Abhängigkeit im Leben Jesu (18)

Online seit dem 25.02.2017, Bibelstellen: Lk 6,12

Intensives Gebet vor wichtigen Entscheidungen

„Es geschah aber in diesen Tagen, dass er auf den Berg hinausging, um zu beten; und er verharrte die Nacht im Gebet zu Gott“ (Lk 6,12).

Jeder von uns kommt im Leben an Punkte, wo er wichtige Entscheidungen treffen muss. So war es auch bei dem Sohn Gottes. Er stand eines Tages vor der Entscheidung, aus der Menge seiner Jünger zwölf Männer auszuwählen, die über drei Jahre bei Ihm sein sollten, um von Ihm zu lernen, und die Er zum Dienst aussenden würde (Mk 3,13-15).

Der abhängige Mensch wählt nicht, wie die Menschen wählen würden. Wer von uns hätte einen Judas Iskariot ausgewählt (was für den Herrn das Kreuz beinhaltete) und ihn dann sogar noch zum Kassenwart gemacht? „Habe ich nicht euch, die Zwölf, auserwählt? Und von euch ist einer ein Teufel“ (Joh 6,70). Doch nicht nur das: Ein anderer dieser zwölf Jünger würde seinen Herrn dreimal verleugnen, und schließlich, in der entscheidenden Stunde seines Lebens, sollten Ihn alle verlassen und Anstoß an Ihm nehmen (Mt 26,31; Joh 16,32).

Was tut der Herr Jesus, bevor Er diese weitreichende Entscheidung trifft und seine Jünger auswählt? Er verbringt die ganze Nacht im Gebet (Lk 6,12.13). Über mehrere Stunden sucht Er das Angesicht Gottes und redet mit Ihm. Er hatte tagsüber viel zu tun, aber für das Gebet fand Er immer Zeit. Was für ein Vorbild für wahre Abhängigkeit!

Sein langes Verharren im Gebet ist das Ergebnis seiner tiefen Herzensübung und nicht einer besonderen Disziplin. Er sieht nicht auf die Uhr oder zwingt sich zu etwas, was Ihm eigentlich schwerfällt. Wie schnell geht es uns so, dass wir uns zu längerem Gebet überwinden müssen, weil wir die Zeit zu unserem Ziel machen und nicht ausschließlich auf die Übungen oder die Gemeinschaft mit Gott fokussiert sind.

Wenn schon unser Herr vor wichtigen Entscheidungen so viel Zeit im Gebet verbracht hat, wie viel mehr haben wir das dann nötig! Wann haben wir das letzte Mal mehr als dreißig oder sechzig Minuten allein gebetet, geschweige denn eine ganze Nacht im Gebet verbracht? Natürlich ist es eher unwahrscheinlich, wenn unsere tägliche Gebetszeit momentan durchschnittlich zwanzig Minuten beträgt, dass wir von heute auf morgen anfangen, mehrere Stunden am Tag zu beten oder sogar eine ganze Nacht auf den Knien sind. Aber das Gebet ist wie ein Muskel, der durch tägliches Training leistungsfähiger wird …

Haben wir den aufrichtigen Wunsch, unserem Herrn und Meister auch im Blick auf sein Gebetsleben ähnlicher zu werden und in seinen Fußspuren zu gehen? Wie viel Zeit nehmen wir uns zum Gebet, wenn wir vor weitreichenden Entscheidungen stehen?

Jan Philip Svetlik