Und der Herr nahm Hiob an.“ Der Mann, der sich selbst verurteilt und verleugnet, wird von Gott angenommen. Das war schon immer die Weise Gottes. Wir haben in anderen alttestamentliche Schriften Zeugnisse davon (zB Jes 57,15; 66,2). Aber erst im Neuen Testament finden wir die Grundlage, auf der die Annahme bei Gott ruht. Der Charakter unserer Annahme bei Gott findet sich in den Worten: „begnadigt (o. angenommen) in dem Geliebten“ (Eph 1,6). Das war in Hiobs Tagen noch nicht offenbart.

F.B. Hole