Die große Glaubenstat Abrahams (08)

Online seit dem 19.04.2017, Bibelstellen: 1. Mose 22,7-8

Ein schweigsamer Gang

„Und Isaak sprach zu seinem Vater Abraham und sagte: Mein Vater! Und er sprach: Hier bin ich, mein Sohn. Und er sprach: Siehe, das Feuer und das Holz; wo aber ist das Schaf (oder Lamm) zum Brandopfer?“ (1. Mo 22,7)

Es scheint ein schweigsamer Gang von Vater und Sohn nach Morija gewesen zu sein. Nicht viele Worte zwischen den beiden werden uns überliefert. Doch auf einmal unterbricht Isaak die Stille mit einer Frage. Er sieht das Feuer und das Holz, doch er stellt fest, dass das Wichtigste fehlt: das Schaf (oder Lamm) zum Brandopfer. Die Frage nach dem Schaf zum Brandopfer hat eine weitreichende prophetische Bedeutung.

Wo ist das Schaf zum Brandopfer?

Diese Frage ging gleichsam durch die Jahrhunderte – und blieb doch Jahrhunderte lang ohne endgültige Antwort. Wo war das wahre Schaf zum Brandopfer, das in der Lage sein würde, Gott vollkommen zu verherrlichen und Ihn in Bezug auf die Sünde endgültig zu befriedigen? Wo war das Lamm, das fähig sein würde, Sünden zu sühnen und dabei den heiligen und gerechten Ansprüchen Gottes völlig zu genügen? Bis zum Kommen Christi vermochte niemand diese Frage gottgemäß zu beantworten. Und dabei bedurfte der in Sünde gefallene Mensch doch gerade dieses Lammes, um dem ewigen Gericht Gottes entgehen zu können. Doch kein Geschöpf war in der Lage, das wahre Opferlamm zu stellen.

Und was war mit den Schlachtopfern des alten Bundes? Hatte nicht Gott selbst sie angeordnet? Konnten sie Sünden etwa nicht wegnehmen? Der Hebräerbrief macht deutlich, dass sie niemals Sünden wegnehmen konnten. Sie waren bestenfalls ein Erinnern an die Sünden (vgl. Heb 10,3.4.11). Sie glichen Schatten – wo aber war der Körper (vgl. Kol 2,17)? Wo war das Lamm, das Sünden wegnehmen konnte? Die Lage war aussichtslos, bis das wahre Lamm Gottes schließlich auf diese Erde kam. Als Johannes der Täufer Jesus sah, konnte er ausrufen: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!“ (Joh 1,29). Und ein wenig später: „Siehe, das Lamm Gottes!“ (Joh 1,36). Hier fand die Frage Isaaks eine endgültige, vollkommene und gottgemäße Antwort. Gott sei Dank dafür!

Gott wird sich ersehen

„Und Abraham sprach: Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer, mein Sohn. Und sie gingen beide miteinander.“ (1. Mo 22,8)

Im Blick auf das Schaf zum Brandopfer vertraute Abraham voll und ganz auf Gott. Obwohl es äußerlich betrachtet keinerlei Anzeichen für ein Eingreifen Gottes gab, rechnete er fest damit. Gott würde sich das passende Schaf zum Brandopfer ersehen. Wir staunen über den Weitblick und die Kühnheit seines auf Gott gegründeten Glaubens. In diesem unerschütterlichen Glauben setzten Vater und Sohn ihren gemeinsamen Weg fort.

Wie die Frage Isaaks, so ist auch die Antwort Abrahams von weitreichender prophetischer Bedeutung: „Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer.“ Schon vor Grundlegung der Welt war der Herr Jesus zuvor erkannt als das Lamm Gottes (1. Pet 1,20; vgl. 2. Mo 12,6). Noch bevor der Mensch in Sünde gefallen war, hielt Gott das Mittel zu seiner Errettung schon bereit. Als die geeignete Zeit dann gekommen war, wurde der Herr Jesus als das Lamm ohne Fehl und ohne Flecken auf dieser Erde offenbart und von Gott bestätigt (vgl. Mt 3,16.17; Joh 1,29.36). Schließlich hat Er sich selbst am Kreuz ohne Flecken Gott zu einem duftenden Wohlgeruch geopfert (Eph 5,2; Heb 9,14).

Als das von Gott ausersehene Opferlamm ist der Herr Jesus auch das Sühnmittel, das Gott zur Errettung verlorener Sünder gegeben hat (Röm 3,25). Er ist der einzige von der Schrift ausgewiesene Weg, um mit Gott ins Reine zu kommen. Ein anderes Heilmittel, einen anderen Weg gibt es nicht (Joh 14,6; Apg 4,12). Jeder von Menschen ersonnene Weg – mag er auch noch so die religiösen Gefühle des Menschen ansprechen – wird sich früher oder später als Irrweg erweisen, der nicht im Himmel, sondern in der Hölle endet. Nein, was der Mensch nicht tun konnte, hat Gott im Herrn Jesus getan (vgl. Röm 8,3). Gott hat sich in Ihm das Lamm zum Brandopfer ersehen. Alles, was der Ratschluss Gottes zu seiner Verherrlichung und zu unserer Errettung vorsah, hat der Herr Jesus am Kreuz erfüllt. Wie dankbar dürfen wir sein, dass unsere Errettung sich nicht auf das gründet, was wir getan haben, sondern allein auf das, was Er getan hat. Und wie wunderbar, dass Er es getan hat (vgl. Ps 22,32)!

Daniel Melui