Genau lesen (50) - Leere Gefäße

Online seit dem 14.08.2007, Bibelstellen: 2. Korinther 4,7

Es ist schon viel – besonders in Gedichten – darüber gesagt und geschrieben worden, wie notwendig es ist, dass wir leere Gefäße sein sollen, die bereit sind, vom Meister benutzt zu werden. Der Gedanke dabei ist, dass Leere die Qualifikation für unmittelbaren Gebrauch ist, und dass der Herr, wenn wir in diesem Zustand sind, uns nehmen, füllen und zu jedem Dienst aussenden kann, zu dem Er beruft. Ist das ein schriftgemäßer Gedanke?

Zuerst werden wir uns die Schriftstellen ansehen, in denen der Begriff „Gefäß“ oder „Gefäße“ vorkommt. In 2. Korinther 4,7 sagt der Apostel, „wir haben den Schatz in irdenen Gefäßen.” Es besteht kein Zweifel, dass dieser Abschnitt eine Anspielung auf Gideon und seine Leute beinhaltet. Wir lesen, „und er teilte die dreihundert Mann in drei Haufen und gab ihnen allen Posaunen in die Hand und leere Krüge, und Fackeln in die Krüge“ (Richter 7,16). Die Krüge waren leer gewesen, wohl bemerkt, aber Gideon tat Lichter – die Fackeln – hinein. Das hilft uns, die Bedeutung des Schatzes in irdenen Gefäßen zu verstehen, von denen Paulus spricht. Es meint offensichtlich, vom Kontext her, die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes, dieser Herrlichkeit, die im Angesicht des verherrlichten Christus gesehen wird und die Gott in unsere Herzen geleuchtet hat. Aber wenn wir dies einmal durch das Handeln souveräner Kraft und Gnade empfangen haben (denn es war Gott, der dem Licht befahl aus der Finsternis zu leuchten, und der in unsere Herzen geleuchtet hat), dann kommt und geht es nicht ständig, sondern bleibt unser bleibender Besitz. Unsere Praxis, dieses auch darzustellen, ist eine andere Sache, denn das beinhaltet, ständig das Sterben Jesu am Leib umher zu tragen (Vers 10). Aber der Schatz bleibt im Gefäß.

In 2. Timotheus 2 finden wir ebenfalls den Begriff „Gefäße”. „In einem großen Haus aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, und die einen zur Ehre, die anderen aber zur Unehre. Wenn nun jemand sich von diesen reinigt, so wird er ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet“ (Verse 20–21). Hier geht es nicht, wie wir schnell merken werden, um leere oder volle Gefäße, sondern ausschließlich um solche mit Verbindungen. Um eine Gefäß zu sein, das dem Hausherrn nützlich ist, müssen wir von Gefäßen zur Unehre getrennt sein, wodurch das Prinzip der Verunreinigung durch unsere Verbindungen, und die daraus folgende Unbrauchbarkeit zum Dienst bestätigt wird. Nur wer sich von den Gefäßen zur Unehre reinigt, kann ein Gefäß zur Ehre werden, das der Hausherr mit Freude nehmen und benutzen wird. Wenn wir aber zum nächsten Kapitel weitergehen, lernen wir, dass der Mensch Gottes, wenn er vollkommen und zu jedem guten Werk völlig geschickt sein will, in den Schriften gut unterwiesen sein muss (vgl. Verse 14–17). Damit geht die Ermahnung in Kolosser einher, „lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen, indem ihr in aller Weisheit euch gegenseitig lehret und ermahnet.“ Mit anderen Worten, das Gefäß muss gefüllt sein, und das nicht nur hin und wieder für einen bestimmten Dienst. Es soll ständig in diesem Zustand sein; das Wort muss in dem Gefäß wohnen, dann wird es zum Lehren ausfließen, so wie der Hausherr es benötigt.

Wenn wir uns jetzt mehr allgemein der damit verbundenen Wahrheit zuwenden, werden wir zum gleichen Ergebnis kommen. Als der Herr mit der Frau aus Samaria sprach, sagte Er, „wer irgend aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt (Joh 4,14). Wieder finden wir, dass das einmal empfangene Wasser – zweifellos ein Bild des Lebens in der Kraft des Heiligen Geistes – unser ständiger Besitz bleibt. Wenn wir uns dann Johannes 7 zuwenden, entdecken wir, dass das Wasser nicht nur empfangen wird, sondern auch ausströmt. „Wer an mich glaubt, gleichwie die Schrift gesagt hat, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen“ (Vers 38). Das Gefäß ist also gefüllt, und zwar in erster Linie zu seiner eigenen ewigen Befriedigung und dann, um in Segen zu anderen auszuströmen. Zugegeben, es muss ein permanentes Empfangen sein, aber trotzdem ist das Gefäß nie leer. Nein, die Quelle ist im Innern, es geht hier um die Gabe des in uns wohnenden Geistes, denn Johannes sagt ausdrücklich, „dies aber sagte er von dem Geiste, welchen die an ihn Glaubenden empfangen sollten“ (Vers 39). Da der Gläubige den Heiligen Geist besitzt, ist es der Normalzustand, dass er erfüllt ist und sogar überfließt mit Seiner Kraft – Lebenskraft – so dass „Ströme lebendigen Wassers“ ausfließen, zur Erfrischung und zum Segen für die Menschen in der Umgebung. Es kann, in dieser Hinsicht, kein leeres Gefäß geben, und es ist genau so klar, dass nur der zum Dienst bereit ist, der bis zum Überfließen erfüllt ist. Es kann sogar noch mehr gesagt werden. Wird das Leben in der Kraft des Heiligen Geistes gelebt, dann werden diese Ströme lebendigen Wassers, wie aus einer unerschöpflichen Quelle, immerzu ausfließen. Sollten andererseits diese Ströme durch das Betrüben des Heiligen Geistes nicht ausfließen können, und das Gefäß in gewissem Sinn leer werden, würde es natürlich nicht in einem Zustand sein, in dem es dem Hausherrn nützlich ist.

Zum selben Ergebnis kommen wir, wenn wir uns noch einer anderen Kategorie von Schriftstellen zuwenden. Zwei sollen reichen: „Es seien eure Lenden umgürtet und die Lampen brennend“ (Lk 12,35). „Unter denen ihr scheint als Lichter in der Welt“ (Phil 2,15). Die „Lichter“ in diesen und anderen Stellen weisen immer auf Christus hin – Christus, ausgestrahlt durch die Kraft des Heiligen Geistes im Leben der Gläubigen. Christus war das Licht der Welt; und in Seiner Abwesenheit nehmen Gläubige diesen Platz ein; doch sie entsprechen ihm nur so lange, wie Christus in ihrem Wandel und in Ihren Wegen praktisch zur Darstellung kommt. Es gibt daher einen Zusammenhang zwischen diesen Schriftstellen und denen, die wir schon betrachtet haben, die uns sagen, dass wir diesen Schatz in irdenen Gefäßen besitzen. Denn wir müssen Christus besitzen, bevor wir Ihn darstellen können. Das Licht muss im Innern sein, bevor es nach außen scheinen kann in die Finsternis, die uns umgibt. Ein leeres Gefäß wäre also eins ohne Christus, und es ist nicht die Weise des Herrn, einen solchen zu nehmen, das Licht anzuzünden, und ihn dann auszusenden, um in einem speziellen Dienst zu leuchten. Nein, je mehr das Gefäß von Christus erfüllt ist – und erfüllt sein bedeutet, sich ständig damit zu beschäftigen, die Herrlichkeit anzuschauen, die Sein aufgedecktes Angesicht zur Rechten Gottes ausstrahlt – umso heller wird das Licht sein, das ausgestrahlt wird und umso mehr wird es für die Hand des Meisters bereit sein und Seinem Willen zur Verfügung stehen. Es waren die törichten Jungfrauen, nicht die weisen, die die leeren Gefäße hatten; sie hatten kein Öl, ein deutlicher Hinweis darauf, dass sie nicht wiedergeboren waren und folglich den Heiligen Geist nicht in sich wohnend hatten. Die weisen hatten versäumt, ihre Lampen zu schmücken, aber weil ihre Lampen nicht leer waren, wurden sie zur rechten Zeit aufgeweckt, um dem Bräutigam zu begegnen und gingen durch Seine Gnade mit Ihm zur Hochzeit ein. Die anderen – die törichten Jungfrauen mit den leeren Gefäßen – wurden für immer ausgeschlossen.

Jetzt könnte die Frage aufkommen, ob ein Christ überhaupt ein leeres Gefäß sein kann. Das hätte zwei mögliche Folgen. Entweder würde er mit Christus erfüllt werden, oder mit sich selbst und mit den Dingen, die sich um ihn selbst drehen. Daher ist er, wenn er nicht mit Christus erfüllt ist, in ständiger Gefahr. So war es auch bei dem jüdischen Volk. Der unreine Geist des Götzendienstes war ausgegangen, aber er fand, um mit den Worten unseres guten Herrn zu sprechen, keine Ruhe und sagte dann, „Ich will in mein Haus zurückkehren, von wo ich ausgegangen bin; und wenn er kommt, findet er es leer, gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, böser als er selbst, und sie gehen hinein und wohnen daselbst; und das Letzte jenes Menschen wird ärger als das Erste“ (Mt 12,43–45). Hätte diese Nation jetzt Christus aufgenommen, so hätte Er die Leere ausgefüllt, und sie wären vor diesem schrecklichen Eindringen böser Geister verschont geblieben. Genau so wird der Gläubige, wenn er nicht von Christus erfüllt ist, immer mit dem beschäftigt und von dem eingenommen sein, was Christus entgegen ist. Ein leeres Gefäß kann er und wird er nicht sein.

Natürlich ist es wahr: wenn der Herr irgendeinen der Seinen zu einem speziellen Dienst aussendet, dann muss jede Kraft, jede Weisheit, jede Gnade und auch die Botschaft selbst, wenn das die Art des Dienstes ist, von Ihm kommen. Nichts aus uns selbst, nichts was unserem Ich entspringt, ist für Ihn brauchbar. Aber der springende Punkt ist, dass der Gläubige nicht in einem dienstbereiten Zustand sein wird, wenn er nicht schon erfüllt ist. Und je mehr er erfüllt ist, je mehr Christus praktisch von ihm Besitz ergriffen hat, umso größer wird seine bewusste Abhängigkeit sein, und umso gewisser ist es, dass er zum Herrn aufblicken wird – wie es das Vorrecht jedes Dieners ist – um von Ihm alles Nötige für den Dienst zu empfangen. So konnten auch die ersten Christen, weil sie alle mit dem Heiligem Geist erfüllt waren, das Wort des Herrn mit Freimütigkeit reden (vgl. Apg 4,31; auch Apg 2,4, etc.). Wir wiederholen daher noch mal, dass es nicht die leeren, sondern die gefüllten Gefäße sind, die der Herr zu Seiner unumschränkten Verfügung benötigt.

[Übersetzt von Marco Leßmann. Deutsche Erstveröffentlichung.]

Edward Dennett