Der Brief an die Kolosser (09) - Kapitel 2,16-23

Online seit dem 24.11.2013, Bibelstellen: Kolosser 2,16-23

„So richte euch nun niemand wegen Speise oder wegen Trank oder hinsichtlich eines Festes oder Neumondes oder von Sabbaten“ (Vers 16)

In diesem Vers kommen wir zu der dritten Warnung nach Vers 4 („Niemand verführe euch“) und Vers 8 („Niemand führe euch weg“). Hier heißt es nun: „Niemand richte euch“, d.h. beurteile oder verurteile euch. Keine einzige Person hat das Recht, euch zu richten oder zu verurteilen, wenn ihr feststeht und diese jüdischen Verordnungen nicht haltet.

Alle diese Vorschriften hatten in der Gestalt der Handschrift ihr Ende gefunden, es gibt keine Anwendung des Gesetzes auf Gläubige in der heutigen Zeit. Für uns ist der Sinn dieser Vorschriften darin zu sehen, dass sie Schatten sind. Und das ist der Hauptschlüssel für das Verständnis des Alten Testaments; es sind Schatten von dem, was wir heute in der Realität durch den Herrn Jesus haben, es sind Bilder christlicher Wahrheiten.

Bei Speisen denken wir an die Verordnungen über die reinen und unreinen Tiere (3. Mo 11), wo vorgeschrieben wurde, was Israel essen durfte und was nicht. Es ist ein Schatten – und manchmal sind diese Schatten sogar präziser als das, was wir über diese Einzelheiten im Neuen Testament finden – von dem, was uns heute verunreinigt. Bei Trank haben wir im Alten Testament nur eine einzige Anordnung im Gesetz des Nasiräers (4. Mo 6), er durfte keinen Wein trinken. Bei den Festen denken wir an 3. Mo 23, wo uns die sieben Feste des Herrn einen Überblick über die gesamte Geschichte der Welt vom Standpunkt Gottes aus gesehen geben. Oder auch der große Versöhnungstag in 3. Mo 16, ein wunderbarer Schatten von dem, was auf Golgatha im Blick auf Sühnung und Stellvertretung geschehen ist. Über Neumonde wird nur ganz wenig gesagt (4. Mo 10,10); es ist ein Bild von der Wiedererweckung Israels, einer geistlichen Entwicklung – bei Neumond ist Finsternis, kein Mond scheint. Sabbate reden von der Ruhe Gottes nach der Arbeit (Heb 4), und die größte Wirklichkeit dieses Bildes ist das 1000-jährige Reich.

„…die ein Schatten der zukünftigen Dinge sind, der Körper aber ist des Christus“ (Vers 17)

All diese alttestamentlichen Dinge sind wunderbare Vorbilder, aber eben nur Schatten. Die Wirklichkeit, von der sie sprechen, ist durch die Person und das Werk des Herrn Jesus offenbar geworden. Der Körper meint nicht einen stofflichen Körper, sondern eine Totalität, ein Ganzes. Also nicht der Körper des Herrn Jesus ist hier gemeint, sondern die Realität, die durch diese Schatten als eine Ahnung des Vollkommenen angedeutet wurden (vgl. Heb 10,1). Wenn man einen Schatten sieht, kann man ahnen, was als Körper dahintersteht, aber man erkennt es erst, wenn man die Person selber sieht. Und nicht nur der Herr Jesus in Seiner Person ist hier gemeint, sondern alles das, was Er uns offenbart hat, die Totalität des Systems Christus. Wir wollen uns deshalb ermuntern, uns mit diesen Schatten zu beschäftigen und sie zu untersuchen – aber nur indem wir immer die Verbindung mit dem Herrn Jesus vor Augen haben. Dann werden sie uns wunderbare Schönheiten und Einzelheiten der neutestamentlichen Wirklichkeit zeigen.

Nachdem nun die Wirklichkeit gekommen ist, was hat es dann noch für einen Sinn, sich zu den Schatten zurückzuwenden? Was hätte es z.B. für einen Sinn, wieder buchstäblich Speisevorschriften einzuhalten? Die wirkliche Nahrung in der Person des Herrn Jesus ist da, warum sollten wir uns dann an die buchstäblichen Speisevorschriften von 3. Mo 11 halten? Die Zielrichtung der Belehrung ist also, dass wir nicht zurückgehen sollen zu den Schatten (Gal 4,9), sondern uns mit der Wirklichkeit beschäftigen sollen.

Ein Schatten hat keine Substanz; die Substanz finden wir in Christus und allem, was Er uns gebracht hat. Das eigentliche Wesen des Christentums steht hier im Gegensatz zu dem Schatten des Judentums. Diese Dinge waren Abbilder der Dinge in den Himmeln (Heb 8,5; 9,23); sie haben ihren Wert, sie waren sogar von Gott verordnet und deshalb nicht etwa etwas Schlechtes, nur ihre buchstäbliche Anwendung heute wäre total falsch.

Wie sieht es mit unseren sog. christlichen Festen aus? Wir Christen haben keine Tage, keine speziellen Tage, die wir begehen müssten. Auch Weihnachten ist eine Erfindung der Menschen, und alles lenkt weg von der Substanz. Wir müssen uns daran erinnern lassen, dass wir heute keine Festtage haben. Auf dieser Erde, die von Satan beherrscht wird, gibt es für den Christen keine wirklichen Feste! Wir feiern übrigens auch nicht den Sonntag, aber der Sonntag ist der Tag des Herrn, und wir begehen ihn mit allem Ernst. Wir dürfen an diesem Tag zusammenkommen und den Tod des Herrn verkündigen – und das ist etwas Gewaltiges. Aber es ist keine Feier, es ist auch keine Feier des Abendmahles, wir sollten uns so nicht ausdrücken. Wir denken in allem Ernst an einen gestorbenen Christus – mit bitteren Kräutern! Und der Tag des Herrn ist auch kein Gebot; der Sabbat war ein Gebot für das irdische Volk, der Tag des Herrn ist ein Vorrecht, das uns Gott gibt. Nehmen wir dieses Vorrecht immer wahr? Verbringen wir diesen Tag, als gehöre er wirklich dem Herrn?

„Niemand bringe euch um den Kampfpreis, der seinen eigenen Willen tut in Demut und Anbetung der Engel, indem er auf Dinge eingeht, die er nicht gesehen hat, grundlos aufgebläht von dem Sinn seines Fleisches“ (Vers 18)

Mit den Versen 16 und 17 wird der jüdische Aspekt abgeschlossen (siehe Vorbemerkung zu den Versen 8 bis 23). Hier folgt nun nach Vers 4 (allgemeiner Art), Vers 8 (wg. Philosophie) und Vers 16 (wg. jüdischer Gesetzlichkeit) eine weitere Ermahnung hinsichtlich okkulter Dinge. Und ab Vers 20 haben wir dann wieder andere Dinge vor uns, die auch nicht unter die Schatten des Judentums fallen, es ist das Asketentum. Zuerst warnt Gott also vor Philosophie, dann kommen diese jüdischen Elemente, dann hier diese okkulten, mystischen Dinge, und ab Vers 20 dann das Asketentum – eine deutliche Gliederung.

Hier wird ein Bild gebraucht, wo jemand auf der Kampfbahn läuft, und wo auf und neben der Kampfbahn Menschen und Einflüsse sind, die den Läufer daran hindern wollen, den Sieg zu erringen. Was uns um den Kampfpreis (1.Kor 9,24; Phil 3,14) bringen kann, sind unautorisierte und negative Einflüsse auf den Wettläufer. Wir sind ständig von Menschen mit solchen Einflüssen umgeben, die uns jeden Tag und immer wieder auf eine neue Art und Weise hindern wollen, den Kampfpreis zu gewinnen. Der Kampfpreis hier ist nicht die ewige Errettung, sondern es geht darum, dass wir von dem, was wir für den Herrn tun können und wollen, abgebracht werden und dadurch keinen Lohn, keinen Kampfpreis erhalten. Der Kampfpreis ist der Genuss an all dem, was wir in dem Herrn Jesus genießen können.

Diese Menschen haben immer ein klares Ziel vor Augen. In Vers 8 war das Ziel, uns als Beute wegzuführen; in Vers 16 war das Ziel, uns zu richten oder zu beurteilen; hier ist es das Ziel, uns um den Kampfpreis zu bringen, uns zu disqualifizieren. Das ist die dahinter stehende Absicht; man will den Christen von seiner Orientierung auf das Ziel hin abbringen, ihm sein Ziel verrücken. Diese Leute haben die Absicht, uns von Christus wegzubringen, uns mit anderen Dingen zu beschäftigen und diese aufzunehmen. Dadurch verletzen wir allerdings die Kampfregeln und werden disqualifiziert. Das Ergebnis ihrer Wirksamkeit ist also, dass wir den Kampfpreis verlieren.

Hier sind diese Dinge scheinbare Demut und Anbetung der Engel. Es liegt eine Veranlagung in uns Menschen, Wesen Anbetung zu bringen, die nicht Gott sind. Selbst der Apostel Johannes war zweimal in dieser Gefahr (Off 19,10; 22,8+9). Was muss in ihm vorgegangen sein, dass er sich vor dem Engel niederwerfen wollte? Es muss eine gewaltige Erscheinung gewesen sein. Aber die nicht gefallenen Engel nehmen keine Anbetung von Menschen entgegen. Aber Satan macht sich diese Neigung in uns Menschen zu Nutze und lenkt die Anbetung in eine völlig falsche Richtung. Für Anbetung wird hier ein schwächeres Wort als sonst im Neuen Testament gebraucht, es bedeutet soviel wie Verehrung; die Gefahr fängt also nicht erst an bei der eigentlichen echten Anbetung, sie fängt schon an bei der Verehrung der Engel. Allein der Umstand, dass man Engel in Anspruch nimmt, ehrt sie – und sie werden es sich bitter bezahlen lassen! Verehrung gebührt allein Gott und dem Herrn Jesus – und keinen Engeln und auch keinen Brüdern! Als der Herr Jesus als Mensch hier über die Erde ging, sehen wir Menschen, die vor Ihm niederfallen, und der Herr lässt es geschehen – weil Er Gott ist!

Der eigentliche Motor für diese Dinge ist der Eigenwille. Diese Menschen tun nicht Gottes Willen, auch wenn sie es vielleicht vorgeben, und sie handeln dabei ganz bewusst (siehe Fußnote). Der Irrtum kommt nicht einfach irgendwie daher, sondern er kommt mit ganz bewusster Absicht. Wie schwer ist das oft zu erkennen, wo auch in religiösen Bereichen Einflüsse wirksam sind, wodurch auch geistliche Geschwister dazu gebracht werden, ungeistlich zu werden und sich vom Eigenwillen lenken und leiten zu lassen – und dadurch um den Kampfpreis gebracht werden. Und es ist Eigenwille, den wir in der gesamten Christenheit heute in großem Maß fortschreitend sehen; in kaum einer Hinsicht unterwirft man sich noch in wahrer Demut und wahrem Gehorsam dem Wort Gottes, lässt sich von dem Heiligen Geist leiten und hat vor allen Dingen nur eins vor Augen: die Verherrlichung des Herrn Jesus. In diesem Eigenwillen werden religiöse Formen eingeführt, die scheinbar von großer Demut zeugen, aber in Wirklichkeit nur eins tun: den wahren Christen um seinen Kampfpreis bringen, sie im praktischen Leben von dem Haupt, dem Herrn Jesus, abzuziehen. Diese scheinbare Demut ist also nur zur Schau gestellt, nicht echt, sondern Heuchelei. Scheinbare Demut ist in Wirklichkeit nichts anderes als Hochmut.

Hört es sich nicht sehr demütig an, wenn jemand sagt: Gott ist so groß, deshalb werde ich besser nicht direkt zu Gott beten, ich tue das über die Engel, ich wende mich an Heilige. Klingt das nicht demütig? Aber es ist uns nicht erlaubt, so etwas zu tun. Bruder Kelly hat einmal gesagt: Engel haben es mit uns zu tun, aber nicht wir mit den Engeln. Diese scheinbare Demut ist also absolute Anmaßung und Hochmut! Aufrichtigkeit und Demut kann ohne Unterwerfung unter Gottes Wort sein, und dann nützt sie nichts. Wir alle haben Männer gekannt, die Zeichen echter Demut und Niedriggesinntheit zeigten – und uns doch ganz verkehrte Dinge gebracht haben. Wir dürfen also nicht nur abstellen auf die Art und Weise, wie jemand auftritt; wir müssen unbedingt auch sehen, was sie bringen, und was sie nicht bringen.

Wer sich in diesen Bereich des Mystischen, des Okkulten hineinbegibt, der kommt letztlich mit Dingen in Verbindung, die er nicht versteht, die er nicht gesehen hat. Es ist ein Bereich, in den wir nicht vordringen dürfen. Und so wie dieser Bereich damals eine Gefahr für die Kolosser war, so ist es auch heute eine nicht zu unterschätzende Gefahr für uns! Mit solchen Dingen durfte man damals nicht spielen, und mit solchen Dingen dürfen wir auch heute nicht spielen. Sie setzen andere Dinge oder Personen an den Platz, der allein Christus gehört.

Wir müssen in diesem Vers auch an Spiritismus denken. Der Spiritismus durchsetzt die ganze Christenheit. Hinter der Oberfläche, hinter der Marien-Verehrung werden sehr böse Praktiken ausgeübt. Und sie binden die Menschen an sich. Spiritismus, Okkultismus ist eine gewaltige Gefahr! Auch die ganze Wahrsagerei mit ihren Horoskopen, der Aberglaube. Man will in die unsichtbare Welt hineinschauen und daraus Kenntnis gewinnen. Aber das ist die Kenntnis des Teufels. Auch der König Saul begab sich gegen Ende seines Lebens mal in dieses Gebiet hinein (1. Sam 28,7 ff.). Es ist ein absolut böses Feld, was hier beschrieben wird. Wenn wir so etwas nachgeben, dann halten wir das Haupt nicht fest; wenn wir die Kampfregeln verletzen, sind wir die Verlierer, und das ist es, was der Teufel will.

Christian Fürchtegott Gellert hat gesagt: „Wer dem Glauben die Tür versagt, dem steigt der Aberglaube durchs Fenster“. Wenn wir das Haupt nicht festhalten, genau dann kommen diese anderen Dinge.

Wenn wir als Gläubige nicht aufpassen, sind wir nicht gewappnet, in die Fänge solcher okkulten Einflüsse zu geraten. Das geht manchmal schneller als wir denken. Wenn wir die Macht Satans in Anspruch nehmen, z.B. in der Wahrsagerei, um eine gewisse Sicht zu bekommen, dann kommen wir auch als Christen unter einen Bann, der mächtiger ist als wir uns vorstellen können. Wenn das nicht durch ein Bekenntnis vor Gott und Menschen aus der Welt geschafft wird, wird es in seiner Wirkung gefährlich bleiben – es ist gegen die Kampfregeln, ganz eindeutig. Und es ist oft die Neugierde, die etwas Unsichtbares sehen will, aber sie hat schon manchen auf dieses gefährliche Feld gebracht. In Afrika ist oft im Blick auf die Macht Satans gesagt worden, dass der Christ unter einer Hochspannungsleitung lebt. Und diese Hochspannungsleitung tut uns nichts, solange wir sie nicht anfassen. Aber wehe, wir berühren sie! Die Hand krampft zu und wir können nicht mehr loslassen. Wir können diese Dinge nicht nur mal berühren und dann wieder folgenlos loslassen! Der Herr möge uns davor bewahren.

Wir dürfen bei diesen Gefahren auch nicht nur an den religiösen oder kirchlichen Bereich denken. Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass die Ausbreitung dieser Dinge auch in die Bereiche der Wirtschaft, der Medizin und Gesundheitswesen, sogar in das Schulwesen schon stattgefunden hat. Der Dämon der heutigen Zeit heißt Erfolgsmaximierung; in Führungskräfte-Seminaren und Moderatoren-Schulungen werden Verhaltensweisen vermittelt, wie man anderen die eigene Sichtweise aufzwängen kann; der ganze Management-Bereich der Wirtschaft ist verseucht von diesem Gedankengut. Und in all diesen Bereichen beginnt es meistens mit Entspannungsübungen wie Yoga, einer asiatischen Religionsübung, mit denen sich die Menschen in Trance versetzen und in unsichtbare Welten eintreten, das ist der Einstieg in die okkulte Welt.

Und unsere Kinder sind in den Schulen schon diesen Dingen ausgesetzt. Manchmal fängt es damit an, dass schon an Grundschulen diese Dinge in freiwilligen AGs angeboten werden, Entspannungs- und Ruhe-Übungen, Meditation. Beim Meditieren verliert man sich selbst, die Selbstbeherrschung (Gal 5,22) wird aufgegeben. Diese Meditation geschieht im leeren Raum. Die Kinder müssen sich alle auf den Boden legen und an nichts denken, bis dann die Erleuchtung kommen soll. Und oft können dann die Lehrer die Kinder nicht mehr richtig in die Gegenwart zurückholen. In weiterführenden Schulen wird im Unterricht okkulte Literatur behandelt. Wir müssen ein wachsames Auge haben auf das, was an unsere Kinder herangetragen wird. Sie können sogar in Unruhe und Angst kommen, weil sie erfahren, dass da eine Macht dahinter steht. Der Griff nach unseren Kindern ist eminent stark; und wir müssen dabei auch an Spielzeug denken, an Jugend-Zeitschriften, an Literatur wie z.B. Harry Potter. Aber wir müssen nicht in Angst kommen, denn der in uns ist, ist stärker, als der, der in der Welt ist (1. Joh 4,4). Der Herr wird auch unsere Kinder bewahren, aber wir müssen das Schilfkästchen gut verpichen; die Wasser des Nils sind gewaltig, aber in verpichten Kästchen können sie unbeschadet hindurchkommen (2. Mo 2,3). Wir müssen wahrlich keine Angst haben, aber wir dürfen nicht meinen, wir könnten spielen mit diesen Dingen.

Was sollen Eltern tun, wenn die Kinder in den Schulen mit solchen Dingen konfrontiert werden? Es gibt kein Schema F in diesen Dingen. Aber man muss sie ernst nehmen. Wir müssen uns vom Herrn Weisheit erbitten, wie wir darauf reagieren sollen. Man muss nicht immer gleich auf die Barrikaden gehen, manchmal gibt der Herr einen anderen Weg. Wenn unsere Kinder aufgefordert werden, an nichts zu denken, können wir ihnen raten, in dieser Situation an den Herrn Jesus zu denken. Wenn wir immer gleich zum Lehrer gehen, müssen wir damit rechnen, dass unsere Kinder das manchmal ausbaden müssen. Wir sollten nicht vorschnell und in Unabhängigkeit vom Herrn handeln, sondern nur in Gemeinschaft mit Ihm. Daniel hat nicht protestiert und das Essen des Königs vom Tisch gekippt, sondern hat um die Gnade gebeten, sich nicht verunreinigen zu müssen (Dan 1). Nur in dieser Haltung können wir unseren Kindern eine wirkliche Hilfe sein. Das kann mal in Form eines Briefes an den Klassenlehrer sein, oder auch durch ein Gespräch, oder durch eine Position in einem Elternabend, wo wir als Brüder auch überlegen müssen, ob wir da regelmäßig immer nur unsere Frauen hinschicken können. Und es gibt auch Bewahrungsmittel für gläubige Eltern und Kinder: ein großes Bewahrungsmittel ist das Gebet, und ein weiteres großes Bewahrungsmittel ist, sich frühzeitig als ein Eigentum des Herrn Jesus zu erkennen zu geben.

Am Ende dieses Verses wird noch einmal deutlich, dass es sich bei der scheinbaren Demut dieser Verführer eigentlich um genau die entgegengesetzte innere Haltung handelt, sie sind grundlos aufgebläht von dem Sinn ihres Fleisches. Sie handeln im Eigenwillen und sind grundlos aufgebläht, d.h. sie handeln in absoluter Anmaßung. Gottes Wort warnt uns immer wieder davor, dass wir uns nicht aufblähen sollen (z.B. 1. Kor 8,1).

„…und nicht festhaltend das Haupt, aus dem der ganze Leib, durch die Gelenke und Bänder unterstützt und zusammengefügt, das Wachstum Gottes wächst“ (Vers 19)

Der Heilige Geist leitet hier auf eine erhabene Weise über von dem absolut negativen Element der Verführer hin zu der wunderbar gesegeneten Aktivität des Hauptes. Aus dem Bösen von Vers 18 bringt Gott hier das Gute hervor; das ist ein Grundsatz. Wir Menschen können nur das Gute zerstören, aber Gott kann aus dem Bösen Gutes hervorkommen lassen (Ri 14,14)! Wenn Er sagen muss, dass diese Menschen das Haupt nicht festhalten, kommt Er dazu, zu sagen, dass dieses Haupt für Seinen Leib sorgt.

Mit großer Weisheit stellt der Apostel in diesen Versen die Dinge vor. Er sagt zunächst, was diese Menschen bringen: es ist Aberglaube, Okkultismus und Spiritismus. Dann zeigt er die Art und Weise, wie sie auftreten: in Demut; es geht dabei nicht darum, demütig zu tun, sondern sie kommen mit einem Schein echter Demut, einer verführerischen Haltung in Demut. Und dann als drittes und wichtigstes wird gesagt, was sie nicht tun: sie halten das Haupt nicht fest. Wenn jemand zu uns kommt, geht es nicht nur darum, ihn zu beurteilen nach seiner Art und Weise, sondern auch in dem, was er bringt, und in dem, was er nicht bringt, was er nicht festhält.

Hier bringen sie sehr ernste und gefährliche Dinge; und was sie nicht tun ist, dass sie nicht festhalten am Haupt. Es steht nicht hier, dass sie unbedingt gegen das Haupt sprechen, aber sie sprechen nicht von dem Haupt und von der Wichtigkeit unseres Blickes zu unserem verherrlichten Haupt im Himmel. Sie bringen nicht die Wahrheit, nicht Unterwerfung unter Gottes Wort, wie es auch die Verführer in 1. Joh 4,3 und 2. Joh 7 tun.

Es sind also nicht Gläubige, von denen hier gesagt wird, dass sie nicht das Haupt festhalten. Man könnte nun fragen, warum dann Paulus davon spricht, dass sie das Haupt nicht festhalten, wenn Er doch für sie als Ungläubige und Verführer niemals wirklich Haupt ist. Aber Heilige Geist will jetzt von dem Haupt sprechen, und Er lässt diesen Ausdruck auch dann nicht fallen, wenn er nun diese Leute im Auge hat, die Not brachten. Er sieht sich nicht bewogen, einen anderen Ausdruck zu benutzen, der eher auf sie als bloße Bekenner passen würde. Der Ausdruck hier im Präsens Partizip sagt nicht, dass diese Leute schon mal das Haupt festgehalten haben und dann wieder Ihn aufgegeben haben, sondern es charakterisiert ihr Tun, dass sie Ihn als Haupt nicht festhalten. In ihnen ist nicht ein Atom davon, dass sie an Christus als dem Haupt festhalten. Ihre ganze Praxis redet davon, dass sie nicht zu Christus hinführen, sondern wegführen von Ihm.

Die Kolosser gehörten zu dem Leib dieses Hauptes, und jetzt sagt Paulus ihnen: Wodurch wird der Leib Christi, zu dem ihr gehört, erbaut, wodurch wächst er? Nicht durch die Beschäftigung mit Philosophie und Aberglauben oder mit jüdischen Elementen; er wächst nur und ausschließlich durch die Tätigkeit des Hauptes des Leibes. Nirgend woanders werdet ihr etwas finden, was zur Förderung des ganzen Leibes dient.

Der Leib des Christus wird im Neuen Testament in dreierlei Hinsicht vorgestellt

  • in seinem örtlichen Aspekt (1. Kor 12,27), die örtliche Darstellung des einen Leibes
  • in seinem ewigen Aspekt (Eph 1,22+23),
  • in seinem zeitlichen Aspekt (Kol 2,19), der ganze Leib, der im Moment auf der Erde existiert

Und dieser Leib wächst das Wachstum Gottes durch sein Haupt; von Ihm geht jeder Impuls und jede Initiative aus, jede Leitung und Versorgung und Kontrolle. Und Er benutzt die Gelenke und Bänder, um das Wachstum Gottes für diesen Leib zu bewirken. Im menschlichen Leib sind die meisten Glieder nicht direkt mit dem Haupt verbunden, zwischen einem Finger und dem Haupt liegen sechs Glieder oder Gelenke. Im geistlichen Leib ist das anders, dort ist jedes Glied direkt mit dem Haupt verbunden, alle sind gleichwertig (1. Kor 12). Und wir als Glieder dieses Leibes sind auch alle untereinander verbunden (Rö 12,5; Eph 4,25) – ein ganz erhabener Gedanke. Im menschlichen Körper wachsen auch Haupt und Glieder miteinander, hier sehen wir aber die überragende Herrlichkeit der Person des Herrn Jesus als dem Haupt; Er wächst nicht, es ist undenkbar, dass Er wachsen könnte, es wächst nur der Leib.

Von dem Haupt also geht das Wachstum Gottes aus, ein göttliches Wachstum (1. Kor 3,7); in dieser Welt wird etwas hervorgebracht in diesem Leib, das Gott darstellt. Und bei diesem Wachstum gibt es Unterstützung durch die Gelenke und Bänder. Die Beziehungen der Glieder zueinander können nur dann so sein, wie sie sein sollen, wenn jedes Glied zu jedem Augenblick seine Verbindung zu dem Haupt praktisch aufrechterhält. In diesem Brief haben wir die Liebe als das Band der Vollkommenheit (Kol 3,14), im Epheser-Brief das Band des Friedens (Eph 4,3). Diese beiden Verbindungen untereinander müssen wir nutzen, das gibt Darreichung und Unterstützung. Nur dann kann der Leib ohne Störung die Auferbauung vom Haupt aus empfangen und das Wachstum Gottes wachsen. Wachstum in diesem Zusammenhang bedeutet übrigens nicht, dass Glieder dem Leib hinzugefügt werden. Das Wachstum des Leibes ist wie das Wachstum eines Babys: es nimmt zu und wird stärker und gefestigter, aber es meint hier nicht, dass neue Glieder zu dem Leib hinzukommen. Geht es heute vielleicht zu sehr um ein quantitatives (zahlenmäßiges) Wachstum, statt um ein qualitatives (geistliches) Wachstum?

Frage: Sind Gelenke und Bänder Glieder des Leibes mit spezieller Funktion, oder sind es christliche Tugenden? Man kann darunter alles das verstehen, was Christus als Haupt benutzt, um dem Leib die Nahrung und den Zusammenhalt und die Auferbauung zu geben. In diesem Vers geht es darum, zu zeigen, wie wunderbar Christus für Seinen Leib sorgt. Und diese Gelenke und Bänder unterstützen Seine Bemühungen und verbinden die Glieder miteinander. Sie sprechen auch von uns. Es geht hier nicht nur darum, dass wir diesen Segen empfangen, sondern dass Gott uns auch mitbenutzt, um diesen Segen für den Leib mit weiterzugeben. In Eph 4,16 spricht der Apostel ausführlicher von diesen Gelenken der Darreichung. So sind wir einerseits Glieder, die diesen Segen empfangen, und andererseits sind wir Werkzeuge, nämlich Bänder und Gelenke, die Er benutzen will, um Seinen Segen dem Leib zu geben und die Glieder miteinander zu verbinden. Der Nachdruck liegt nicht so sehr darauf, was sie sind, sondern wie sie wirken: Gelenke gewährleisten Beweglichkeit, Bänder gewährleiten Festigkeit. Es gibt auch solche, die den Segen von Gott zu den anderen bringen; Brüder, die die besondere Aufgabe des Unterstützens und Zusammenfügens haben. Auch die wertvollen Schriften, die wir von unseren Vorvätern besitzen, sind solche Gelenke und Bänder. Diese Männer haben uns ihren Dienst schriftlich hinterlassen, und der Herr benutzt das heute noch, um das Wachstum des Leibes zu bewirken. Auch Konferenz-Betrachtungen dienen der Unterstützung zum Wachstum Gottes. Zusammengefasst sind es die geistlichen Mittel, die der Herr benutzt zum geistlichen Wachstum Seines Volkes.

Diese Wahrheit wird nicht nur über die Gläubigen gesagt, mit denen wir uns versammeln, sondern von dem ganzen Leib. Wie sieht es da heute aus unter allen wahren Christen? Bruder Kelly hat einmal gesagt: „Wenn es heute in diesem Niedergang Gläubige gibt, die diese Wahrheit von dem einen Leib kennen und festhalten und verwirklichen wollen, wie könnten sie von anderen Gläubigen, die diese Wahrheiten nicht kennen und verwirklichen, Belehrung annehmen“? Wie könnten wir geistliche Belehrungen annehmen von einer Seite, die diese Wahrheit überhaupt nicht verwirklicht? Können wir von ihnen diese Wahrheiten lernen? Wir wollen deshalb die Finger lassen von Belehrungen, in denen das nicht klar vorgestellt wird. Die Gefahr auch für unsere Konferenzen besteht darin, dass man sich vorher nicht nur mit dem Wort Gottes beschäftigt, sondern dass man vielleicht auch danach sucht, etwas sagen zu können, was noch nicht gesagt worden ist, etwas Neues, etwas Anders. Und dann sucht man vielleicht in aller möglichen Literatur nach Aussagen über diese Stellen – aber diese Wahrheiten findet man dort nicht! Festhaltend das Haupt heißt nicht nur festhaltend Christus, sondern auch festhaltend die Lehre Gottes über Seinen Sohn und Seinen Platz in Seiner Versammlung.

Der Herr gibt Seiner Versammlung alles, was sie irgend braucht (Eph 5,26+29), sowohl im Blick auf Reinigung als auch im Blick auf Nahrung. Stehen wir Ihm dabei im Wege? Wenn dieses vollkommene Wachstum Gottes bei mir zum Stocken kommt, bin ich persönlich schuld daran. Wie stelle ich mich zu diesem göttlichen Strom aller Gnade und aller Nahrung, die das Wachstum bewirken kann? Darauf kommt der Apostel dann ab Vers 20 zu sprechen. Wenden wir uns wieder zu den alten Dingen zurück?

„Wenn ihr nun mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was unterwerft ihr euch Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt?“ (Vers 20)

Die nächsten beiden Absätze beginnen mit unserer besonderen Identifikation mit Christus. Wir sind mit Christus gestorben, und das hat praktische Konsequenzen für unser Leben (Kap 2,20–23); und wir sind mit Christus auferweckt, und auch das hat praktische Konsequenzen für unser Leben (Kap 3,1–4).

Der Ausdruck wenn hat im Neuen Testament unterschiedliche Bedeutungen; hier und in Kap 3,1 bedeutet es nicht etwa, dass die Sache, von der gesprochen wird, fraglich oder zweifelhaft ist, sondern weil das so ist, dann hat das Folgen (vgl. Phil 2,1). Man könnte auch übersetzen: „Angesichts der Tatsache, dass ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid…“.

Wir sind den Elementen der Welt gestorben; in Rö 6,2 heißt es, dass wir der Sünde gestorben sind; in Gal 2,19, dass wir dem Gesetz gestorben sind. Nicht die Sünde ist gestorben, nicht das Gesetz ist gestorben, nicht die Elemente der Welt sind gestorben, aber wir sind gestorben, d.h. diese Dinge haben keinen Zugriff mehr auf uns. Die praktischen Folgen davon werden uns nun in diesem Abschnitt vorgestellt.

In Gal 4,3 bezieht sich der Ausdruck Elemente der Welt ganz klar auf das Gesetz vom Sinai, und das wird in Gal 4,9 sogar als armselige Elemente der Welt bezeichnet; in Kol 2,8 sind es auch nicht grobe weltliche Vergnügungen, sondern um menschliche Vorschriften; und hier in Vers 20 steht es auch in Verbindung mit Satzungen. Es wird also deutlich, dass hier die Welt nicht in ihrer krassen moralischen Verführung gemeint ist, sondern dadurch, dass sie hier den Anschein von etwas geistlich und moralisch Hochstehendem erweckt, kommt sie in ihrer subtilen, schleichenden Gefahr vor uns.

„Berühre nicht, koste nicht, betaste nicht! (Dinge, die alle zur Zerstörung durch den Gebrauch bestimmt sind), nach den Geboten und Lehren der Menschen“ (Vers 21+22)

Der Hauptpunkt in diesen Versen ist die Askese, diese fleischliche Enthaltsamkeit als ein Element der Welt. Man unterwirft sich Satzungen und Vorschriften, gewisse Dinge nicht zu essen. Aber auf dem Boden des Christentums ist es so, dass Gott uns alles reichlich darreicht zum Genuss (1. Tim 6,17), ausgenommen das Blut (Apg 15,20). Deshalb stellt der Apostel nun drei Gründe vor, warum wir uns der Askese nicht hingeben sollen:

  • Die Speise wird dadurch, dass wir sie essen, zerstört; sie ist nach ihrem Gebrauch nicht mehr vorhanden; es bewirkt also kein geistliches Ergebnis, wenn wir uns davon enthalten
  • Askese hat nur einen Schein von Weisheit, aber sie hat nicht wirklich eine positive Wirkung auf unser geistliches Leben
  • Wenn wir uns der Askese hingeben, geben wir unserem Leib nicht das, was Gott als der Erhalter aller Menschen ihm gerne geben will

Martin Luther war vor seiner Bekehrung streng religiös gewesen und hat verzweifelt an sich gearbeitet, um Gott zu gefallen und hat Heiligkeits-Übungen praktiziert in Askese und Selbstkasteiung. Als er aber den Grundsatz der Rechtfertigung allein aus Glauben erfasst hatte, ist er nie wieder in diese Verhaltensweisen zurückgefallen, weil er die ganze Wertlosigkeit dieses Weges der Askese erkannt hatte. Aber doch hat er später manchmal seinem Leib etwas entzogen; als er sich einmal in tiefer Ehrfurcht mit Psalm 22 beschäftigt hatte, hat er sich eingeschlossen nur mit Brot und Salz, um ganz allein in der Stille zu sein. Er hat dabei seinen Leib teilhaben lassen an den Übungen der Seele. Das Herausgraben der Wahrheiten, wie wir sie von unseren Vorvätern übernehmen durften, hat sie Jahre von Fasten und Gebet gekostet. Dieses vorübergehende Verzichten im Sinne eines Fastens für eine größere Konzentration auf geistliche Dinge ist also etwas völlig anderes, als die Askese in diesen Versen. In diesem durchaus guten Sinn kennt die Schrift das Fasten sehr wohl (Apg 14,23; 2. Kor 6,5; 11,27).

„…(die zwar einen Schein von Weisheit haben, in eigenwilligem Gottesdienst und in Demut und im Nichtverschonen des Leibes, und nicht in einer gewissen Ehre), zur Befriedigung des Fleisches“ (Vers 23)

In der damaligen griechischen Kultur wurde der Leib oft als etwas Minderwertiges angesehen und nur dem Geist Bedeutung zugemessen. Aber der Leib ist für den Herrn äußerst wertvoll. Der Heilige Geist wohnt darin, und unsere gestorbenen Leiber werden wegen Seines in uns wohnenden Geistes auferweckt werden. Da der Leib so kostbar ist für den Herrn, müssen wir ihm auch die Ehre zukommen lassen, die ihm nach den Gedanken gebührt – auch durch die Zuführung von Speisen. Wenn das nach diesem Prinzip der Askese nicht geschieht, folgen wir Lehren von Dämonen (1.Tim 4,3). Hierunter fällt auch Vegetarismus, er ist eine Religion. Wer freiwillig kein Fleisch ißt, stellt sich unter Satzungen. Man bildet sich ein, dadurch etwas edler oder besser zu sein als andere. Und wenn das Christen bewusst ausüben, ist das eine ernste Sache. Darin kommt echter Hochmut zum Ausdruck, der sich über andere stellt.

Wir sind alle diesen Dingen gestorben, wir haben das alles hinter uns gelassen. Wollen wir diese Frage mit nach Hause nehmen: Wie verwirkliche ich in meinem Leben, dass ich mit Christus den Elementen der Welt gestorben bin?

Achim Zöfelt