Die Wunder des Herrn (7) - Die Tochter des Jairus

Online seit dem 20.12.2009, Bibelstellen: Matthäus 9,18-26; Markus 5,21-43; Lukas 8,40-56

In den Haushaltungen Gottes, zum Beispiel in den Zeitaltern, die dem Kommen Christi vorangingen, war das göttliche, den wahren Zustand unseres Geschlechts offenbar zu machen. Das Ergebnis zeigt, dass das menschliche Herz unverbesserlich böse ist, sogar bei den am meisten geliebten Familien der Erde. Es ist also völlig klar, dass jedes menschliche Herz unwiederbringlich böse ist.

Die Begebenheit mit Jairus’ Tochter (Matthäus 9,18–26) illustriert diesen Grundsatz. Markus und Lukas berichten uns, dass sie im Sterben lag, als ihr Vater sich beim ersten Mal ihretwegen an den Heiland wandte, und dass ihr Vater durch einen Boten, der zu ihm gesandt wurde, von ihrem Tod hörte. Matthäus verkürzt diesen Bericht, indem er mit ihrem Tod beginnt. Ihr Fall war demnach hoffnungslos, soweit es die Menschen betraf, obwohl ihr Vater ein Synagogenvorsteher war und somit ein ermächtigter Vertreter des Gesetzes des Herrn war. Das tote Mädchen gibt uns ein Bild des toten Israels – es war geistlich tot, obwohl es das Gesetz besaß. Das Gesetz hat Israel kein Leben verliehen; es war deshalb unmöglich, dass es Gerechtigkeit verleihen konnte. Wenn es nicht dem ersten Bedürfnis des Menschen entsprechen konnte, dann konnte es gewiss nicht seinem zweiten Bedürfnis entsprechen. „Denn wenn ein Gesetz gegeben worden wäre, das lebendig zu machen vermöchte, dann wäre wirklich die Gerechtigkeit aus Gesetz“ (Galater 3,21). Israel hat, in einem Zustand äußerster Blindheit, unaufhörlich nach Gerechtigkeit durch Gesetzeswerke gesucht. Die Nichtjuden haben die Lektion des menschlichen Niedergangs im Gegensatz zu dem auserwählten Volk nicht mehr gelernt; daraus folgt die schmerzliche Tatsache, dass sich in diesen Tagen des Evangeliums die Mehrheit der Personen in der Christenheit nach Segen auf dem Grundsatz der Werke in der ein oder anderen Weise bemüht.

Jairus hatte ein tiefes Bewusstsein von der Machtlosigkeit aller „kirchlichen“ und gesetzmäßigen Ausrüstungen in der Gegenwart des Todes, deshalb wendet er sich an den Sohn Gottes. Der Heiland sagte mit seiner üblichen Umsichtigkeit zu dem verzweifelten Vater: „Fürchte dich nicht; glaube nur.“ Dann nahm er nur Petrus, Jakobus und Johannes mit sich, trat in die Todeskammer ein und bezwang den Tod durch sein auferweckendes Wort. Es genügte ihm, zu sagen: „Mädchen, steh auf!“, und sofort kehrte ihr Geist zurück und wurde mit ihrem Körper wiedervereinigt. Eine segensreiche Voraussicht auf das, was derselbe Gnädige in geistlicher Weise mit ihrer ganzen Nation durchführen wird, wenn Er wiederkommt!

Währenddessen ist der Grundsatz vonseiten der Schrift unauslöschlich festgehalten, dass der Mensch in den Augen Gottes tot ist. Es ist vergeblich, gute Werke und religiöse Verordnungen als Mittel gegen den Tod zu predigen. Warum sollten wir Nichtjuden törichterweise versuchen, durch etwas Segen zu erreichen, was im Fall Israels eindeutig fehlgeschlagen ist? Durch Gesetz schafft man es nicht, aber Christus allein kann dem tiefen Bedürfnis des Menschen entsprechen. Demzufolge ist seine eigene gnädige Erklärung: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (Johannes 3,16).

[Übersetzt von Benjamin Runkel]      

W.W. Fereday