Auserwählt vor Grundlegung der Welt

Online seit dem 03.07.2017, Bibelstellen: Epheser 1,4

„Wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und untadelig seien vor ihm in Liebe“ (Epheser 1,4).

In Bezug auf den vorangehenden Vers 3 hat man oft gesagt, dass er gleichsam der Schlüsselvers unseres Abschnittes ist. Folgende Hauptpunkte seien noch einmal wiederholt:

  • Die Quelle aller Segnungen ist der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
  • Wir besitzen diese Segnungen bereits, denn Gott hat uns bereits damit gesegnet.
  • Es gibt keine Segnung, die uns Gott in dem Herrn Jesus nicht gegeben hätte.
  • Dem Charakter nach sind die Segnungen geistlicher Natur.
  • Alle Segnungen, die wir haben, sind himmlischer Art.
  • Die Grundlage unserer Segnungen ist Christus, denn wir sind „in Christus“ gesegnet.

Der vor uns stehende Vers führt uns nun zurück „vor Grundlegung der Welt“. Er führt uns dorthin, wo es nichts und niemanden als den dreieinen Gott allein gab (vgl. Joh 1,1–3; Heb 11,3). Weder dieses Universum noch unsere Erde noch irgendein Mensch war da, noch gab es die Sünde. Das verdeutlicht uns noch einmal, dass alle Segnungen, die wir in dem Herrn Jesus bekommen haben, allein in Gott ihren Ursprung finden. Und genau dort, als es nichts und niemand anderes als den allein seligen Gott gab, hat Gott in seinem Herzen den Entschluss gefasst, Menschen auszuerwählen, dass sie „heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe“.

Wir beginnen zu verstehen, dass die ersten Verse des Epheserbriefes uns tatsächlich einen Blick in das Herz Gottes tun lassen. Jeder, der den Herrn Jesus als seinen persönlichen Retter angenommen hat, darf wissen, dass er durch Ihn Vergebung der Sünden und Errettung vor dem Zorn Gottes bekommen hat. Das hatten wir dringend notwendig. Doch darum geht es hier nicht. Es geht nicht darum, was wir notwendig hatten, sondern um den Segen, den Gottes Liebe uns in dem Herrn Jesus geben wollte. Und wozu hat Gott uns auserwählt!

Es ist schon wunderbar, dass Gott sich sündigen Menschen überhaupt zugewandt hat. Wäre es nicht großartig, wenn Gott uns nicht nur Vergebung und Errettung geschenkt hätte, sondern dann auch in jenen paradiesischen Zustand von Adam und Eva versetzt hätte? In der Tat, das wäre es. Aber das war nicht, was Gottes Liebe wollte. Adam und Eva waren vor dem Sündenfall in einem Zustand der Unschuld. Sie hatten noch nicht gesündigt und kannten Sünde nicht. Aber sie waren nicht heilig. Gemeinschaft mit Gott war möglich – allerdings nur in eingeschränkter Form. Gott selbst kam zu ihnen – aber dass Adam und Eva zu Gott in den Himmel kämen, das war undenkbar. Selbst vor dem Sündenfall entsprachen sie nicht den Anforderungen des Himmels. Sie waren unpassend, weil sie nicht völlig dem Wesen Gottes entsprachen. Wie viel weniger ist das nach dem Sündenfall der Fall. Nun aber ist diese uneingeschränkte Gemeinschaft mit Gott möglich.

Gott will uns bei sich im Himmel haben. In dem Bereich seiner Gegenwart, in dem alles seinem Wesen entspricht. Gott ist Licht (1. Joh 1,5) und Gott ist Liebe (1. Joh 4,8), und deswegen muss dort alles von Licht und Liebe geprägt sein. Wenn Gott nun aber Menschen in seiner Gegenwart haben will, dann ist nichts weniger notwendig, als dass diese Menschen die Natur Gottes besitzen. Und genau dazu hat Gott uns auserwählt, dass wir „heilig und tadellos“ seien. Das ist nichts anderes als eine Beschreibung der neuen Natur, die Gott uns durch die neue Geburt gegeben hat (vgl. Joh 3,3–8). Somit konnte Petrus auch den Gläubigen schreiben, dass sie Teilhaber der göttlichen Natur geworden waren (vgl. 2. Pet 1,4).

Als der Herr Jesus auf der Erde war, war er das Licht, das alle Menschen erleuchtet (Joh 1,9). Das Ergebnis war, dass die Menschen den Herrn Jesus gehasst haben, weil ihre Werke böse waren (Joh 3,19.20). Das macht unmissverständlich deutlich, dass der natürliche Mensch für die Gegenwart Gottes nicht passend ist.  Nun aber hat Gott uns seine eigene Natur gegeben und uns somit fähig gemacht, in dem alles durchforschenden Licht Gottes zu bestehen. Wir dürfen ungehinderte, ungestörte Gemeinschaft mit ihm haben und das Ergebnis dieser Gemeinschaft ist unendliche Freude (vgl. 1. Joh 1,4).

Gott hat uns Menschen mit einem Herzen geschaffen. Er hat uns befähigt, Liebe zu empfinden und auch selber zu zeigen. Man möchte schon fast sagen, dass etwas fehlte, wenn wir nicht auch lesen würden, dass Gott uns auserwählt hat, dass wir heilig und tadellos seien vor ihm „in Liebe“. Der Schauplatz des Himmels ist nicht allein von der Heiligkeit Gottes geprägt, sondern eben auch durch und durch von seiner Liebe. Wir werden im Himmel vollkommen fähig sein, diese Liebe Gottes zu empfinden, und darüber hinaus werden wir auch diese Liebe erwidern.

Unser Vers hat uns zurück in die Vergangenheit schauen lassen, dorthin, wo es allein Gott gab und wo Gott es sich in sein Herz gefasst hat, dass du und ich einmal in einer Sphäre der Heiligkeit und der Liebe innigste Gemeinschaft mit ihm haben sollen. Heute schon besitzen wird diese neue Natur und sind damit heute schon dazu befähigt, Gemeinschaft mit Gott zu haben. Heute schon sind wir in Christus in die himmlischen Örter versetzt (vgl. Eph 1,3 und 2,6). Und doch lässt uns dieser Vers auch in die Zukunft schauen, wenn die volle Bedeutung von „heilig und tadellos vor ihm in Liebe“ zur Erfüllung kommen wird.

Wir mögen uns oft fragen, wie es wohl im Himmel sein wird. In unserem Vers bekommen wir einen Antwort darauf. Auf dieser Erde ist vieles noch von Schwachheit gekennzeichnet, und unser Leben oft alles andere als heilig und tadellos und oft wenig von Liebe geprägt. Wir befinden uns immer noch in dieser Welt, dem Bereich in dem Satan durch die Sünde regiert. Wenn es recht um uns steht, dann werden wir empfinden, wie das alles unsere neuen Natur „Tag für Tag quält“ (vgl. 2. Pet 2,7). Doch was für ein Gegensatz tut sich uns auf, wenn wir diese Erde verlassen! Was für ein schier unermessliches und unbeschreibbares Glück und Freude wird es dann einmal sein, wenn wir, mit verherrlichten Körpern, aus dieser bösen Welt herausgenommen, in einen Bereich versetzt werden, wo alles unserer göttlichen Natur entsprechen wird und wir für ewig die uneingeschränkte Gemeinschaft Gottes genießen werden.

Dafür hat Gott uns auserwählt. Die volle Erfüllung davon erfahren wir im Vaterhaus. Aber das darf uns nicht davon abhalten, uns heute schon mit diesen Dingen zu beschäftigen. Wir werden daraus Freude und Kraft schöpfen, solange wir hier noch auf der Erde sind, zu Gottes Ehre zu sein.

Friedemann Werkshage