Die Wunder des Herrn (12) – Auf dem See gehend

Online seit dem 04.04.2010, Bibelstellen: Matthäus 14,22-33

„Wie kann das sein?“, das ist eine sehr natürliche Frage, wenn der menschliche Verstand über die Werke und Wege Gottes nachdenkt. Es ist jedoch eine Frage des Unglaubens und nicht des Glaubens. Ob es der Einsturz der Mauern von Jericho ist, der dreitägige Aufenthalt Jonas im Bauch des Fisches, das Gehen unseres Herrn auf dem See oder irgendein anderes Wunder, nichts wirft das Herz, das Gott und seinem Wort zu glauben gelernt hat, aus der Bahn.

Nachdem der Heiland es nach der Speisung der Fünftausend abgelehnt hatte, zum König gemacht zu werden, bat er seine Jünger auf das andere Ufer des Sees Genezareth überzusetzen, und stieg auf einen Berg um zu beten. Dies ist ein Bild von dem, was bald geschehen sollte: Er würde zu Gott auffahren, um den Dienst der Fürsprache aufzunehmen, während seine Jünger den Wogen dieser stürmischen Welt in seiner Abwesenheit ausgesetzt sind. Die Überfahrt der Zwölf war hart und anstrengend, genauso ist das Leben und Zeugnis in der Welt der Nachfolger eines verworfenen und gekreuzigten Herrn. Viele Stürme hat Satan aufgewirbelt in der Hoffnung, alle Zeugen des Namens, den er hasst, zu zerstören. In der vierten Nachwachte kam er der Herr zu den Jüngern, auf dem Wasser gehend. Sie dachten es sei ein Gespenst und schrien vor Furcht, aber schon bald wurden sie durch seinen frohen Ausruf beruhigt: „Ich bin es, fürchtet euch nicht!“ Er hat nie darin nachgelassen, den Seinen in Zeiten des Leids und der Not beizustehen. Er ist der „Ich bin“ aus 2. Mose 3,14. Die Möglichkeiten, die mit diesem Namen verbunden sind, verbieten den geringsten Zweifel des Unglaubens. „Darum werden wir uns nicht fürchten, wenn auch die Erde gewandelt würde und wenn die Berge im Herzen des Meeres wankten“ (Psalm 46,3).

Das Schiff ist ein Sinnbild des alten Systems der Dinge, in dem unser Herr seine Jünger bei seiner Verherrlichung gelassen hat. Die Apostelgeschichte zeigt, wie hartnäckig sie an der alten Ordnung, mit seinem irdischen Heiligtum, seinem aufeinanderfolgenden Priestertum usw., festgehalten haben und wie langsam sie darin waren zu lernen, dass das Christentum im Wesentlichen ein himmlisches und geistliches System ist. Das Christentum ist kein Pfropf auf das Judentum, es ist vom Charakter und Geist her das totale Gegenteil. Das Judentum, mit seinen prächtigen Ritualen, sprach die Sinne an. „Wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen“ (2. Korinther 5,7) sagt derjenige, der das Christentum besser verstanden hat als viele andere. Es war stets die Absicht Satans, das Werk Gottes zu verderben. Deshalb begann er ein neues Schiff unter dem Namen Christi aufzubauen, nachdem das alte Schiff des Judentums durch Titus zerstört wurde. Irdische Heiligtümer, Priester, die aufeinanderfolgende Rechte proklamierten, usw. tauchten bald auf und trugen zur Verfälschung des Zeugnisses Gottes bei.

Matthäus, Markus und Johannes berichten uns davon, dass unser Herr auf dem Wasser ging. Matthäus fügt eine weitere Einzelheit hinzu: Als Petrus erfuhr, dass es der Herr war, der ihnen entgegenkam, bat er um Erlaubnis, zu ihm zu gehen. Als ihm diese Bitte gewährt wurde, stieg er aus dem Schiff und ging zu Jesus. Für einen Moment schwankte er, als er den Wind und die Wellen sah, aber ein Schrei von seinen Lippen und eine Berührung durch die Hand des Meisters machten seine Füße sicher. In gleicher Weise muss der einzelne Gläubige heutzutage, der den religiösen Schiffen des Christentums (im Gehorsam zur Aufforderung aus Hebräer 13,13) den Rücken zukehrt, allein auf den Herrn sehen, um in seinem Weg des Glaubens gestärkt zu werden. Aber die erste Tat des Glaubens ist, dass die Seele in demütigem Gehorsam zum Herrn um Vergebung und Errettung bittet, ohne die nichts möglich ist.

Der Sturm legte sich als der Herr und Petrus ins Schiff stiegen. Genauso wird der Sturm dieser Welt verstummen, wenn sich Christus und seine Heiligen wieder in der Mitte von Israel zeigen werden.

[Übersetzt von Benjamin Runkel]

W.W. Fereday