Der Sohn spricht über das Haus seines Vaters (02)

Online seit dem 24.02.2015, Bibelstellen: Johannes 14,1-3

Warum stellt der Herr Jesus seinen Jüngern das Haus seines Vaters vor?

„Euer Herz werde nicht bestürzt.“

Der Herr Jesus kannte die Herzen seiner Jünger. Sie waren voll von irdischen Hoffnungen und Erwartungen. „Stellst du in dieser Zeit dem Israel das Reich wieder her?“, das war der Ausdruck ihres tiefen Wunsches. Wie eine Fremdsprache muss es ihnen vorgekommen sein, als ihr Meister sie sanft auf sein Weggehen von dieser Erde vorbereitete: „Kinder, noch eine kleine Weile bin ich bei euch; ihr werdet mich suchen, und wie ich den Juden sagte: Wo ich hingehe, könnt ihr nicht hinkommen, so sage ich jetzt auch euch“ (Joh 13,33).

Er nahm ihnen ihre irdische Hoffnung auf eine kurzfristige Befreiung Israels und auf die Aufrichtung der Herrschaft des Messias in Macht und Herrlichkeit auf der Erde. Und was gab er ihnen dafür? Eine weit bessere, himmlische Hoffnung auf eine ewige Bleibe in dem ewigen Wohnort Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Doch was verstanden die Jünger damals davon? Nichts. Die Enttäuschung und Niedergeschlagenheit der Emmausjünger machen mehr als deutlich, dass sich an ihren rein irdischen Erwartungen nichts geändert hatte. „Wir aber dachten …“ Dieses Unverständnis der Jünger zeigt uns einerseits die Einsamkeit des Herrn Jesus, der niemanden auf der Erde hatte, dem er sich völlig anvertrauen konnte. Wenn er von seinen Leiden sprach, waren die Jünger damit beschäftigt, wer von ihnen der Größte wäre. Andererseits macht es die Langmut des Herrn Jesus groß. Er wusste doch, dass sie nichts von alledem verstanden, aber das entmutigte ihn nicht. Unermüdlich redete er weiter von den Dingen, die sie noch gar nicht fassen konnten. Wie lange würden wir wohl den Mut und die Energie haben, vor solchen dauerhaft fragenden Blicken weiterzureden?

Doch die Bestürzung der Jünger darüber, dass ihr Messias „weggetan“ wurde und nichts hatte (vgl. Dan 9,26), offenbart nicht nur ihr Unverständnis und ihre Trägheit, „an alles zu glauben, was die Propheten geredet haben“ (Lk 24,25), sondern auch eine tiefe Liebe zu ihrem Meister. Sie hingen an ihm. Für ihn hatten sie alles verlassen und waren ihm nachgefolgt. Ich wünschte, unsere Herzen hingen so an dem Herrn Jesus. Und er hatte sie immer wieder verteidigt, sich wie ein echter Hirte vor seine Jünger gestellt und die Angriffe der Feinde abgewehrt, selbst wenn sie Fehler gemacht hatten. Wie sehr würden sie ihn vermissen. Deshalb gibt der Herr Jesus ihnen diesen wunderbaren Trost, dass er zwar weggehen würde, aber nur, um ihnen eine Stätte zu bereiten und sie dann zu sich zu nehmen.

Auch wenn sie jetzt nicht viel davon verstanden, waren die Worte des Herrn Jesus doch nicht umsonst, denn die Jünger würden sie später verstehen. Ein wenig sehen wir davon schon bei seiner Himmelfahrt. Als er bei seiner Himmelfahrt die durchbohrten Hände zum letzten Mal aufhob, um sie zu segnen, und dann langsam aus ihren Blicken verschwand, da lesen wir nichts mehr von Trauer und Bestürzung. „Sie kehrten nach Jerusalem zurück mit großer Freude; und sie waren allezeit im Tempel und lobten und priesen Gott“ (Lk 24,52.53). Und wenn erst der Heilige Geist gekommen sein würde, dann würde er sie an alles erinnern, was er ihnen gesagt hatte und sie in die ganze Wahrheit leiten (Joh 14,26; 16,13; vgl. Joh 12,16).

Marco Leßmann