Der Heilige Geist (04) - Eine Wasserquelle

Online seit dem 01.10.2011, Bibelstellen: Johannes 4,1-42

In Johannes 4 wird der Geist Gottes bildlich vorgestellt. Der Herr Jesus spricht von Ihm als von einer Wasserquelle in dem Gläubigen, die ins ewige Leben quillt.

Es ist beachtenswert, dass Er diese Belehrung nicht einem Pharisäer in Jerusalem gab, sondern einer samaritischen Frau am Brunnen von Sichar. Dem Pharisäer sagte Er die ernsten Worte: „Du musst von neuem geboren werden.“ Und dann entfaltet Er die Bedeutung der neuen Geburt und der göttlichen Person, durch die sie bewirkt wird.

Hier sind die Umstände ganz anders. Für einen Moment wird der Herr außerhalb des Bereichs des Judentums inmitten der verachteten Samariter gesehen. Warum? Wegen der Feindschaft des jüdischen Herzens. Er wusste, dass sie bemerkt hatten, dass seine Jünger viele Nachfolger tauften. Er wusste, dass das ihre Feindschaft hervorrufen würde. Deshalb entfernte Er sich aus ihrer Mitte. Er ging Richtung Galiläa und „musste“ durch Samaria ziehen. Dort begegnete Er der Frau und brachte ihrer Seele Segen, was auch in Segen für viele andere mündete. Wenn einige seine Gnade ablehnen, trocknen sie damit den Strom nicht aus, sondern leiten ihn nur um: andere empfangen die Gnade.

In gewisser Weise ist das ein Bild der Position des Herrn heute. Er ist von Israel entfernt, weil sie Ihn abgelehnt haben und Er zeigt seine Gnade den Fremden. Hier kommen wir ins Spiel. Es ist eine liebliche Szene. Ein ermüdeter Mann – und doch gleichzeitig Gott offenbart im Fleisch – bittet eine samaritische Frau um etwas zu trinken. Warum? Nur um die eigenen Bedürfnisse zu stillen? O nein, Er sah ihre Bedürfnisse und wollte sie stillen aus der Fülle seiner Gnade. Sie hatte die Welt erprobt, hatte aber keine Ruhe für ihren Geist gefunden. Sie hatte tiefer ausgekostet als die meisten anderen, aber es hatte sich alles als Eitelkeit und Verdruss für den Geist erwiesen. Auf Schritt und Tritt hatte sie Tod im Topf gefunden.

Dann begegnet der Herr ihr. Er beginnt freundlich und gnädig: „Gib mir zu trinken“ – Worte, so wunderbar wie: „Es werde Licht.“ Der ewige Sohn erbittet etwas zu trinken von einer Ausgestoßenen. Sie war überrascht. Für sie war Er ein Jude – sie eine Samariterin. Die zwei verkehrten nicht miteinander. Die Juden hasten die Samariter als Nachahmer ihres Gottesdienstes und als Fremde in ihrem Land. Er antwortete: „Wenn du die Gabe Gottes kenntest, und wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken, so würdest du ihn gebeten haben, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben“ (Joh 4,10). „Die Gabe Gottes!“ Welch eine Botschaft für den Sünder! Nicht das Gesetz Gottes, das nur fordert und alle verflucht, die seinen Anforderungen nicht genügen, sondern Gott offenbart als Geber. „Geben ist seliger als Nehmen.“ Das ist eins der ersten und größten Prinzipien des Christentums. Kennst du Ihn so, lieber Leser? Oder betrachtest du Ihn als einen strengen Mann, der erntet was Er nicht gesät und sammelt was Er nicht ausgestreut hat (Mt 25,24)? Wenn ja, bist du für unseren Gott ein Fremder. Es gefällt Ihm zu geben, Er hat seinen Sohn gegeben, Er gibt allen, die glauben, ewiges Leben und überhaupt alles (Joh 3,16; Rö 4,23; Rö 8,32).

Und kennst du den Sohn? Der Herr sagt: „... und wer es ist ...“ Sie wusste es nicht. Sie sah in Ihm nur einen Juden, bis Er sich Ihr als der Herzerforscher offenbart. Das sind zwei wesentliche Grundsätze des Christentums: Gott offenbart als der Geber und die Kenntnis des eingeborenen Sohns.

Der Herr spricht von der Gabe des lebendigen Wassers; die Frau verstand es nicht. Sie war so voll von irdischen Dingen, dass sie sich nicht darüber erheben konnte. Sie sprach von dem Brunnen, seiner Tiefe und dem Schöpfgefäß, das Ihm fehlte. Wie war ist es, dass der natürliche Mensch nicht annimmt, was des Geistes Gottes ist (1. Kor 2,14). Er sprach von der Gabe des Heiligen Geistes, die bald das kostbare Teil aller sein würde, die in seinen Namen glaubten. Das ist etwas anderes als lebendig machen. Zuerst wirkt Er an dem Menschen und pflanzt das neue Leben ein, wie Johannes 3 zeigt. Dann, nachdem das Evangelium geglaubt wurde, nimmt Er Wohnung in dem Menschen, und das für immer. Das ist spezifisch christlich. Der Geist wurde demnach nicht verliehen bevor Jesus verherrlicht war, auch wenn er von Beginn an in Menschen gewirkt hat. Wir leben in einer wunderbar bevorzugten Zeit. Möchten alle Herzen das erfassen! Nach vollbrachter Erlösung ist der Sohn nun im Himmel, verherrlicht als Mensch zur Rechten Gottes, und der Geist ist hier, die unbezahlbare Gabe Gottes an alle, die aufrichtig an den Namen des Herrn Jesus glauben.

Wir wollen weitergehen. „Wer irgend aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt.“ Ein durstiger Christ ist ein unnormaler. Der Geist besiegelt uns Fülle und Segen. Sein Herabkommen aus der Herrlichkeit, wohin Christus gegangen ist, ist unsere Sicherheit, dass unsere Sünden weggetan sind, die Gerechtigkeit vollendet ist, wir bei Gott angenommen und Söhne des Vaters sind, und dass wir freien Zugang zu der Gegenwart Gottes im Himmel haben. All das, was in früheren Zeiten nur verheißen war, wie Gerechtigkeit, Heil, etc., ist jetzt unser Teil. Das Werk ist vollbracht, der Heilige Geist ist gekommen, alles ist gutgemacht für die Seele derer, die glauben. Wie können wir da noch Durst haben? Ich finde manchen Durst in den Psalmen und Propheten, aber ich finde dort nicht die eigentlich christliche Erfahrung. Es ist die Sprache von Seelen unter Gesetz, vor dem Erlösungswerk und vor der Erfüllung der Verheißungen der Gnade Gottes. Für die, die mit dem Geist Gottes versiegelt sind, bleiben keine Wünsche offen. Sie dürfen einfach und völlig genießen, was ihnen geschenkt ist.

Noch mehr: der Herr spricht von einer Quelle Wassers, die ins ewige Leben quillt. Das ist der Geist, der als lebendige Kraft in dem Gläubigen wirkt. So wie Wasser immer auf sein eigenes Niveau steigt, erhebt sich der neue Mensch, geleitet durch den Heiligen Geist, immer zu Gott. Zu welchen heiligen Diensten wären wir ohne den Heiligen Geist in der Lage? Er ist die Kraft der Anbetung. Er erhebt die Seele über die Systeme von Jerusalem und Gerisim, hin zu dem Vater (wo Er ist), in Anbetung in Geist und Wahrheit. Der Vater sucht Anbeter. Wunderbarer Gedanke! Einst suchte Er Sünder. Nachdem Er uns als solche gefunden hat, sucht Er uns in einer neuen Weise. Haben wir eine Antwort?

Der Geist ist die Kraft des Gebets. „Wir wissen nicht, was wir bitten sollen, wie sich's gebührt“, daher lesen wir vom „Beten im Heiligen Geist“ (Rö 8,26; Jud 20). Er macht sich mit uns in all unseren Umständen eins, formt unsere Gedanken und macht unsere Gebete und Fürbitten passend.

Zum Schluss die Frage: Wie könnten wir ohne Ihn Frucht bringen (Gal 5,22)? Oder wie könnten wir wirkungsvoll dienen ohne seine Kraft (Rö 15,19)? In jeder Weise wirkt Er in uns auf der Erde, um uns dem Vorbild Christi ähnlicher zu machen, damit wir hier zu seiner Ehre sein können.

W.W. Fereday