Genau lesen (14) - Verwesung

Online seit dem 24.02.2006, Bibelstellen: Psalm 16,10; Apostelgeschichte 2,27

“Denn David sagt über ihn: … Denn du wirst meine Seele nicht im Hades zurücklassen, noch zugeben, dass dein Frommer Verwesung sehe.“ (Apostelgeschichte 2,27).

Der Apostel Petrus zitiert an dieser Stelle aus Psalm 16. Gerne verknüpft man mit diesem Gottes Wort die Bemerkung, dass der Herr einen besonderen Leib hatte, der nicht verwesen konnte.

Aber ich möchte – bei aller Vorsicht und Zurückhaltung, die wir hier sicher an den Tag legen möchten – doch einmal die Frage stellen, woher man das aus dieser Stelle (oder auch aus anderen) ableiten will. Man verweist in diesem Zusammenhang gern darauf, dass die Verwesung eine Folge der Sünde ist und das es deshalb unmöglich sei, sie mit Christus in Verbindung zu bringen. 

Gewiss: Christus konnte nicht sündigen, die Sünde ist nicht in ihm. Aber Christus konnte sterben (obgleich er nicht dem Tod unterworfen war). Und wenn er sein Leben freiwillig ließ, wenn Gott ihn in den Staub des Todes legte, wenn er den Lohn der Sünde schmeckte – warum sollte dann eine Verwesung unmöglich gewesen sein? Wenn er sterben konnte, warum sollte er dann nicht diese Folge des Todes erleben können?

Vielleicht berüht uns dieser Gedanke unangenehm - und wir brauchen ihn tatsächlich auch nicht weiter verfolgen, da es eine theoretische Überlegung ist. Mir geht es jetzt auch nur um die Bedeutung von Psalm 16 und Apostelgeschichte 2. Wenn ein Israelit Psalm 16 las und auf die Stelle stieß, die besagt, dass der Fromme Gottes nicht verwesen konnte, dann ließ das für ihn nur eine Schlussfolgerung zu: „Es kann nicht um David gehen. Sein Grab ist hier und er ist verwest. Es geht um den Messias. Wenn er stirbt, wird er also rasch wieder auferstehen – bevor die Verwesung einsetzt.“ Einem Israeliten konnte ferner klar sein, dass die Auferstehung bis zum vierten Tag geschehen musste, denn am vierten Tag ist der Verwesungsgeruch vorhanden, wie Martha bezeugt (Johannes 11,39). Aus anderen Stellen im Alten Testament geht hervor, dass die Auferstehung genau nach drei Tagen sein würde (man denke an die Geschichte Jonas).

Petrus sagt, dass die Wehen des Todes Christus nicht behalten konnte und führt als Beweis Psalm 16,8-11 an. Diese Stelle kommentiert er dann wie folgt: „Da er [David] nun ein Prophet war … hat er voraussehend von der Auferstehung des Christus geredet, dass er nicht im Hades zurückgelassen worden ist noch sein Fleisch Verwesung gesehen hat. Diesen Jesus hat Gott auferweckt“. Die Seele des Christus blieb nicht im Hades (Scheol, Totenreich) und sein Fleisch sah die Verwesung nicht, denn Christus wurde von Gott auferweckt. Darum geht es. Und nicht darum, auf eine besondere Beschaffenheit des Leibes Jesu hinzuweisen. Davon sprachen David und Petrus definitiv nicht. Und deshalb wollen wir es auch in diese Stelle nicht hineinlegen.

Gerrid Setzer