Genau lesen (76) – Eine Schlange ein Vorbild von Christus?

Online seit dem 04.09.2009, Bibelstellen: Johannes 3,14-15; 4. Mose 21,4-9

„Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (Joh 3,14.15).

Der Herr Jesus vergleicht sich in diesen Worten mit der Schlange, die Mose in der Wüste erhöht. Oder sollen wir das besser nicht sagen? Denn schließlich wird der Teufel „Schlange“ genannt (Off 12,9). Und welcher Zusammenhang besteht zwischen Christus und Belial?

Gehen wir zunächst zu 4. Mose 21, wo wir die Begebenheit mit der erhöhten Schlange finden. Das Volk Israel hatte gegen Gott und Mose geredet und darum sandte Gott Schlangen, deren Biss einen brennenden Schmerz verursachte und zum Tod führte. Als viele gestorben waren, bekannte das Volk seine Schuld und flehte darum, dass die Schlangen weggenommen würden.

Doch sie wurden nicht weggenommen. Mose wurde gewiesen, eine Schlange aus Kupfer zu machen und sie auf eine Stange zu tun. Jeder, der diese Schlange anblickte, blieb am Leben.  Die kupferne Schlange erinnert einerseits daran, woher die Sünde kommt. Denn die Sünde kam in die Welt durch die Machenschaft der Schlange – durch die List des Teufels (1. Mose 3). Gleichzeitig waren die Schlangen eine Strafe für die Sünde der Israeliten. Auf jede Weise erinnert die Schlange an Sünde.

Eine erhöhte Schlange nun ist eine getötete, eine gerichtete Schlange. Die kupferne Schlange weist daraufhin, dass Gott das Böse verurteilt hat (Kupfer spricht an sich schon von Gericht, siehe 4. Mose 17,4; Offenbarung 1,15). Also durch die Position der Schlange und das Material der Schlange wird auf das Gericht über die Sünde hingewiesen. Und weil Gott das am Kreuz auf Golgatha getan hat, kann er Rettung und Leben schenken.

Und damit sind wir im Neuen Testament angekommen. Gott hat am Kreuz den, der die Sünde nicht kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm (2. Kor 5,21). Gott hat die Sünde im Fleisch bei dem verurteilt, der in Gleichgestalt des Fleisches gekommen war, um das Problem der Sünde zu lösen (vgl. Rö 8,3). Wer sich als verlorener Sünder erkennt und im Glauben zu dem Gekreuzigten aufblickt, dem „wird Heil zur selbigen Stund'“.

Darum scheint es mir nicht verkehrt zu sein, wenn wir sagen, dass die kupferne Schlange ein Bild von Christus ist, der am Kreuz für uns zum Fluch wurde (Gal 3,13). Sie stellt nicht Christus lebend auf der Erde dar, sondern im Gericht über die Sünde in den dei Stunden der Finsternis.

Gerrid Setzer