Abhängigkeit im Leben Jesu (06)

Online seit dem 21.01.2017, Bibelstellen: Joh 16,33

Sofa-Christ oder Überwinder?

„In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh 16,33)

Dass die Welt für Gläubige eine Gefahr darstellt, die unser Leben nachhaltig negativ prägen kann, macht das Beispiel Abrahams deutlich.

Nachdem sich die Menschen immer mehr dem Götzendienst hingeben hat, ruft Gott Abraham in Gnade aus dieser Welt heraus. Er gibt ihm bedingungslose Versprechen, auf die der Patriarch vertrauen soll. Der Glaube Abrahams wird durch eine Hungersnot in Kanaan geprüft und versagt. Abraham sucht Zuflucht in Ägypten [Fußnote 1] – einem Bild dieser Welt –, wo er sich ein angenehmeres Leben erhofft. Doch der Plan geht nicht auf. Sein Aufenthalt in Ägypten unterbricht seine Gemeinschaft mit Gott und zieht weitreichende Folgen nach sich [Fußnote 2].

Wie Abraham zu seiner Zeit, so stehen auch heute die Gläubigen in der großen Gefahr, sich den Prüfungen, die Gott im Leben zulässt, dadurch zu entziehen, dass sie sich dem Zeitlauf dieser Welt anpassen, ohne auf Gott zu warten und nach seinem Willen zu fragen. In Glaubensprüfungen nimmt die Anziehungskraft der Welt für Christen oft zu. Wie schnell flüchten wir nach Moab, weil in Bethlehem Hungersnot herrscht (Ruth 1)! Anstatt wie Gideon mit Glaubensenergie Nahrung für das Volk Gottes zu sichern, zieht man sich auf das bequeme Sofa zurück, von wo aus dann der schwache Zustand der Gläubigen beurteilt wird. Es ist immer einfacher und bequemer, sich zurückzuziehen oder wegzulaufen, wenn beispielsweise in einer Gemeinde ein schwacher geistlicher Zustand herrscht, anstatt dort, wo Gott uns hingestellt hat, seinen Mann zu stehen und Aufbauarbeit zu leisten.

In der Wüste versucht Satan den Herrn Jesus mit allem, was diese Welt zu bieten hat. Wie verhält sich der Sohn Gottes, als Er mit der Lust des Fleisches, der Lust der Augen und dem Hochmut des Lebens konfrontiert wird (Lk 4,1–13)? Trotz starken Hungers benutzt Er seine Macht nicht zu seinem eigenen Nutzen. Er möchte noch nicht einmal etwas essen, ohne dass Gott es Ihm sagt. Er nimmt keine Abkürzung auf dem Weg zur Herrschaft über diese Welt, sondern bleibt Gott treu und geht durch Leiden zur Herrlichkeit. Außerdem lehnt Er es ab, Gott leichtfertig auf die Probe zu stellen, da Er alles in Abhängigkeit von seinem Vater tut und Ihm mit ganzem Herzen vertraut. Fest entschlossen geht Er schließlich nach Jerusalem, und Er weiß, dass Er nicht beschämt werden wird (Lk 9,51; Jes 50,7).

Wie verhalten wir uns in den Prüfungen, die Gott in unserem Leben zulässt? Sind wir heute bereit, uns selbst zu verleugnen, unser Kreuz aufzunehmen und dem zu folgen, der die Welt überwunden hat?

Fußnote 1: Anstatt nach oben zum Himmel zu sehen und darauf zu vertrauen, dass Gott zur richtigen Zeit Regen schenkt, schauten die Ägypter herab auf den Nil, der das Land bewässerte. Sie sahen nicht die Quelle des Flusses in den Bergen, sondern nur den Fluss selbst (5. Mo 11,10–12). Die Welt genießt den Segen der Schöpfung, ohne den Schöpfer dahinter zu sehen. In Hebräer 11 lesen wir von den Schätzen Ägyptens. Auf diese irdischen Reichtümer und „Sicherheiten“ vertrauten damals die Ägypter, und genau darauf setzen auch heute noch die Menschen ihr Vertrauen. Finanzieller Reichtum birgt für Gläubige die große Gefahr, unabhängig von Gott zu handeln und mehr auf Besitz als auf Gott zu vertrauen! Sind wir bereit, uns kritisch zu hinterfragen, wie viel wir auf finanzielle Absicherung und wie viel wir wirklich auf Gott vertrauen?

Fußnote 2: Der Besitz, den Abraham in Ägypten bekommt, führt später zum Streit zwischen den Hirten Lots und Abrahams. Wie viel Streit hat es unter Gläubigen schon aufgrund von Besitz bzw. Geld gegeben! Außerdem kommt Hagar aus Ägypten mit ins Land Kanaan. Sie ist ein Bild von dem Bund des Gesetzes (Gal 4), was zu den Elementen dieser Welt gezählt wird (Kol 2). Gesetzliches Denken, das den versprochenen Segen Gottes durch eigene Anstrengung erreichen möchte, steht der Gnade Gottes völlig entgegen und kann keine Frucht für Gott bringen.

Jan Philip Svetlik