Der Märtyrer William Hunter

Online seit dem 28.07.2021

Am 26. März 1555 wurde William Hunter – ein gottesfürchtiger Mann, der erst neunzehn Jahre alt war – zum Märtyrer. Er war bei einem Seidenweber in London in der Lehre. Im ersten Jahr der Herrschaft von Königin Mary befahl ihm sein Gemeindepfarrer bei der Ostermesse die Kommunion zu empfangen, was er verweigerte. Daraufhin schickte ihn sein Arbeitgeber vorübergehend weg.

Fünf oder sechs Wochen später nahm William eine Bibel in die Hand, die er in der Kapelle in Brentwood gefunden hatte, und begann, sie laut vorzulesen. Er wurde unterbrochen, als Pater Atwell in die Kapelle kam. „Machst du dich an der Bibel zu schaffen?“, fragte Atwell. „Weißt du, was du da liest? Kannst du die Schrift erklären?“

 „Ich maße mir nicht an, die heiligen Schriften zu erklären“, erklärte William. „Ich habe die Bibel hier gefunden und habe sie gelesen, um mich zu trösten.“

Pater Atwell kommentierte: „Es ist keine glückliche Welt mehr, seitdem die Bibel in englischer Sprache veröffentlicht wurde.“

„Sagen Sie das nicht! Es ist Gottes Buch, aus dem wir lernen und erkennen  können,  was Gott gefällt und was ihm missfällt.“

 „Wussten wir das nicht schon vorher?“

 „Nicht so gut wie jetzt, wo wir die Bibel zur Verfügung haben“, antwortete William. „Ich bete, dass wir sie immer bei uns haben.“

Pater Atwell wurde wütend. „Ich kenne dich! Du bist einer von denen, die die Gesetze der Königin nicht mögen. Deshalb hast du London verlassen. Wenn du dich nicht änderst, werden du und viele andere Ketzer schmoren!“

„Gott gebe mir die Gnade, seinem Wort zu glauben und seinen Namen zu bekennen, egal was passiert“, erwiderte William.

Atwell stürzte aus der Kapelle und rief zurück: „Ich kann nicht mit dir reden, aber ich werde jemanden finden, der es kann, du Ketzer!“

William blieb in der Kapelle und las weiter, bis Atwell mit dem Vikar von Southwell zurückkam. „Wer hat Ihnen die Erlaubnis gegeben, die Bibel zu lesen und zu erläutern?“, fragte der Vikar.

„Ich erkläre sie nicht, Sir“, antwortete William. „Ich lese sie nur zum Trost.“

„Warum müssen Sie das überhaupt lesen?“

„Ich werde die Bibel lesen, solange ich lebe. Sie sollten die Leute nicht davon abhalten. Man sollte sie ermutigen.“

„Sie wollen mir also sagen, was ich tun soll?“, murmelte der Vikar. „Sie sind ein Ketzer!“

„Ich bin kein Ketzer, nur weil ich die Wahrheit sage.“ Es folgten weitere Worte zwischen ihnen über das Sakrament der Kommunion, zu dem William seinen Standpunkt erklärte. Als er wieder beschuldigt wurde, ein Ketzer zu sein, antwortete er: „Ich wünschte, wir beide würden zu dem Scheiterhaufen gebracht werden, um zu beweisen, wer von uns seinen Glauben am längsten verteidigen würde. Ich glaube, Sie würden zuerst widerrufen.“

„Das werden wir sehen!“, erwiderte der Vikar und ging, um den Jungen zu melden.

Der Vikar marschierte direkt zu Master Brown, der Williams Vater und den örtlichen Polizisten hinzuzog und verlangte, dass Mr. Hunter seinen Sohn suchen sollte, da William nach seiner Auseinandersetzung mit dem Vikar klugerweise die Stadt verlassen hatte. Mr. Hunter ritt zwei oder drei Tage durch die Gegend lang, um Brown zu beruhigen. Plötzlich traf er auf seinen Sohn. Er sagte, er solle sich verstecken; er würde zurückgehen und sagen, er könne ihn nicht finden.

„Nein, Vater“, sagte William, „ich werde mit Ihnen nach Hause gehen, damit Sie keinen Ärger bekommen.“ Sobald sie in der Stadt ankamen, wurde William verhaftet und vor Brown gebracht, der sich mit ihm über die Transsubstantiation stritt. William war so fest in seinem Glauben, dass er Brown erzürnte und dieser ihn zu Bischof Bonner nach London schickte.

William wurde in London für zwei Tage an den Pranger gestellt, nur mit einer Kruste Schwarzbrot und einem Becher Wasser gefüttert, bevor er sich vor dem Bischof verteidigte. Als er mit dem Jungen nicht weiterkam, befahl Bonner, ihn ins Gefängnis zu sperren, mit so vielen Gängeleien und Quälerei, wie er ertragen konnte.

„Wie alt bist du?“, fragte er William.

„Neunzehn.“

„Nun, du wirst verbrannt sein, bevor du zwanzig bist, wenn du es nicht besser machst als heute!“

William verbrachte neun Monate im Gefängnis und erschien sechsmal vor dem Bischof. Am 9. Februar wurde er verurteilt. An diesem Tag machte der Bischof William sein letztes Angebot: „Wenn du widerrufst, mache ich dich zum freien Mann und gebe dir vierzig Pfund, um ein Geschäft zu eröffnen. Oder ich mache dich zum Verwalter meines Hauses. Ich mag dich. Du bist klug, und ich sorge für dich, wenn du widerrufst.“

William antwortete: „Danke, aber wenn du mich nicht durch die Schrift umstimmen kannst, kann ich mich nicht aus Liebe zur Welt von Gott abwenden. Ich zähle alle weltlichen Dinge nur als Verlust und Dreck, verglichen mit der Liebe Christi.“

„Wenn Sie in diesem Glauben sterben“, fuhr der Bischof fort, „werden Sie für immer verdammt sein.“

„Gott richtet gerecht und rechtfertigt diejenigen, die der Mensch zu Unrecht verurteilt“, antwortete William.

William wurde für einen Monat ins Newgate-Gefängnis zurückgeschickt und dann zur Verbrennung nach Hause nach Brentwood gebracht. Als seine Eltern ihn dort besuchten, ermutigten sie ihn, treu zu bleiben, und sagten, sie seien froh, einen Sohn zu haben, der bereit sei, um Christi willen zu sterben.

Auf dem Scheiterhaufen bat William die umstehenden Leute, für ihn zu beten. Master Brown höhnte: „Für dich beten? Ich würde eher für einen Hund beten!“

„Ich vergebe dir.“

„Ich bitte Sie nicht um Verzeihung!“, schrie Brown.

Als er einen Priester mit einer Bibel auf sich zukommen sah, rief William: „Geh weg, du falscher Prophet! Hütet euch vor ihnen, Leute! Sonst werdet ihr teilnehmen an ihren Plagen.“

Der Priester antwortete: „Wie du hier brennst, so wirst du in der Hölle brennen.“

„Du lügst, du falscher Prophet!“ William rief: „Verschwinde von hier!“

Ein Mann aus der Menge meldete sich zu Wort: „Ich bete, dass Gott seiner Seele gnädig sei.“

„Amen, amen“, antwortete die Menge.

Als das Feuer angezündet wurde, warf William seinen Psalter zu seinem Bruder. „William“, rief sein Bruder, „denke an die heiligen Leiden Christi. Hab keine Angst vor dem Tod.“

„Habe ich nicht.“ William hob seine Hände zum Himmel und sagte: „Herr, Herr, Herr, nimm meinen Geist auf.“ Seinen Kopf in den Rauch werfend, gab William Hunter sein Leben für die Wahrheit auf und besiegelte sie mit seinem Blut zum Lob Gottes.

[Frei übersetzt aus dem Englischen]