Der erste Korintherbrief (04) - Kap. 11,24

Online seit dem 17.07.2014, Bibelstellen: 1. Korinther 11,24

„…und als er gedankt hatte, es brach und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch ist; dies tut zu meinem Gedächtnis“ (Vers 24)

Der Herr dankte, brach das Brot und gab es ihnen. Das ist die Ordnung, die der Herr Jesus in jener Nacht beobachtet hat. Paulus, der Jahre später diese Offenbarung empfing, bleibt genau bei der Ordnung, die der Herr ursprünglich gegeben hatte. Es gibt bis in unsere Tage hinein Bestrebungen, dass diese Ordnung von uns verkehrt wird. Schon früher haben Brüder gesagt, dass wir hinter dem Werk stehen und deshalb erst das Brot brechen und dann dafür danken. Selbst wenn versucht wird, das lehrmäßig zu verteidigen, ist es doch ein Verlassen der Ordnung, die der Herr gegeben hat. Paulus empfängt von dem Herrn die gleiche Ordnung, wie Er sie selbst ausgeübt hatte. Und wenn wir folgenden Punkt bedenken, dass das Mahl des Herrn die persönliche Verantwortung des Einzelnen als Hauptgedanken hat, und dass der Apostel gerade bei den Korinthern das Fehlverhalten korrigieren muss, dann ist es doch von äußerster Wichtigkeit, dass der verherrlichte Herr Seinem Diener die gleiche Reihenfolge schildert und vorgibt, wie Er sie selbst befolgt hat. Als die Stiftshütte gebaut wurde, musste alles nach dem Muster gemacht werden, wie Gott es dem Mose auf dem Berg gezeigt hatte. So wollen wir es auch bei dem Mahl des Herrn halten und nicht von dem abweichen, wie der Herr selbst es eingesetzt hat. Deshalb soll auch nicht zwischen Brot und Kelch ein Lied gesungen werden oder eine Schriftstelle gelesen werden; und es soll auch immer der Bruder, der für das Brot dankt, dann auch für den Kelch danken. Das hat nichts mit einem reglementierten Gottesdienst zu tun, sondern es ist ein Beobachten der vom Herrn selbst gegebenen Ordnung, bei der wir kein Recht haben, sie zu verändern.

Und dann dankt der Herr. Wem hat Er gedankt? Seinem Vater. Der Tod steht vor Ihm, der qualvolle Tod des Kreuzes, Seine Seele zerrissen von der Treulosigkeit eines Seiner Jünger – und doch dankt Er! Er sieht über das Kreuz hinaus, Er sieht den Ratschluss Seines Vaters, Er sieht die unendlichen Ergebnisse Seines Todes – und das erste, was Er tut, ist Danksagung. Das Brotbrechen ist eine Sache der Danksagung; Bitten zu äußern ist fehl am Platz, es sei denn die Bitte: Herr Jesus, komm! Wir tun das, bis Er kommt. Aber für unsere Kranken können wir bei jeder anderen Gelegenheit beten, aber nicht beim Mahl des Herrn, auch nicht hinterher, es sei denn, es sind bestimmte notvolle Umstände eingetreten. Der Herr Jesus hat gedankt, und das Brotbrechen ist eine Sache der Danksagung. Es scheint, als wollte der Herr deutlich machen, dass bis zu Seinem baldigen Kommen ständig die Danksagung zu Gott emporsteigen soll.

Wie sollen wir denn danksagen, haben wir ein Beispiel dafür? Matthäus war zugegen, aber er hat uns nicht gesagt, was der Herr Jesus bei Seiner Danksagung gesprochen hat. Die anderen drei waren nicht zugegen, und auch sie berichten nicht darüber. Hätten wir nicht gern gehört, was der Herr Jesus da gesagt hat? Aber wir haben weder von dem Herrn Jesus noch von Paulus noch von irgendeinem anderen die Worte, die der Herr bei der Danksagung gesprochen hat. Warum wohl hat der Herr uns diese Worte nicht gegeben? Könnte es nicht nützlich für uns sein, zu hören, was Er damals gesagt hat? Aber ist es nicht so, dass wir dann meinen würden, wir müssten immer genau dasselbe sagen, was Er gesagt hat? Es würde wohl so kommen, wie mit dem sogenannten Vater-Unser, man würde es eins nach dem anderen abbeten, und das wollte der Herr nicht. Der Herr möchte bis heute uns leiten, damit die Worte gesagt werden, die im Augenblick Ihn verherrlichen und groß machen. In allem sehen wir die Weisheit und die Größe unseres Herrn. Und halten wir fest, dass die Gedanken der Danksagung unentwegt zu Gott emporsteigen sollen. So, wie wir in einem gewissen Sinn in dem Wohlgeruch Seines Opfers sind, so stehen wir auch in dem Wohlgeruch der Danksagung unseres Herrn an Seinen Vater. Dank, Lob (Mt 26,30) und Anbetung macht den Charakter dieses Zusammenkommens aus.

Was bedeuten uns die Worte „dies tut zu meinem Gedächtnis“ heute noch? Es gibt Kreise von Gläubigen, wo man sich nur alle vier Wochen zum Brotbrechen versammelt, und wo dann nach 10 Minuten die ganze Handlung vorüber ist. Ist es nicht ein großes Vorrecht, dass wir jeden Sonntag zusammenkommen, um den Tod des Herrn zu verkündigen? Der Herr hat es uns in Seiner Gnade bis heute erhalten. Es ist nicht nur ein Gedächtnis an das, was der Herr damals getan hat, sondern es ist viel mehr ein Gedächtnis an den, der das Werk damals vollbracht hat! Wir haben beim Brechen des Brotes den Herrn vor uns, wie Er damals am Kreuz Sein Leben gegeben hat. Und Er zeigt auch, für wen Er es gegeben hat – für euch. Was für eine Liebe spricht aus diesen Worten des Heilandes. Aber damit wir nicht dabei stehenbleiben, was Er für uns getan hat, fügt Er hinzu: „dies tut zu meinem Gedächtnis“. Kommen wir so, zu einem echten Gedächtnis Seiner Person, zusammen?

Wir können uns wohl kaum eine schlichtere Sache vorstellen, als das, was der Herr uns hinterlassen hat. Der Mensch neigt dazu, in die äußeren Dinge einen äußeren Glanz zu legen. Aber der Herr tut das nicht – Brot und Kelch, mehr nicht. Aber gerade in dieser Schlichtheit liegt die tiefe Bedeutung der Sache. Und Brot und Kelch sind ein Mahl, sie gehören zusammen, obwohl sie getrennt voneinander vor uns stehen. Beide Symbole zusammen sprechen von dem Tod des Herrn Jesus. Wir haben manchmal Mühe, von uns wegzuschauen und nur an den Herrn Jesus als den leidenden und sterbenden Herrn zu denken. Ist es nicht bedauerlich, dass wir so wenig bei dem Tod des Herrn stehenbleiben? Warum haben wir oft so wenig darüber zu sagen, was der Tod des Herrn ist? Müssen wir uns vielleicht mehr damit beschäftigen, mit den letzten Kapiteln der Evangelien, mit den Vorbildern der Opfer, mit den entsprechenden Psalmen? Gerade die Opfer zu studieren ist eine Quelle des Segens! Wann tun wir das? Dieser Tod ist der Mittelpunkt unseres Zusammenkommens zum Brotbrechen. Wir brauchen Priesternahrung, und die bekommen wir in der Beschäftigung mit dem Herrn in Seinem Leiden und Sterben.

Brot und Wein getrennt sprechen also von dem Tod des Herrn, Leib und Blut getrennt sprechen deutlich von Tod. Aber auch die einzelnen Komponenten reden jedes für sich vom Tod. Bei dem Kelch, dem Blut, ist das gar keine Frage und ganz offensichtlich. Aber auch, wenn Er Seinen Leib gibt, was ist das anderes als Tod? So steht von Anfang an der Tod des Herrn vor uns. Und wir sollten die Zeichen Seiner Liebe und Seines Todes so auf dem Tisch hinstellen, dass man sie sehen kann, nicht so versteckt hinter einem Stapel Bibeln und Liederbücher.

In der Sprache der Opfer gesprochen steht beim Brotbrechen nicht so sehr das Speisopfer, sondern mehr das Brandopfer und das Opfer für die Sünde vor uns. Und die Worte des Herrn: „dies tut zu meinem Gedächtnis“ sind kein Gebot von Ihm, sie sind ein Vermächtnis – das Vermächtnis des sterbenden Heilands! Der Herr Jesus hat uns ein Vermächtnis hinterlassen, und Er stellt sich uns vor als tot. Ein gestorbener Christus steht vor uns. Aber es ist ein Heiland, der lebt; und dann kommt der Heiland Seiner Versammlung und pflückt sich dort die Myrrhe samt seinem Balsam (Hld 5,1). Wir können uns nicht vorstellen, was es für das Herz des Herrn Jesus ist, der so wenig Verständnis fand bei Seinen Jüngern, wenn heute in den Herzen Seiner Braut Gedanken der Anbetung kommen über Seine wunderbare Hingabe an Seinen Gott und an uns!

Der christliche Glaube ist nicht gekennzeichnet durch sichtbare Dinge; im Judentum war das ganz ausgeprägt der Fall. Wir sehen die christlichen Wahrheiten mit den Augen des Glaubens; aber es gibt zwei Ausnahmen, die der Herr gemacht hat: die eine ist die Taufe, eine sichtbare Handlung, und die andere ist das Brotbrechen mit diesen sichtbaren Zeichen. Der Herr kommt uns dabei entgegen, dass Er uns zwei wichtige Wahrheiten durch sichtbare Zeichen wertvoll macht.

Wenn Er sagt: „Dies ist mein Leib“, dann bleibt das Brot normales Brot, es verwandelt sich nicht irgendwie in Seinen Leib (Transsubstantiation), wie eine große Kirche das lehrt, sondern es hat eine Bedeutung, es bedeutet Seinen Leib. Wenn wir ein Bild von einem lieben Angehörigen bei uns haben und jemandem zeigen, dann sagen wir z.B. auch: „das ist meine Frau“, aber es bleibt normales Fotopapier.

Der Herr Jesus hat in Seinem Leib (Heb 10,5c) Gott nur verherrlicht. In dem höchsten Sinn geschah diese Verherrlichung Gottes, als Er sich selbst durch den ewigen Geist Gott geopfert hat. Und das steht vor uns, wenn der Herr Jesus sagt: „Dies ist mein Leib“. In Lk 22,19 fügt Er noch hinzu: „der für euch gegeben wird“. Das ist das, was Er tut. „Dies tut zu meinem Gedächtnis“, das ist die Antwort, die wir geben. Wir müssen uns nicht schämen zu sagen: „Herr Jesus, wir haben dich lieb, und deswegen tun wir das“! Der Herr Jesus erwartet, dass in unseren Herzen ein Wohlklang entsteht, eine Hingabe an Ihn, der uns so geliebt hat.

Achim Zöfelt